Tests in Barcelona McLaren-Mercedes hat schon ein gutes Gefühl

Zwar ist das neue Auto noch in einer ungewohnten Farbe lackiert, dafür stimmt schon die Technik. Nach den Testfahrten in Barcelona herrscht beste Stimmung bei McLaren-Mercedes. Und deswegen sollen die Silberpfeile die neue Formel-1-Saison so beginnen, wie sie die alte beendet haben.


Barcelona - "Wir checken erst einmal alles durch und gehen die Dinge konservativ an", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug dem sid. Mit den ersten Runden von Testpilot Pedro de la Rosa (Spanien) war er allerding sehr zufrieden. In Barcelona rollten die Silberfeile noch im ungewohnten Orange über den Circuit de Catalunya, der traditionellen Farbe von McLaren. Das endgültige silberfarbene Design wird in rund drei Wochen vorgestellt.

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Neuer McLaren: Angriff in Orange

Im Lauf der nächsten Tage werden auch die Stammpiloten Kimi Räikkönen (Finnland) und Juan Pablo Montoya (Kolumbien) ihr neues Dienstfahrzeug kennenlernen. Die Zielsetzung des schwäbisch-britischen Rennstalls für 2006 ist eindeutig. "Wir wollen an die letzten Rennen anschließen", wünscht sich Haug: "Mit dem alten Auto haben wir sechs der letzten sieben Rennen gewonnen."

Insgesamt kam McLaren-Mercedes 2005 in 19 Rennen auf 10 Siege; Fahrer- und Markentitel schnappten den "Silbernen" allerdings der Spanier Fernando Alonso und dessen Renault-Team weg. Aufbauend auf dem alten Modell MP4-20 wurde das neue Modell MP4-21 entwickelt, um dem neuen Reglement mit Acht- statt der bisherigen Zehnzylindermotoren zu entsprechen. Durch die neuen Triebwerke verlieren die Boliden rund 150 PS.

"Die Aufgabenstellung durch den V8 ist, auf der einen Seite den Luftwiderstand zu reduzieren und auf der anderen Seite möglichst viel Abtrieb zu erzeugen", so Haug: "Wir hatten eine gute Basis, aber wenn die Konkurrenz die aerodynamischen Anforderungen besser umsetzt, ist man schlechter."

Etwa fünf Wochen bleiben dem Team bis zum Saisonauftakt am 12. März in Bahrein, um das neue Auto perfekt abzustimmen oder noch gezielt zu verbessern. "Komfortabel ist die Testzeit nie, aber in fünf Wochen kann man einiges machen. Wir müssen jetzt mit hohen Belastungen die Limits ausloten", sagte Haug. Wen genau er als schärfsten Konkurrenten sieht, vermochte der Sportchef noch nicht sagen. "Dafür ist das Überraschungspotenzial der Formel 1 zu groß", sagte er. Zumindest eine Einschätzung verriet er aber schon: "Ferrari wird deutlich stärker sein als im letzten Jahr."

6500 Testkilometer absolviert

Doch de la Rosa hat nach den ersten Testfahrten im MP4-21 offenbar keine Angst vor Niemandem: "Ich hatte schon nach ein paar Runden ein gutes Gefühl, aber natürlich ist es noch zu früh, um das ganze Potenzial des Autos zu erkennen", sagte der Spanier. Die Arbeit am neuen Auto hatte im August 2004 begonnen, als die ersten Konzepte für den V8-Motor mit 2,4 Litern Hubraum entworfen wurden. Das neue Aggregat muss, ebenso wie die Motoren 2005, an zwei aufeinander folgenden Grand-Prix-Wochenenden eingesetzt werden.

Der Mercedes-Motor lief am 15. Juni 2005 erstmals auf dem Prüfstand, drei Monate später, am 13. September wurde er im britischen Silverstone erstmals auf der Rennstrecke getestet. "Unser neuer Motor hat rund 6500 Testkilometer auf der Rennstrecke absolviert und mehr als doppelt so viele auf den Prüfständen", so Haug. Die Entwicklung der Aerodynamik begann im April 2005, die genaue Spezifikation wurde zwischen Ende Oktober und Anfang November 2005 festgelegt. Auf Grund des kleineren Motors wurde vor allem das Heck des Wagens neu gestaltet.



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