Unfall-Skandal in der Formel 1 Renault kommt mit Bewährungsstrafe davon

Zwei Jahre Sperre für Renault - auf Bewährung: Der Automobil-Weltverband hat ein mildes Urteil im Unfall-Skandal gefällt. Der langjährige Manager Flavio Briatore dagegen wird lebenslang aus der Formel 1 ausgeschlossen und darf auch keine Piloten mehr vertreten.


Hamburg - Das Renault-Team ist wegen der Verwicklung in den Unfall-Skandal der Formel 1 für zwei Jahre gesperrt worden. Die Sperre wurde allerdings zur Bewährung ausgesetzt. Dieses Urteil fällte das World Council des Automobil-Weltverbandes Fia am Montag nach 90-minütiger Anhörung und anschließender etwa dreistündiger Beratung im Fia-Hauptquartier in Paris.

In der ausführlichen Begründung heißt es: Sollte sich Renault innerhalb der beiden kommenden Jahre einen vergleichbaren Verstoß gegen das Sportgesetz leisten, würde der Rennstall automatisch für immer aus der Formel 1 ausgeschlossen.

Renault akzeptierte die Entscheidung des Weltrats umgehend. "Wir entschuldigen uns vorbehaltlos bei der Formel-1-Welt für dieses unzumutbare Verhalten. Wir hoffen aufrichtig, dass wir diese Sache hinter uns lassen und uns konstruktiv auf die Zukunft konzentrieren können", teilte der französische Autobauer mit. Zudem kündigte Renault für die kommenden Tage weitere Informationen an.

Der ehemalige Renault-Teamchef Flavio Briatore dagegen wird lebenslang aus der Formel 1 ausgeschlossen. Er darf auch nicht mehr als Manager für Formel-1-Fahrer tätig sein. Renault hatte sich bereits vergangene Woche von Briatore getrennt. Der frühere Renault-Chefingenieur Pat Symonds wurde für fünf Jahre gesperrt.

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Formel-1-Skandal: Unfall mit (Spät-)Folgen
Briatore soll den damaligen Renault-Piloten Nelson Piquet junior beim Singapur-Rennen 2008 dazu angestiftet haben, absichtlich einen Unfall zu verursachen und so Teamgefährte Fernando Alonso den Sieg zu ermöglichen.

Der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso war nach Erkenntnissen der Fia nicht in das Komplott von Singapur eingeweiht. Der Spanier entging daher einer Strafe. Auch sein ehemaliger Teamgefährte Nelson Piquet junior kam ungeschoren davon, weil er sich dem Weltverband als Kronzeuge zur Verfügung gestellt hatte. Der Brasilianer war im Juli vom Renault-Team entlassen worden und informierte die Fia kurz darauf über den Betrug beim ersten Formel-1-Nachtrennen im vergangenen Jahr. "Ich bereue meine Handlungen zutiefst. Ich wünsche mir jeden Tag, ich hätte es nicht getan", schrieb der Brasilianer nach dem Richterspruch auf seiner Internetseite.

"Meine Situation bei Renault hatte sich in einen Alptraum verwandelt", begründete Piquet Junior seine Zustimmung zu dem Unfall-Komplott. "Jetzt, wo ich nicht mehr in dieser Situation bin, kann ich nicht glauben, dass ich in den Plan eingewilligt habe. Aber als er mir vorgeschlagen wurde, sah ich mich nicht in der Position, abzulehnen", meinte der Brasilianer. Er sei erleichtert, dass die Untersuchung nun abgeschlossen sei und hoffe auf eine neue Chance als Rennfahrer.

"Es wäre daher falsch gewesen, eine sofort wirksame Sperre zu verhängen"

"Das ist die härteste Strafe, die wir verhängen konnten. Wir haben ihnen die Bewährungsstrafe gegeben, weil Renault bewiesen hat, dass nicht das Team und noch weniger das Unternehmen die Verantwortung trug. Es wäre daher falsch gewesen, eine sofort wirksame Sperre zu verhängen", sagte Fia-Präsident Max Mosley.

Unter anderem Umständen wäre ein Total-Ausschluss des Rennstalls durchaus gerechtfertigt gewesen, "weil die Verstöße von Renault F1 nicht nur die Integrität des Sports beschädigt haben, sondern auch das Leben von Zuschauern, Offiziellen, anderen Mitstreitern und Nelson Piquet Jr. selbst gefährdeten", befand der Weltrat.

fsc/sid/dpa



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ChriDDel 21.09.2009
1. Falscher Zeitpunkt
Piquet sen. hat schon Ende 2008 indirekt die FIA informiert. Seit mindestens Mai weiß auch Eccelstone von der Sache. Dieser ist ebenfalls Mitglied des FIA Weltrates. Piquet jun. hat also schon vor seinem Rauswurf auf den Fall aufmerksam gemacht.
Monsterpudel 21.09.2009
2. Unglaublich
Interessant wäre zu wissen, aufgrund von welchen Fakten diese Entscheidung getroffen wurde. Einzig aufgrund der Aussage der Piquets und weil Renault beschlossen hatte, nicht dagegenzuhalten? Das kann es ja wohl nicht sein. Ich habe das Gefühl, dass ein ganz schmutziger Machtkampf ablief und nichts von dem, was jetzt an die Öffentlichkeit getragen wird, der Wahrheit entspricht. Vielleicht bringt die Stellungnahme von Renault ja noch etwas Erhellung.
haweha 21.09.2009
3. Schnäppchen
Gegenüber der Strafe für Mercedes von 100 Mill. Dollar wegen Spionage ist diese Strafe doch ein regelrechtes Schnäppchen.
Michael KaiRo 21.09.2009
4. Mit zweierlei Maß messen!
Zitat von sysopZwei Jahre Sperre für Renault - aber nur auf Bewährung: Der Automobilweltverband hat ein mildes Urteil im Unfall-Skandal gefällt. Der langjährige Manager Flavio Briatore dagegen wird lebenslang aus der Formel 1 ausgeschlossen und darf auch keine Piloten mehr vertreten. http://www.spiegel.de/sport/formel1/0,1518,650293,00.html
Tja, während man McLaren-Mercedes für die Spionage-Affäre voll hat bluten lassen (Aberkennung aller Punkte sowie vor allem 100 Mio. Dollar Strafe) gibt es für Renault mal wieder (!!!) ein Kuschel-Urteil. Deren Spionage-Affäre, wurde nämlich ebenso sanft behandelt. Für mich vollkommen unverständlich, da solch ein provozierter Unfall auch Leben in Gefahr bringt und ne Spionage-Affäre lediglich technisches Wissen kopiert. Aber Renault wollte man in der F1 behalten und McLaren-Mercedes haben ein breites Kreuz. Oder wie oder was? P.S.: Zum 2. Mal ist Alonso in einem Team mit "Dreck am Stecken" involviert. Und er wusste von nix *lol Also hat er von der F1-Taktik keine, aber nicht die geringste Ahnung und er tankte nur mal so aus Daffkes so früh *rofl
Boeller 21.09.2009
5. Aha!
Bernie Ecclestone heisst jetzt lt. Bildunterschrift als M. Mosley, naja. Aber Briatore raus auf Lebenszeit und Renault mit Bewährung davonkommen lassen? Klar, DER Paradeplaymacho hat det allet alleene einjefädelt, wa? Mafiös, mafiös.
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