Vettel-Triumph in Australien Im Zeichen des Bullen

Melbourne war für Red Bull eine Demonstration der Stärke: Weltmeister Sebastian Vettel fuhr die Konkurrenz in Grund und Boden - dabei hielt sich sein Rennstall sogar noch zurück. Denn das wahre Potential des Wagens wurde noch nicht ausgereizt. Droht der Königsklasse die Langeweile?
Sieger Vettel (r.) und Verfolger Hamilton: Mehr als ein Platz Unterschied

Sieger Vettel (r.) und Verfolger Hamilton: Mehr als ein Platz Unterschied

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Es war eine Demonstration der perfekten Symbiose von Mensch und Maschine. Sebastian Vettel sah nach dem Großen Preis von Australien noch so frisch aus, als hätte er gerade eine Wochenendspritztour hinter sich - aber nicht die Strapazen eines circa 90 Minuten langen Formel-1-Rennens hinter sich.

Anders sah es bei den Gegnern aus: Ob McLaren, Ferrari oder Mercedes - Vettel und sein Red Bull waren noch nicht mal annähernd zu schlagen. "Da war immer noch Luft nach oben", stellte der frühere Formel-1-Weltmeister Niki Lauda ernüchtert fest, "Vettel fuhr nur so schnell wie er musste. Hätte Lewis Hamilton Druck gemacht, Vettel hätte spielend kontern können."

Lauda befürchtet ob der spielerischen Überlegenheit des deutschen Weltmeisters sogar, dass die WM schon entschieden sein könnte. Was Lauda meint: Im Qualifying zeigte Vettel erstmals in diesem Jahr das wahre Potential seines Autos auf. Acht Zehntel fuhr er schneller als der Zweite, McLaren-Pilot Lewis Hamilton. Dessen Gesicht sprach Bände. "Auf einem Kurs mit ultraschnellen Kurven wie beispielsweise Silverstone, auf dem der Red Bull seine Stärken noch mehr ausspielen kann als auf dem Stadtkurs im Melbourner Albert Park, wäre der Vorsprung noch größer", sagt Lauda.

Hamiltons ganze Körpersprache strahlte Hoffnungslosigkeit aus. Der Brite ist ein absoluter Winner-Typ, für den der Zweite in einem Rennen der erste Verlierer ist. Und genau dieses Schicksal befürchtet er für den Rest der Saison.

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Großer Preis von Australien: Champagner-Laune und Kater-Stimmung

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Da war es kein Wunder, dass Vettel die 22,2 Sekunden Vorsprung auf Hamilton am Ende des Grand Prix von Australien kleinredete. "Es war schon schwierig, hier zu gewinnen. Siegen ist nie ganz einfach. Aber es stimmt: Wir haben das ganze Wochenende einen optimalen Job gemacht. Es hat einfach gepasst", so der Weltmeister.

Dabei hatte sich die Überlegenheit schon bei den Wintertests angedeutet. Red Bull war stets mit wesentlich mehr Sprit im Tank gestartet, die Fahrzeuge waren deshalb schwerer. "Es stimmt", gibt ein lächelnder Vettel zu, "wir konzentrieren uns nur auf uns selbst und schauen nie nach der Konkurrenz."

Red Bull ist nicht nur schnell, sondern auch clever. Besonders Chefkonstrukteur Adrian Newey hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. 1998 hatte er bei McLaren ein ähnlich überlegenes Auto gebaut. Beim Auftaktrennen in Australien hatten Mika Häkkinen und Teamkollege David Coulthard damals das gesamte Feld einschließlich Michael Schumacher im Ferrari überrundet. Mit dem Ergebnis, dass McLaren in der Folge so lange auf Betreiben Ferraris vom Automobilweltverband Fia in seinen technischen Möglichkeiten beschnitten wurde, dass Häkkinen erst im letzten Saisonrennen Weltmeister wurde.

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Formel-1-Rennen in Melbourne: Sicherer Sieg, tiefer Frust

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"Das hat mir zu denken gegeben und ich habe daraus gelernt. Ich habe mir geschworen, dass es nie mehr vorkommen wird", sagt Newey. Soll bedeuten: Im Notfall das Tempo rausnehmen, um nicht zu überlegen zu wirken. Genau das haben Vettel und sein Team in Melbourne getan. Die Konkurrenz müsste das noch mehr frustrieren.

Die ist aber viel zu sehr mit eigenen Problemen beschäftigt. Mercedes sucht zwei Sekunden, die auf Red Bull fehlen. Nico Rosberg, der optimistisch zum Auftaktrennen nach Melbourne geflogen war, hatte sich schon nach dem Qualifying restlos bedient gezeigt. Er wies Glückwünsche zurück, weil er erneut Teamkollege Michael Schumacher geschlagen hatte. "Zwei Sekunden hinter dem Spitzenreiter, da kann ich nicht zufrieden sein", sagte Rosberg.

Am Sonntag wurden die beiden Silberpfeil-Piloten dafür unter Wert geschlagen. Michael Schumachers Rennen war schon in der ersten Runde zerstört, als er von Toro-Rosso-Pilot Jaime Alguersuari gerammt wurde. Danach musste er zur Box, um einen Reifen wechseln zu lassen. Das Fahrverhalten des Mercedes war aber nach der Kollision so empfindlich gestört, dass er in der 23. Runde aufgeben musste.

Bei Rosberg fiel schon von Beginn an das wieder erlaubte Energierückgewinnungssystem Kers aus. Trotzdem wäre er als Siebter ins Ziel gekommen, hätte Williams-Pilot Rubens Barrichello ihn nicht gerammt und den Kühler seines Autos zerstört. Am Ende bleibt aber das Fazit: Mercedes ist im Moment vom reinen Speed her nur Nummer fünf hinter Red Bull, McLaren, Ferrari und Renault.

Ferrari sollte man nicht vorschnell abschreiben

Ferrari hat ebenfalls enttäuscht. Doch auch 2010 war die Scuderia zu langsam am Saisonbeginn und hätte doch noch fast die WM gewonnen. Ferrari ist groß im Verbessern seiner Autos.

Kers und der verstellbare Heckflügel nahmen wider Erwarten keinen großen Einfluss auf den Rennverlauf. Sieger Red Bull verzichtete darauf, das Kers zu aktivieren und damit auf einen Vorteil, der bis zu fünf Zehntelsekunden pro Runde bringen kann.

Die Begründung von Red-Bull-Chef Christian Horner klingt logisch. "Warum sollen wir im Moment ein System verwenden, dass noch nicht zu 100 Prozent ausgereift ist und wir noch nicht im Auto brauchen. Man sieht ja bei den Gegnern, dass es noch viele Probleme damit gibt."

Der verstellbare Heckflügel funktionierte zwar einwandfrei, doch ein richtiger Vorteil zum Überholen war noch nicht zu bemerken. Nur Jenson Button (McLaren) überholte Felipe Massa (Ferrari) aufgrund des Einsatzes des einklappbaren Heckflügels. Da er aber gleichzeitig den Kers-Knopf für die Zusatzpower drückte, ist es schwer zu beurteilen, was den größeren Ausschlag gab. Zudem kam Button auch noch aus dem Windschatten des Vordermannes.

Auch das befürchtete Reifenchaos blieb aus. Beide Mischungen hielten einwandfrei und die meisten Piloten mussten nur zweimal Reifen wechseln. Das war zu Bridgestone-Zeiten auch nicht anders.

Aber beim nächsten Rennen in Malaysia gibt es schnellere Kurven, welche die Reifen stärker belasten, und höhere Temperaturen. Da rechnen die Teams mit bis zu vier Boxenstopps - selbst die Triumphatoren von Red Bull.

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