Vettels WM-Triumph Der Kurvenkönig

Zum zweiten Mal Weltmeister - und das vier Rennen vor Saisonende! Sebastian Vettel hat die Formel 1 in dieser Saison dominiert wie nur wenige Fahrer vor ihm. Er hatte das beste Auto, seinen Kollegen Webber im Griff, und er profitierte von der Schwäche der Konkurrenz. Vor allem aber ist er gereift.

AFP

Es ist noch nicht lange her, da erschien Sebastian Vettel vielen als ein bockiger Jüngling. Einer, der durch übersteigerten Ehrgeiz auffiel. Einer, der mit ganz viel Talent für die Formel 1 gesegnet war, sich aber häufig selbst im Weg stand. Das war vor nicht einmal anderthalb Jahren. Nun ist Vettel Doppel-Weltmeister.

Es war der 30. Mai 2010, als Vettel beim Großen Preis der Türkei hinter seinem Teamkollegen Mark Webber auf Platz zwei lag. Zu wenig aus Vettels Sicht, der an einer fragwürdigen Stelle zum Überholmanöver ansetzte und sowohl sich selbst als auch Webber von der Piste schoss. Schuld? Aus Vettels Sicht der Australier, natürlich. Es ist nur ein Beispiel von vielen für den wilden Vettel von einst.

"Manchmal bin ich zu stur, will zu viel auf einmal, statt zu warten und Geduld zu haben", sagte Vettel vor nicht allzu langer Zeit über sich selbst. Es ist diese Einsicht, diese charakterliche Weiterentwicklung, die neben den Fähigkeiten auf der Strecke dafür verantwortlich ist, dass der 24-Jährige nun jüngster Doppel-Weltmeister der Formel-1-Geschichte ist.

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An Vettels Talent gab es indes nie Zweifel. "Wenn er nicht gewann, wusste ich: Mit dem Auto stimmt was nicht", sagte sein Förderer Gerhard Noack einmal über Vettels Zeit in der Kart-Serie. Der Red-Bull-Pilot hat im Laufe der Jahre ein fast einmaliges Fahrgefühl entwickelt. Sein Renningenieur Guillaume Rocquelin sagt: "Sebastian hat keinen in Stein gemeißelten Fahrstil. Seine große Stärke ist es, dass er seine Linien- und Bremspunktwahl je nach Fahrverhalten des Autos und den Streckenbedingungen anpassen kann." Diese Fähigkeiten auf der Piste - es ist der erste von fünf Faktoren, warum Vettel erneut den Titel gewann.

Erfolgsfaktor Rennwagen: "Er kann mit diesem Auto gar nichts falsch machen, ist allen anderen weit überlegen", urteilt der frühere Renault-Teamchef Flavio Briatore über Vettels Red Bull RB7. Und tatsächlich hat Red-Bull-Chefdesigner Adrian Newey einen Rennwagen kreiert, gegen den die Konkurrenz kaum ankommt. Einige Teams haben Autos, die auf schnellen Strecken mit vielen Geraden ihre Stärken haben. Andere Boliden sind auf kurvenreichen Pisten besser. Der Red Bull hingegen ist auf jedem Kurs ein potentielles Siegerauto.

Ebenso beeindruckend wie die Fahreigenschaften des Red Bull ist dessen Zuverlässigkeit. Vettel und Webber hatten in der vergangenen Saison immer wieder mit technischen Problemen zu kämpfen. Insbesondere der Motor streikte 2010 mehrfach. Davon war in diesem Jahr aber bisher keine Rede. Vettel ist in 15 Saisonrennen kein einziges Mal ausgefallen, Webber kam nur einmal nicht ins Ziel. Allerdings war dafür kein technischer Defekt verantwortlich: Der Australier kollidierte beim Großen Preis von Italien in Monza mit Ferrari-Pilot Felipe Massa und fiel aus.

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Erfolgsfaktor Teamkollege: Wer ist eigentlich Mark Webber? In der vergangenen Saison schien der Australier noch die Nummer eins bei Red Bull zu sein, führte mehrfach die WM-Wertung an. Vettel wollte sich mit seinem Status als Nummer zwei aber nicht zufriedengeben. Der Deutsche betonte 2010 stets, solange er selbst Weltmeister werden könne, fahre er nur für sich. Eine Taktik, die am Ende aufging.

Durch seinen Triumph vergangenes Jahr hat sich Vettel bei Red Bull ein Standing erarbeitet, das Webber zur klaren Nummer zwei degradiert. Vom Australier spricht kaum noch jemand. Auch, weil Vettel die Hilfe seines Teamkollegen gar nicht nötig hat, um die Rennen zu gewinnen. Dass Webber dieses Jahr derjenige war, der im Gesamtklassement zeitweise Vettels ärgster Verfolger gewesen ist, fand ob der Dominanz des Deutschen kaum Beachtung.

Erfolgsfaktor Konkurrenz: Vettel konnte diese Saison auch deshalb so stark auftrumpfen, weil er keinen klaren Konkurrenten hatte. Das spiegelt sich auch im WM-Klassement wider: Der Zweite Jenson Button (210 Punkte) liegt im McLaren 114 Zähler hinter Vettel, aber nur acht Punkte vor Ferrari-Pilot Fernando Alonso (202) und 16 Zähler vor Webber (194). Auch der zweite Fahrer vom McLaren-Team, Lewis Hamilton (178), liegt noch in Schlagdistanz zu diesem Trio. Während Vettel mit neun ersten und vier zweiten Plätzen in stetiger Regelmäßigkeit viele Punkte einheimste, machten sich seine vier Konkurrenten die anderen Top-Plätze gegenseitig streitig und jagten so einander die Punkte ab.

Mit Blick auf die Kombination Fahrer plus Auto wäre von den Verfolgern wohl in erster Linie Hamilton die Rolle eines ernsthaften Vettel-Rivalen zuzutrauen. Der Brite gilt neben dem Deutschen als derzeit talentiertester Pilot in der Formel 1. Im Gegensatz zu Vettel holte er bereits in seiner zweiten Saison den Titel (2008). Dass Hamilton außergewöhnliche Fähigkeiten am Steuer hat, ist unbestritten.

Möglicherweise ist dem 26-Jährigen aber sein großer Erfolg in jungen Jahren zu sehr zu Kopf gestiegen. Hamilton fällt mittlerweile öfter durch Entgleisungen neben der Rennstrecke auf. Vettel hingegen hob auch nach seinem Triumph 2010 nicht ab. "Sebastian ist gewachsen - als Charakter und als Rennfahrer", sagt Red-Bull-Teamchef Christian Horner. Es ist der fünfte Faktor für Vettels Erfolg. Vor allem deshalb ist er so souverän zum zweiten Mal Weltmeister geworden.

insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
hoffnungsvoll 09.10.2011
1. Weltmeister
Wir Sind Weltmeister!
Dzampa 09.10.2011
2. .
Hamilton sollte sich vielleicht mal ein Beispiel an ihm nehmen!
dayo, 09.10.2011
3. und..
Zitat von hoffnungsvollWir Sind Weltmeister!
..ich dachte immer, wir sind papst.
Sapientia 09.10.2011
4. Herzlichen Glückwunsch für diesen sympathischen
Zitat von sysopZum zweiten Mal Weltmeister - und das vier Rennen vor Saisonende! Sebastian Vettel hat die Formel 1 in dieser Saison dominiert wie nur wenige Fahrer vor ihm.*Er hatte das beste Auto, seinen Kollegen Webber im Griff und er profitierte von der Schwäche der Konkurrenz. Vor allem aber ist er gereift. http://www.spiegel.de/sport/formel1/0,1518,790671,00.html
Knaben zum 2. Titel. Schade nur, daß der Deutscher ist; dies hat zur Folge, daß sich die grauen Mäuschen von RTL in einer Orgie von Superlativen ggs zu überbieten versuchen, das mediale Niveau völlig absenken und das macht die ganze Sache erst abstoßend. Und langweilig ist die F1 natürlich auch, wenn wie in diesem Jahr jemand so weit vorne fährt und praktisch zur Halbzeit schon kaum noch einholbar ist.
decebalus911 09.10.2011
5. Jo
Zitat von hoffnungsvollWir Sind Weltmeister!
Zum 9ten mal in den letzten 18 Jahre! Juhu, Schlaaand;)
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