Nach WM-Absage So will sich "Fortnite" im E-Sport halten

Als Freizeitgame ist "Fortnite" extrem populär. Doch im E-Sport gelten andere Voraussetzungen, dort tut es sich schwer. Und ohne den Jahreshöhepunkt WM steht der Hersteller vor neuen Problemen.
Kopf an Kopf: Sicherheitsabstand nicht gegeben, zumindest nicht auf diesem TV-Foto von der "Fortnite"-WM 2019

Kopf an Kopf: Sicherheitsabstand nicht gegeben, zumindest nicht auf diesem TV-Foto von der "Fortnite"-WM 2019

Foto: Johannes EISELE / AFP

"Fortnite" ist hektisch und chaotisch. Dem ungeschulten Auge fällt es schon schwer, einem einzelnen Spieler zu folgen. Wettbewerbe, bei denen man ein Teilnehmerfeld von 100 Spielern im Blick behalten soll, sind ein unüberschaubares Durcheinander. Trotzdem hat es der Hersteller Epic Games im vergangenen Jahr geschafft, mit der "Fortnite"-Weltmeisterschaft eines der meistverfolgten Events des E-Sport-Kalenderjahres abzuhalten.

Das Problem, dass sich "Fortnite" im Vergleich zu anderen Titeln schwerer als zuschauertauglicher E-Sport abbilden lässt, haben die Veranstalter der WM mit der gleichen Formel gelöst, die auch das Spiel selbst zum weltweiten Erfolg gemacht hat: Es funktioniert, weil alles viel größer aufgezogen ist. Nachdem bereits in der Qualifikation für die Endrunde beachtliche Prämien ausgeschüttet worden waren, krönte sich im Juli 2019 der damals erst 16 Jahre alte Kyle "Bugha" Giersdorf im legendären New Yorker Arthur Ashe Stadium in Flushing Meadows zum ersten "Fortnite"-Weltmeister - und er gewann dabei eine Siegprämie in Höhe von drei Millionen US-Dollar (2,7 Millionen Euro).

Die Botschaft: Das erfolgreiche Videospiel "Fortnite" kann auch als E-Sport-Event funktionieren. Doch während Titel wie "Counter-Strike" oder "League of Legends" über Jahre gewachsene Liga- und Turniersysteme haben, fehlt es in der kompetitiven "Fortnite"-Szene an Strukturen. Die anderen Titel setzen ihren Betrieb während der Corona-Pandemie nun improvisiert im Onlinebetrieb fort. Für sie funktioniert, was bei "Fortnite" nicht geht: E-Sport-Alltag.

Mit dem Ausfall der WM - die Anfang Mai offiziell wurde - bricht der wichtigste Baustein im E-Sport-Konzept von "Fortnite" weg.

Neue Turnierserie soll Lücke füllen

Epic Games hat aber bereits eine neue Turnierserie angekündigt, die bis zum Jahresende laufen soll. Mit der "Fortnite" Champion Series sollen die E-Sport-Ambitionen am Leben erhalten werden - ebenfalls mit einem reinen Online-Wettbewerb.

Zur ersten Ausgabe treten schon an diesem Samstag (mehr Infos zu Zeiten gibt es hier ) 600 Spieler aus aller Welt an drei aufeinanderfolgenden Wochenenden gegeneinander an. Sie spielen ein Gesamtpreisgeld von zwei Millionen Dollar (über 1,8 Millionen Euro) aus. 400 Spieler sind wegen ihres Abschneidens in den Vorsaisons gesetzt, 100 weitere Spieler hat der Veranstalter selbst eingeladen, 100 Spieler konnten sich qualifizieren. Wer an einem Wochenende genug Punkte sammelt, qualifiziert sich für die Teilnahme an den Folgewochenenden, vom 22. bis 24. Mai werden die Gewinner in den jeweiligen Regionen Europa, Nordamerika West, Nordamerika Ost, Brasilien, Asien, Ozeanien und Mittlerer Osten ausgespielt.

Für die Turnierserie hat Epic Games das Punktesystem verändert. Die meisten Punkte bringt im Battle-Royale-Modus noch immer das längste Überleben in jeder Runde, Eliminierungen von Gegnern werden jedoch ab sofort höher gewichtet. Das bringt aggressiven Spielern Vorteile gegenüber abwartenden und wurde unter den Teilnehmern sehr unterschiedlich aufgenommen. Während der bekannte Streamer Turner Ellis Tenney alias "Tfue" die Neuerungen per Twitter kritisierte, äußerte sich Weltmeister "Bugha" positiv.

Ebenfalls eine Kontroverse in der Szene hat ein Vorfall in den brasilianischen Qualifikationsrunden ausgelöst. Der Spieler "Zenon" hatte sich in der Qualifikation eigentlich einen Platz gesichert. Da er jedoch erst neun Jahre alt ist, darf er gar nicht an den Wettbewerben teilnehmen, die erst für Spieler ab 13 Jahren geöffnet sind. Epic Games hat den Jungen mit einer vierjährigen Sperre für professionelle Wettbewerbe belegt, also bis er das Mindestalter erreicht. Viele Spieler kritisierten daraufhin den Hersteller.

Epic Games gibt E-Sport nicht auf

Das Kerngeschäft, der normale Freizeitspielbetrieb, läuft bei "Fortnite" weiter gut: Am Mittwoch hatte der Hersteller bekanntgegeben, dass "Fortnite" mittlerweile 350 Millionen registrierte Spieler hat. Erst vor wenigen Tagen fanden im Spiel virtuelle Livekonzerte von Rapper Travis Scott statt, die laut Hersteller allein im Spiel selbst von 27,7 Millionen Menschen verfolgt wurden. Hinzu kommen noch Zuschauer, die über Streams zugeschaltet haben. Weitere Konzerte mit Künstlern wie Dillon Francis, Steve Aoki und Deadmaus sollen folgen.

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Neben diesen popkulturellen Events scheint "Fortnite" den sportlichen Wettbewerb nicht aufgeben zu wollen. Für 2021 hat Epic Games die Hoffnung geäußert, wieder ein Großevent wie die Weltmeisterschaft abhalten zu können. Es wird spannend zu beobachten sein, wie sich die eigene E-Sport-Szene bis dahin entwickelt.