0:0 gegen Lettland DFB-Team scheitert am lettischen Bollwerk

Wer glaubte, die deutsche Nationalmannschaft würde nach dem viel versprechenden EM-Auftakt gegen die Niederlande ihren Aufwärtstrend fortsetzen, wurde in Porto eines Besseren belehrt. Im zweiten Gruppenspiel gegen die aufopferungsvoll kämpfenden Letten reichte es für das Völler-Team nur zu einem enttäuschenden Remis.


Kopflos gegen Lettland: Michael Ballack versucht sich vergeblich im Zweikampf gegen Lettlands Andrejs Prohorenkovs
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Kopflos gegen Lettland: Michael Ballack versucht sich vergeblich im Zweikampf gegen Lettlands Andrejs Prohorenkovs

Porto - Vier Jahre nach dem Vorrunden-Aus bei der Euro in Belgien und den Niederlanden läuft auch die Auswahl von Teamchef Rudi Völler nach einem blamablen 0:0 gegen Lettland Gefahr, das Viertelfinale zu verpassen. Die DFB-Auswahl kann aber mit einem Sieg im letzten Gruppenspiel am Mittwoch gegen die durch ein 3:2 gegen die Niederlande bereits qualifizierten Tschechen in Lissabon aus eigener Kraft die Runde der letzten Acht erreichen. Sollte die Niederlande zeitgleich gegen Lettland unentschieden spielen, reicht dem Vizeweltmeister sogar ein Remis. Dennoch - die Leistung des Vize-Weltmeisters bedeutete nach dem guten Spiel gegen die Niederlande zum Auftakt (1:1) eine große Ernüchterung.

"Natürlich ist man nach so einem Spiel enttäuscht", räumte Völler ein, wollte aber auch nicht Grabesstimmung verbreiten, "es ist im Grunde ja wirklich nichts verloren. Wir haben durch einen Sieg, egal wie er ausfällt, die Chance, die nächste Runde zu erreichen. Jetzt müssen wir gewinnen." Dagegen freute sich der lettische Trainer Aleksandrs Starkovs über den tollen Auftritt seiner Truppe: "Es war ein historisches Unentschieden, weil es der erste Punktgewinn bei einer EM war. Ich bin glücklich, sehr stolz und freue mich für die Mannschaft, unsere zahlreichen Fans und unser Land. Da es erst unser zweites Spiel bei einem Endturnier war, hat die Mannschaft nervös begonnen, aber unter dem Strich haben wir besser gespielt als beim Auftakt gegen die Tschechen. Meine Mannschaft wächst von Spiel zu Spiel. Jetzt wollen wir auch gegen die Niederlande ein gutes Ergebnis erreichen."

Vom ersten Turniersieg gegen eine europäische Mannschaft seit dem Finaltriumph bei der EM 1996 gegen Tschechien war das deutsche Team auf Grund spielerischer Mängel weit entfernt. Erst in der zweiten Halbzeit brachte der eingewechselte Bastian Schweinsteiger vor 22.344 Zuschauern im Estadio do Bessa von Porto zumindest vorübergehend etwas Schwung, Großchancen blieben aber Mangelware. Der Versuch eines Sturmlaufs brachte kein zählbares Ergebnis. Der dreimalige Welt- und Europameister hatte sogar Glück, bei Kontern der Letten nicht in Rückstand zu geraten.

Kein Tempo, kein Druck, zu umständlich

Wie erwartet hatte Völler seine Anfangsformation im Gegensatz zum Match gegen die Niederlande geändert und in Fredi Bobic einen zweiten Stürmer neben Kevin Kuranyi gebracht - aber für eine Überraschung sorgte er trotzdem noch: Abwehrchef Jens Nowotny musste auf der Bank Platz nehmen, der Bremer Frank Baumann blieb in der Mannschaft.

Der deutschen Mannschaft gelang es über die gesamte Spielzeit kaum, Tempo und Druck aufzubauen. "Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen", stellte sich Völler dennoch vor seine Spieler, "sie hat bis zuletzt an ihre Chancen geglaubt, aber phasenweise zu umständlich gespielt. Wenn man keine Tore schießt, kann man nicht gewinnen."

Auch Linksverteidiger Philipp Lahm wirkte zerknirscht nach dem ernüchternden Resultat. "Wir haben uns mehr erhofft und sind natürlich sehr enttäuscht", so der 20-Jährige, "es ist schwer, gegen eine Mannschaft zu spielen, die hinten drinsteht. Wir haben nicht gut gespielt. Gegen eine solche Mannschaft muss man besser agieren." Zu wenig kam vor allem über die Außenbahnen: Torsten Frings war in der ersten Halbzeit von der Rolle, Bernd Schneider ebenso.

Lettland begann mit jener Elf, die sich beim 1:2 gegen Tschechien wacker geschlagen hatte, und machte auch der DFB-Auswahl mit konzentrierter Abwehrarbeit gehörig zu schaffen. Es dauerte bis zur 14. Minute, ehe Kuranyi nach einem weiten Pass von Christian Wörns einen ersten gefährlichen Schuss nur knapp neben das Tor der Balten setzte.

Gefährliche Konter der Letten

Wie angekündigt beschränkten sich die Letten, die in den Playoffs zur Euro den WM-Dritten Türkei ausgeschaltet hatten, auch nicht auf die Defensive. Der 53. der Weltrangliste suchte respektlos den Weg zum deutschen Tor, und holte einige Freistöße aus reichlich gefährlicher Position heraus. Die beiden schnellen Angreifer Maris Verpakovskis und Andrejs Prohorenkovs sorgten stets für Unruhe.

Die Schwächen in der deutschen Hintermannschaft wurden vor allem in der 40. Minute offenbar. Nach einem Ballverlust von Bobic stürmte Top-Torjäger Verpakovskis von der Mittellinie aus auf und davon, ließ Dietmar Hamann, Wörns und Baumann wie Schuljungen stehen - scheiterte mit seinem Schuss aber am hervorragend reagierenden Kapitän Oliver Kahn.

Großes Glück hatte die deutsche Hintermannschaft kurz vor der Halbzeit, als Wörns Verpakovskis umklammerte; über einen Elfmeterpfiff hätte sich die deutsche Mannschaft nicht beklagen brauchen. In der 54. Minute war es erneut Verpakovskis, der die deutsche Abwehr narrte und von Baumann zu Fall gebracht wurde. Schiedsrichter Michael Riley (England) sah auch in dieser Szene keine Veranlassung für einen Strafstoß.

"Wir haben einen Satzball vergeben"

Mit Beginn der zweiten Halbzeit war Schweinsteiger gekommen und brachte vorübergehend etwas Schwung. Frings kam über rechts. Ballack und Hamann trieben die Angriffe voran, auch Lahm und Friedrich kamen nun etwas besser ins Spiel. Dennoch: zwingend vor das lettische Tor kam die deutsche Mannschaft kaum. Kuranyi und Schweinsteiger behindert sich in der 59. Minute gegenseitig, den Freistoß von Ballack aus 20 Metern faustete Torhüter Alexandrs Kolinko ins Feld zurück, bei einer Hereingabe von Kuranyi kam Bobic frei vor dem Tor einen Schritt zu spät (69.). In der 84. Minute sprang der eingewechselte Thomas Brdaric nach Vorlage von Ballack am Ball vorbei. Auch Miroslov Klose in der zweiten Minute der Nachspielzeit vergab kläglich.

Nach dem Rückschlag gegen Lettland müssen die deutschen Spieler im letzten Gruppenspiel gegen Tschechien am Mittwoch (20:45 Uhr) eine Trotzreaktion zeigen. "Wir sind enttäuscht, denn wir wollten unbedingt gewinnen", zog Ballack ein unbefriedigendes Fazit, "wir haben das Spiel kontrolliert und mehr Ballbesitz gehabt, aber die Letten haben kompakt gestanden. Noch ist nichts verloren. Wir wussten schon vorher, dass das Spiel gegen Tschechien ein Endspiel wird. Nur jetzt müssen wir es gewinnen." Dieser Meinung war auch Nowotny, der die Nullnummer gegen die Letten kühl registrierte: "Im Prinzip ist es egal. Wenn wir heute gewonnen hätten, hätten wir gegen Tschechien ein Unentschieden gebraucht. Jetzt brauchen wir eben einen Sieg."

Lettland - Deutschland 0:0
Lettland: Kolinko - Isakovs, Zemlinskis, Stepanovs, Blagonadezdins - Bleidelis, Lobanovs (70. Laizans), Rubins - Astafjevs - Verpakovskis (90.+2 Zirnis), Prohorenkovs (67. Pahars)
Deutschland: Kahn - Friedrich, Wörns, Baumann, Lahm - Schneider (46. Schweinsteiger), Hamann, Frings - Ballack - Bobic (67. Klose), Kuranyi (77. Brdaric)
Schiedsrichter: Michael Riley (England)
Zuschauer: 22.344
Gelbe Karten: Isakovs, Astafjevs - Friedrich, Hamann, Frings



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