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Krawalle beim Derby: Viel Arbeit für die Polizei

Foto: Thilo Schmülgen/ dpa

Hooligan-Krawalle in Köln "Bis der Erste auf der Strecke bleibt"

Sechs Menschen verletzt - das war die Bilanz der Bundesligapartie zwischen Köln und Mönchengladbach. Es hätte noch schlimmer kommen können. Doch zumindest während des Spiels ließen sich die Fans von den Hooligans nicht provozieren.

Sportlich ist das 0:0 zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach schnell erzählt. Doch die Ausschreitungen rund um das Spiel werden die Verantwortlichen länger beschäftigen. 93 Personen hat die Polizei in Gewahrsam genommen, sechs Personen wurden leicht verletzt, darunter vier Einsatzkräfte.

Dass es trotz aller Bemühungen wieder Krawalle gab rund um das Derby, sorgte bei Kölns Präsident Werner Spinner für Frust: "Wir können und wollen für diese Personen keine Verantwortung übernehmen und lassen uns mit ihnen nicht gemein machen", erklärte Spinner in einem Statement auf der Vereinshomepage.

In einer spontanen Äußerung nach dem Spiel hatte Präsident Spinner von "bekloppten Heinis" gesprochen. Wen er damit meinte, zeigt ein im Netz kursierendes Video, das die enorme Gewaltbereitschaft der Hooligans zeigt. Ein Beteiligter schlägt darin mit einem Verkehrspoller auf einen am Boden liegenden Mann ein. Selbst in Foren, in denen sich auch gewaltbereite Fußballfans austauschen, finden sich entsetzte Stimmen. "Dauert auch nicht mehr lange, bis der erste auf der Strecke bleibt", schreibt ein User.

Die Szenen aus dem Video zeigen eine Prügelei, die schon lange vor dem Anpfiff hinter der Südtribüne des Kölner Stadions stattfand. Mönchengladbachs Fanbetreuer Thomas Weinmann verurteilt den Vorfall, sagte aber: "Da haben sich Leute aufs Maul gehauen, die waren unter sich."

Verabredungen zwischen rivalisierenden Fans sind typisch für die Hooliganszene, die trotz der rohen Gewaltanwendung für einen strengen Kodex steht. Der besagt: keine Waffen, keine Angriffe auf Unbeteiligte. Eigentlich.

Vermummte attackieren friedliche Zuschauer

Denn auf der gegenüberliegenden Seite des Stadions spielten sich Szenen ab, die nicht zu diesem Kodex passen. Dort, wo sich die Wege von Gladbacher und Kölner Fans im Anreisestrom kurz vor dem Anpfiff kreuzten, mischten sich Vermummte mit rot-weißen Sturmhauben unter die friedlichen Anhänger. Augenzeugen berichteten von Flaschen- und Böllerwürfen.

"Ohne Rücksicht auf Verluste" seien Gewalttäter auf Unbeteiligte losgegangen, sagte Polizeisprecher Carsten Möllers. Er gibt sich keinen Illusionen hin: "Solange es Leute gibt, für die das Fußballspiel nur eine Bühne ist, werden wir solche Auseinandersetzungen nie gänzlich verhindern können."

Ein anderer Vorfall rund um das Derby nahm ein weniger dramatisches Ende. Zwei Tage vor dem Spiel hatten Unbekannte einen Zaunsichtschutz am Jugend-Fanprojekt "De Kull" in Mönchengladbach entwendet, den Kinder im Rahmen einer sozialpädagogischen Maßnahme bemalt hatten. Während des Spiels tauchte das Banner in der Kölner Kurve auf.

2008 hatte ein ähnlicher Vorfall im Zweitligaduell beider Vereine noch zu einer heftigen Gegenreaktion geführt, samt drohendem Spielabbruch. Diesmal ließen sich die Gladbacher Fans nicht provozieren. "Mit so einer Coolness darauf zu reagieren, das ist Qualität", sagte Sportdirektor Max Eberl der Rheinischen Post.

Gegenüber SPIEGEL ONLINE kritisierte Fanbetreuer Weinmann den 1. FC Köln dafür, dass es überhaupt zu der heiklen Situation kommen konnte: "Unsere Sozialarbeiter hätten die betreffenden Leute erreicht, wenn die Situation andersherum gewesen wäre", behauptete er: "Mir tun die Kölner Leid, dass sie eine solche Fanszene haben."

Köln-Fans präsentieren Choreografie mit abgetrenntem Fohlenkopf

Kölns Medienchef Tobias Kaufmann äußerte sich auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE zu dem Vorfall: "Das ist leider eine beliebte Form der Provokation. Wir müssen aber auch in einer vertretbaren Zeit 50.000 Menschen kontrollieren, das darf man nicht vergessen." Der Verein werde die Angelegenheit mit dem Sicherheitsdienst aufarbeiten.

Auch die Kölner Choreografie vor dem Anpfiff sorgte für Irritationen - sie zeigte einen übergroßen Adler, der einen abgetrennten Fohlenkopf in seinen Klauen hält. "Wir kannten diese Choreo im Entwurf, nicht in aller Konsequenz. Aber selbst wenn wir sie so gekannten hätten, hätten wir sie genehmigt", sagte Kaufmann. "Es ist nicht unsere Ästhetik, aber im Rahmen dessen, was bei Derbys sonst so gezeigt wird, halten wir das für tolerabel."

Das nächste Duell zwischen den beiden Erzrivalen findet übrigens ausgerechnet am Karnevalswochenende statt. "Ich denke, im Rückspiel wird einiges gehen!", schreibt ein User im besagten Krawall-Forum. Er bezieht sich nicht auf das Sportliche.

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