Ultras des 1. FC Köln Die "Boyz" müssen draußen bleiben

Vermummte Fans hatten nach dem Spiel des 1. FC Köln in Mönchengladbach das Feld gestürmt, der Verein reagiert mit Härte. Er verhängte Stadionverbote für Mitglieder und Sympathisanten der Ultra-Gruppe "Boyz". Das könnte Ärger geben.
Platzsturm in Mönchengladbach: Stadionverbote für Ultras des 1. FC Köln

Platzsturm in Mönchengladbach: Stadionverbote für Ultras des 1. FC Köln

Foto: Federico Gambarini/ dpa

Der 1. FC Köln hat unter der Woche Briefe an 45 Fans verschickt, die er bei seinen Heimspielen nicht mehr im Stadion haben möchte. 45 Fans, die der Ultra-Gruppe "Boyz" angehören oder ihr "zumindest sehr nahe[stehen]", wie es in dem Schreiben heißt, das am Donnerstagabend im Internet auftauchte und dessen Echtheit der Verein bestätigt.

Unterzeichnet ist es von Alexander Wehrle und Jörg Schmadtke, den Geschäftsführern des Bundesligisten, die sich seit dem vergangenen Spieltag weniger mit dem Abstiegskampf und der Vorbereitung auf das Heimspiel gegen Hannover 96 am Samstag (18.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) beschäftigen, sondern vielmehr mit der Aufarbeitung der Krawalle beim Derby in Mönchengladbach.

Während sich Präsident Werner Spinner aus der öffentlichen Debatte in diesen Tagen heraushält, fällt Schmadtke mit deutlichen Worten auf: "Der Zeitpunkt der Milde ist vorbei", sagte der Geschäftsführer am Donnerstag mit Blick auf einen Teil der Kölner Anhängerschaft. Offenbar ist Schmadtke von der Klubspitze zum Krisenmanager bestimmt worden.

Köln geht massiv gegen Fans vor

Die Reaktionen des Vereins richten sich gegen Anhänger, die in Mönchengladbach an der Zündung eines pyrotechnischen Feuerwerks und dem Platzsturm nach dem Spiel beteiligt waren. Und auch gegen die Fans, von denen der Klub künftig Gefahr fürchtet. "Wir wollen diejenigen raushalten, die in Gladbach was gemacht haben, die dabeistanden oder die wir den 'Boyz' zurechnen", sagt ein Vereinssprecher.

Dass der Klub nicht jedem der 45 Fans ein Vergehen beim Derby nachweisen kann, ist aus juristischer Sicht unproblematisch, solange keine Willkür vorliegt. "Die konkrete Beteiligung ist auf Grundlage der gängigen Rechtsprechung nicht notwendig. Es genügt die Gefahr, die sich auch aus anderen Umständen ergeben kann", sagt der Bochumer Rechtsanwalt Matthias Düllberg, der eine Internetseite zum Thema Strafrecht beim Fußball unterhält.

Dennoch dürften die Maßnahmen Ärger bei vielen Fans auslösen. Genauer: bei den Ultras, die sich als harter Kern der Gefolgschaft sehen.

Schon dass den "Boyz" zu Wochenbeginn der Status als offizieller Fanklub des FC aberkannt worden war, kam nicht bei allen Anhängern gut an. In der Ultra-Szene gelten Kollektivstrafen als höchstes Übel. Wer weiß schon, wie viele Mitglieder des Fanklubs an den Ausschreitungen beteiligt waren?

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Rheinderby in Mönchengladbach: Randale nach dem Schlusspfiff

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Die Kölner Verantwortlichen stellen sich darauf ein, dass es beim Spiel gegen Hannover Solidaritätsbekundungen mit den verbannten "Boyz" geben wird. Sogar dass andere Ultra-Gruppen das Heimspiel boykottieren, scheint möglich. "Gewisse Dinge werden wir aushalten müssen", sagt Krisen-Manager Schmadtke.

Der Verein will sich durch Boykottdrohungen oder Unmutsäußerungen aus der Kurve nicht erpressen lassen. Zumal der Klub nach eigenen Angaben viel Zuspruch für seinen Kurs empfängt. Auch der Hauptsponsor stärkt dem FC den Rücken.

Tatsächlich lässt sich nachvollziehen, dass die Geduld mit einigen Fans am Ende ist. Denn der Klub pflegt stärker als die meisten Bundesligisten den Dialog mit seinem Anhang. Präsident Spinner hat gleich nach seiner Amtseinführung 2012 eine regelmäßige Gesprächsrunde eingeführt, in der sich Vereinsvertreter und Abgesandte verschiedener Fangruppen austauschen. Auch die "Boyz" saßen bis zu ihrem Ausschluss mit am Tisch.

Die sogenannte AG Fankultur hat die Randale-Problematik in der Kölner Fan-Szene nach allgemeinem Dafürhalten entschärft, aber längst nicht gelöst. Die Ausschreitungen von Mönchengladbach haben die Grenzen des Dialogs gezeigt, sie haben die verständnisvolle Fan-Politik sabotiert. Dennoch betont Geschäftsführer Schmadtke: "Wir werden nicht in Gänze vom Dialog abrücken."

Wichtig ist dem Verein, dass sich friedliche Fans von Krawallmachern abgrenzen, dass eine Entsolidarisierung stattfindet. Rechtsanwalt Düllberg fürchtet allerdings, dass das schwierig wird nach den Stadionverboten und vor allem nach dem Ausschluss der "Boyz" als Fanklub und aus der Gesprächsrunde: "Kollektivstrafen sind kontraproduktiv", glaubt der Jurist: "Sie führen zu einer weiteren Abschottung der einzelnen Gruppen."

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