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Kölns 0:1-Niederlage gegen Belgrad Jetzt soll der Senioren-Stürmer helfen

Köln feiert die erste Europapokal-Heimnacht seit einem Vierteljahrhundert - und stürzt sportlich noch tiefer in die Krise. Als Retter ist nun offenbar Stürmerlegende Claudio Pizarro vorgesehen.

Am Ende hatten die Fußballer des 1. FC Köln doch noch ein Kunststück vollbracht, dessen Wert nicht unterschätzt werden darf in dieser sentimentalen Fußballstadt. Niemand pfiff, als die schmerzliche 0:1-Niederlage gegen Roter Stern Belgrad feststand, niemand schimpfte.

Das Publikum sang den melancholischen Klassiker "En unserem Veedel", dessen Kernbotschaft lautet: Wir halten zusammen, wir lassen Euch nicht fallen. Die Stimmung so gedreht zu haben, war ein beachtlicher Erfolg an diesem Abend, der ganz finster begonnen hatte.

Es war nämlich ein Spiel, das zwischenzeitlich drohte, große Mengen an Selbstzerstörungsgift freizusetzen. In der fürchterlich niveauarmen ersten Hälfte, an deren Ende schwache Belgrader gegen noch viel schwächere Kölner führten, hatte es bereits Pfiffe gegen das eigene Team gegeben. Die Stimmung drohte zu kippen. "Wenn man zu wenig macht oder sich nicht traut, ist das zu wenig", sagte Trainer Peter Stöger wenig galant. Freudlosigkeit lag über dem Spiel des 1. FC Köln. Die Profis wirkten, als seien sie jeder Energie beraubt.

Dass das Team sich aus dieser Lähmung befreien konnten, war ein kleines Meisterstück, das dem Publikum trotz der Niederlage Glücksgefühle verschaffte. Seit einem Vierteljahrhundert hatten sie sich nach einer Europapokalnacht in der eigenen Stadt gesehnt, nach diesem Sturmlauf der zweiten Hälfte bleibt ihnen immerhin ein erinnerungswürdiges internationales Stadionerlebnis. Und der Schmerz einer ungerechten Niederlage ist ja fester Bestandteil des Mythos Europapokal.

Erosion des Selbstvertrauens?

"Wir haben die Gegenspieler quasi überrannt, die hatten gar keine Chance mehr", sagte Leonardo Bittencourt. Das Stadion bebte, in beiden Fankurven wurden immer wieder Bengalos gezündet. Es war ein großer Kampf voller Hingabe, "viel besser können wir nicht spielen", sagte Stöger zur zweiten Hälfte.

Gescheitert sind die Kölner an der berühmten Kraft der Krise: In besseren Phasen wäre vielleicht einer der drei Pfostenschüsse im Tor gelandet, oder einer der vielen Bälle in den Strafraum wäre dem richtigen Spieler vor den Fuß gefallen. Doch "momentan geht das Ding einfach nicht rein", sagte Dominique Heintz. Und so stand am Ende die Frage, was dieses Erlebnis mit der Mannschaft anstellt. Hinterlassen der Sturmlauf und die Rückeroberung der Zuneigung des Publikums positive Kräfte? Oder beschleunigt diese nächste Niederlage eher die Erosion des Selbstvertrauens?

"Ehrlicherweise kann ich nicht sagen, ob es der Mannschaft einen wahnsinnigen Schub gibt, wenn du wieder ein negatives Ergebnis hast", sagte ein skeptischer Stöger. Der Trainer sagte aber auch: "Wir haben es drauf, schwere Situationen umzudrehen."

Das Hauptproblem liegt in der Spitze

Stöger schöpft seine Zuversicht aus der zwischenmenschlichen Stärke dieses Kaders, die in den vergangenen Jahren zu den zentralen Erfolgsgeheimnissen zählte. "Die meisten kennen sich sehr lang, da ist die Basis an Vertrauen da", sagte er. Und wenn dieser Zusammenhalt nicht verloren geht, werden die Kölner sich irgendwann aus der Umklammerung der Krise lösen.

In der zweiten Hälfte war die Kraft des Kollektivs deutlich zu spüren, Milos Jojic machte eine seiner besten Partien für den FC überhaupt, Yuya Osako blühte auf, die Spieler waren füreinander da. Die Hauptprobleme lagen in den Augen des Trainers, "ganz vorne in der Spitze". Erst zwei Tore hat der FC während der acht Partien in der Bundesliga und der Europa League geschossen.

Pizarro soll die Tore schießen

Am heutigen Freitag werden sie Medienberichten zufolge nun eine Lösungsidee für dieses Problem präsentieren: Altmeister Claudio Pizarro, der in 451 Bundesligaspielen für Werder Bremen und Bayern München 193 Tore erzielt hat, soll am Geißbockheim eintreffen. Der mittlerweile 38 Jahre alte Stürmer war zuletzt vereinslos, deshalb kann er auch außerhalb des Transferfensters verpflichtet werden. Ob der Peruaner tatsächlich helfen kann, ist natürlich ungewiss, aber es ist ein Versuch, die missglückte Kaderplanung des Sommers zu korrigieren, die Manager Jörg Schmadtke mittlerweile selbst als zentrale Krisenursache anführt.

Denn die Zugänge Jhon Cordoba, Jorge Meré, der durch seine naive Verteidigungsarbeit das Gegentor gegen Belgrad begünstigte, und Jannes Horn sind bislang keine große Hilfe für das Team. Mehr als 30 Millionen Euro haben diese Spieler gekostet, ohne die Mannschaft effektiv zu verstärken. Nun soll Pizarro die Tore schießen, die den anderen einfach nicht gelingen wollen. Auf den ersten Blick sieht das wie eine guter Plan aus, aber in Wahrheit steckt in dieser Idee auch jede Menge Verzweiflung.

1. FC Köln - Roter Stern Belgrad 0:1 (0:1)
0:1 Boakye (30.)
Köln: Horn - Meré (46. Bittencourt), Sörensen, Heintz - Olkowski (76. Clemens), Özcan, Lehmann, Jojic, Rausch - Córdoba, Guirassy (46. Osako)
Belgrad: Borjan - Stojkovic,Babic, Le Tallec, Gobeljic - Donald, Krsticic (77. Racic) - Srnic, Kanga, Radonjic (73. Milic) - Boakye (63. Pesic)
Schiedsrichter: Bas Nijhuis (Niederlande)
Gelbe Karten: Olkowski / Kanga, Babic, Gobeljic
Zuschauer: 46.195 (ausverkauft)

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