Kölner Sieg über den HSV Modeste auf dem Podest

Wieder war er der entscheidende Mann: Anthony Modeste traf dreifach gegen den HSV. Der Franzose hat alle Kölner Bundesligatore im Oktober erzielt. Ein Sonderlob vom Trainer gibt es dennoch nicht.

Kölns Matchwinner Anthony Modeste
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Kölns Matchwinner Anthony Modeste

Aus Köln berichtet


Einen ganz kleinen Seitenhieb konnte sich Anthony Modeste im Moment des Triumphes dann doch nicht verkneifen. "Wir haben gewonnen, gegen meinen Ex-Trainer", war einer der dürren Sätze, die der Stürmer nach seiner Drei-Tore-Show in die Welt schickte. Zwar schob er noch schnell hinterher, dass dieses 3:0 des 1. FC Köln gegen den Hamburger SV "keine Revanche" sei. Aber seine Freude darüber, Markus Gisdol zu besiegen, war offenkundig.

Bei 1899 Hoffenheim war er nie wirklich warm geworden mit dem heutigen Hamburger Trainer. Köln hingegen liegt Modeste zu Füßen. Alle drei Tore hatte er geschossen, was ihn nicht nur zum Mann dieses Spieltages machte, Modeste ist Fußballdeutschlands leuchtender Oktoberheld. Ihm ist das Kunststück gelungen, alle Bundesligatore des FC in diesem Kölner Erfolgsmonat zu schießen: eins beim FC Bayern, zwei gegen Ingolstadt, eins in Berlin und nun drei gegen die Hamburger. Und in der Vorwoche hat er im Pokal noch den umjubelten 2:1-Siegtreffer in der Verlängerung gegen 1899 Hoffenheim als Sahnehäubchen draufgesetzt.

"Bei Stürmern gibt es solche Phasen, da treffen die einfach alles", sagte Jörg Schmadtke. Und als dem FC-Manager einfiel, dass Modeste seine beste Chance - einen Elfmeter in der zähen ersten Halbzeit - verschossen hatte, ergänzte er schnell: "Außer die ganz einfachen."

Selbst Lewandowski und Aubameyang hinter ihm

Längst führt Modeste auch die Torjägerliste an, mit jeweils vier Toren Vorsprung vor den üblichen Verdächtigen Robert Lewandowski und Pierre-Emerick Aubameyang. Insgesamt hat er in neun Bundesligapartien elfmal getroffen, in den elf Pflichtspielen der Saison sogar 13-mal. Und vermutlich trugen diese Zahlen dazu bei, Modeste auch den ersten Treffer gegen den HSV zuzuschreiben. Denn in Wahrheit weiß niemand mit Gewissheit, ob er Simon Zollers Vorlage einen letzten zarten Stoß verpasste, bevor der Ball ins Tor flog. Die TV-Zeitlupen liefern keine verlässliche Aufklärung, und Modeste selbst sagte: "Ich glaube, ich habe ihn ein bisschen berührt."

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Köln - HSV: Modeste-Hattrick nach Platzverweis

Das wollten alle gerne glauben, zu gut ist die Geschichte vom lupenreinen Hattrick, der den Modeste-Monat Oktober krönt und den 1. FC Köln auf den vierten Platz der Tabelle befördert. Wobei diese Partie keinesfalls so leichtgängig war, wie das Ergebnis nahe legt. "Wir haben uns bei Ballbesitz richtig schwer getan, die Hamburger waren giftig und gut organisiert", sagte Trainer Peter Stöger.

Erst eine klassische Schlüsselszene hatte das Spiel zugunsten des FC gekippt. Mitte der zweiten Hälfte hätte Kölns Marco Höger bei korrekter Regelauslegung nach einem taktischen Foul zwingend Gelb-Rot sehen müssen, wie Hamburgs Trainer Gisdol korrekt anmerkte. Am Rande der Diskussionen über diesen Schiedsrichterfehler ließ sich HSV-Stürmer Bobby Wood dann zu einer Tätlichkeit hinreißen: Er rammte seinen Ellenbogen in den Magen von Dominique Heintz.

Statt in Überzahl weiterzumachen, war der Tabellenletzte plötzlich nur noch zu zehnt. Es war der dritte Platzverweis im fünften Bundesligaspiel unter Gisdol. Dass die Kölner diesen Vorteil dann derart souverän in einen klaren Sieg verwandelten, ist allerdings ein Zeichen echter Reife. Borussia Mönchengladbach hatte vor zwei Wochen gegen den HSV sogar 65 Minuten in Überzahl gespielt - ohne einen Treffer zu erzielen.

Kein Ein-Mann-Betrieb mehr

Bei allem Lob für die seit Jahren starke Kölner Defensive werde leicht vergessen, "dass wir uns fußballerisch deutlich verbessert, dass wir unser Passspiel verbessert haben", hob Schmadtke nicht ohne Stolz hervor. Dieser Verweis auf die kollektiven Qualitäten war den Verantwortlichen wichtig, denn die Gefahr, dass die Kölner wie in den wirrsten Lukas-Podolski-Zeiten als Ein-Mann-Betrieb wahrgenommen werden, ist akut.

Als Stöger gefragt wurde, ob Modeste nach diesem Monat nicht ein ganz besonderes Lob verdient habe, erwiderte der Trainer mit seiner gleichförmig schnurrenden Stimme: "Tony braucht das nicht. Er macht seine Arbeit, und er weiß, dass wir ihn schätzen." Es war nicht zu überhören, wie sehr ihm die Fokussierung auf einen einzelnen Spieler missfällt.

Die Fußballstadt Köln litt viele Jahre lang unter einer geradezu pathologischen Sehnsucht nach dem einen Erlöser, der den Erfolg mehr oder weniger alleine herbeizaubert. Es gab den Messias Christoph Daum, den Lokalheiligen Podolski und die weltmeisterliche Eminenz Wolfgang Overath, die am Ende alle ihren Teil zum Niedergang beitrugen.

Dass Köln wieder einen Superhelden verehrt, ohne die Würdigung all der anderen wichtigen Faktoren zu vergessen, ist ein untrüglicher Beweis für den Fortschritt dieses Bundesligastandortes.



insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
spon-facebook-1261351808 31.10.2016
1. Abstieg des HSV ist fällig!
Man mag sich das Trauerspiel nicht mehr anschauen. Endgültiger Neuanfang in der dritten Liga für den HSV!
retterdernation 31.10.2016
2. Da haben die Helden von Halle ...
aber ganz schön Prügel bezogen in Köln. Modeste spielt wohl die bislang beste Saison in der Bundesliga. Köln - die neue Macht am Rhein. Finde ich super. Genauso cool wie Leipzig und Hoffenheim. Ob die Hertha da noch mithalten kann, mit diesen Bayernjägern, die echt Spaß machen ?? Tja - und dann wären da ja noch die "Helden von Halle." Ganz Hamburg hatte versucht Hoffnung zu schöpfen aus diesem Pokalspiel. Alles Makulatur - dieser Sieg gegen den Drittligisten. Hamburg geht 3:0 in Köln unter. Wieder schießt der HSV kein Tor und verliert seinen besten Torschützen und das auch noch auf Wochen durch den Platzverweis. Für den Moment sind die Nord-Deutschen einfacher nur "der Lacherdernation. " da tuen einem die Fans schon irgendwie Leid - ist halt eine ganz neue Erfahrung für die Elbstädter. Dagegen sonnt man sich jetzt bei den Rheinländern aus Köln.
paysdoufs 31.10.2016
3.
Zitat von retterdernationaber ganz schön Prügel bezogen in Köln. Modeste spielt wohl die bislang beste Saison in der Bundesliga. Köln - die neue Macht am Rhein. Finde ich super. Genauso cool wie Leipzig und Hoffenheim. Ob die Hertha da noch mithalten kann, mit diesen Bayernjägern, die echt Spaß machen ?? Tja - und dann wären da ja noch die "Helden von Halle." Ganz Hamburg hatte versucht Hoffnung zu schöpfen aus diesem Pokalspiel. Alles Makulatur - dieser Sieg gegen den Drittligisten. Hamburg geht 3:0 in Köln unter. Wieder schießt der HSV kein Tor und verliert seinen besten Torschützen und das auch noch auf Wochen durch den Platzverweis. Für den Moment sind die Nord-Deutschen einfacher nur "der Lacherdernation. " da tuen einem die Fans schon irgendwie Leid - ist halt eine ganz neue Erfahrung für die Elbstädter. Dagegen sonnt man sich jetzt bei den Rheinländern aus Köln.
"Bester Torschütze" - Humor oder ist mir da die letzten Wochen was entgangen?
team_frusciante 31.10.2016
4.
Zitat von paysdoufs"Bester Torschütze" - Humor oder ist mir da die letzten Wochen was entgangen?
Naja, er hat ALLE Hamburger Ligatore der Saison geschossen (welcher andere Spieler kann das schon von sich behaupten?) und noch dazu drei von fünf im Pokal. 5/7 Pflichtspieltore seines Klubs. Wenn das nicht der beste HSV-Torschütze sein soll, frage ich mich (und Sie!): Wer sonst?
Mindbender 31.10.2016
5.
Zitat von paysdoufs"Bester Torschütze" - Humor oder ist mir da die letzten Wochen was entgangen?
Beides ist dir entgangen.
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