Bundesliga-Aufsteiger Köln Widder do

Der 1. FC Köln steht als Meister der 2. Bundesliga und Wiederaufsteiger fest. Klub und Mannschaft waren zu groß für die Zweitklassigkeit. Dem Entertainmentfaktor der Bundesliga kann das nur gut tun.

Die Feiermeister des 1. FC Köln
Sebastian Widmann Getty Images

Die Feiermeister des 1. FC Köln

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Irgendwann war es nicht mehr zu vermeiden. Auch wenn sich die Mannschaft in der Endphase der Saison noch einmal alle Mühe gegeben hat, das Gegenteil zu beweisen: Dieser 1. FC Köln war letztlich zu groß für die 2. Fußball-Bundesliga. Der Wiederaufstieg nach einem Jahr Zweitklassigkeit, perfekt gemacht am Montagabend mit einem lockeren 4:0-Erfolg in Fürth, ist nur logisch. Und wenn man eine Wertung vornehmen möchte: Er ist auch hochverdient.

Der FC ging mit einer nur wenig veränderten Erstligatruppe in dieses Zweitligajahr - allein das ist schon extrem ungewöhnlich. Mit Jonas Hector ist sogar ein leibhaftiger Nationalspieler nach Sandhausen gereist, Timo Horn ist in seiner Bestform einer der Toptorleute der 1. Liga gewesen und dieser Mannschaft ebenfalls treu geblieben. Eine Offensive, die aus Simon Terodde, Jhon Córdoba und Anthony Modeste besteht und die nicht den Aufstieg geschafft hätte - das wäre einer Unmöglichkeit gleichgekommen. 80 Tore hat der FC in der Saison bislang erzielt, mehr als Borussia Dortmund in der Bundesliga.

Insofern ist es schon erstaunlich, dass es bis zum drittletzten Spieltag gedauert hat, dass diese Mannschaft die Meisterschaft unter Dach und Fach gebracht hat. Aber der 1. FC Köln ist eben auch der 1. FC Köln, das darf man nicht vergessen. Auch solch ein Jahr, das prädestiniert zur Rekreation scheint, lässt man in diesem Klub nicht verstreichen, ohne die Gelegenheit zu nutzen, dass es Verwerfungen im Vorstand gibt und es zwischen Trainer und Mannschaft irgendwann nicht mehr funktioniert.

Den Moment genießen - das können sie am besten

Viele haben sich spöttisch darüber geäußert, dass sich der Klub als Tabellenführer mit sechs Punkten Vorsprung von Trainer Markus Anfang getrennt hat, eine Steilvorlage für schlechte Wortspiele mit dem Trainernamen war es zudem. Wahrscheinlich hätte der FC tatsächlich auch mit Anfang den Aufstieg noch irgendwie geschafft, dazu ist die Konkurrenz dahinter viel zu unentschlossen und zu ineffizient gewesen. Aber spätestens am Saisonende wäre diese zunehmend unglücklich erscheinende Beziehung zwischen Coach und Verein ohnehin beendet worden. Zuletzt konnte sich kaum jemand mehr ernsthaft vorstellen, den Neubeginn in der 1. Liga mit Markus Anfang anzugehen.

Der FC ist trotz Trainerquerelen, trotz Präsidenten-Rücktritt, trotz Heimniederlagen gegen den SV Darmstadt und eines 4:4 beim Tabellenletzten MSV Duisburg souveräner Wiederaufsteiger geworden. Sie werden das in Köln, wie in dieser Stadt üblich, möglichst rauschhaft begehen. Feste müssen gefeiert werden, wie sie fallen. Den Moment zu genießen, das können sie im Rheinland besser als irgendwo anders. Irgendwann ist dann wieder eine graue Zukunft, irgendwann geht es dann wieder hin und her und drunter und drüber. Irgendwelche Funktionäre werden sich verkrachen, dafür wird vermutlich schon Sportchef Armin Veh sorgen, Inbegriff der Fluktuation im deutschen Fußball. Irgendwann wird ihnen auffallen, dass sie mit dem Großteil der Mannschaft, mit der sie jetzt aufgestiegen sind, ja auch zuvor schon mal abgestiegen sind. Aber im Augenblick ist das egal. Ejaaahl!

In der kommenden Spielzeit gibt es wieder die rheinischen Duelle, Köln gegen Düsseldorf, Köln gegen Mönchengladbach. Bei der Borussia freut man sich schon auf vermeintlich sichere sechs Punkte, das ist auch so ein Running Gag, der nicht unbedingt und immer der Realität entspricht. Aber das Schöne mit dem 1. FC Köln ist, dass er so voller Klischees hängt, die sich dann auch ab und an sogar bestätigen. Eine Bereicherung für die Bundesliga ist der Verein immer gewesen. Nicht unbedingt sportlich, aber sportkulturell, durch seine Fans, es ist ein Verein, der andere Stadien füllt. Einer, mit dem es selten langweilig wird. Eigentlich nie.

Ausgerechnet Fortuna Düsseldorf als Vorbild

Dass ausgerechnet Fortuna Düsseldorf den Kölnern in dieser Spielzeit vorgemacht hat, wie man es als Aufsteiger hinbekommt, die Klasse mehr oder weniger problemlos zu halten, ist natürlich schmerzlich und Ansporn zugleich. Zudem mit einem Trainer, der auch schon mal beim FC das Sagen hatte und dort dann irgendwann gehen musste. Aber diese Beschreibung trifft auf viele Trainer zu.

Manchmal Chaosverein, relativ häufig sogar, manchmal Feierverein, irgendwo zwischen Rausch und Kater, Veedelszöch und Nubbelverbrennung, Jahr für Jahr wird natürlich verkündet, dass man seriös wirtschaften und arbeiten will wie jeder andere Verein und wie satt man diese abgehangenen Köln-Karneval-Stereotype hat. Um im nächsten Moment selbst wieder auf sie hereinzufallen.

Dieser Verein ist für die 2. Liga verschenkt. Es ist gut, dass der 1. FC Köln wieder in der Bundesliga ist.

insgesamt 21 Beiträge
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Friedrich der Streitbare 07.05.2019
1. Leider, leider
hängt mein Herz an diesem Chaosverein, für den ich mich als Jugendlicher in den 60er begeistert habe. Zwischenzeitlich habe ich mehrmals versucht, mir einzureden, dass Dortmund ja auch ein begeisterungsfähiger Klub sei. Ja aber nicht für eine gebürtigen Kölner, auch wenn er seit 46 Jahren außerhalb lebt. Jetzt muss ich die nächste Saison wieder leiden. Ganz fürchterlich, sollten die die Unausprechlichen vom Rhein weiter unten gewinnen oder wahrscheinlich diese Chemie-Parvenues aus der Nachbarschaft. Mönchengladbach ist wenigstens ein anständiges Feindbild - schon fast sympathisch.
.patou 07.05.2019
2.
Nun lassen Sie uns doch wenigstens für den Moment mal das "Uff. Geschafft!"-Gefühl, ohne daran zu erinnern, dass Veh Geschäftsführer ist und dass es vermutlich noch turbulent wird. Die Sache mit Düsseldorf als Vorbild überhöre ich jetzt auch mal. Jetzt bitte noch einen neuen Trainer, dessen Initialen nicht B. L. sind. Und möge dem FC der eitle Bosbach als Präsident erspart bleiben.
nn280 07.05.2019
3. Hoffentlich übersteht dieser
erste Deutsche Bundesligameister von 1963/64 nun auch das erste Bundesligajahr nach seinem Wiederaufstieg. Ich würde es mir wünschen, weil Köln in die Bundesliga gehört. Es werden aber große Anstrengungen nötig sein.
siryanow 07.05.2019
4. Eff Zee
Isch gloob , wenn mia fuer dae naechste Saisoo dae Poldi widda nach Hause hollae und fiellaicht noch dae Litti dazu , ja dann liebae Froindae, jibt et fior dae EFF ZEE kain haltae. Mit 'n paar Staengelschae Koelsch hole mia dann die Schaempions Pott, allaaf juu.
herr_jaspers 07.05.2019
5. Jaaaaaaaaaaaa!
Die Chippendales sind zurück! Jetzt muss nur der Modeste wieder richtig gesund werden und Torhunger kriegen, dann wird das was. Un isch kann widder in dä Kaschämm` Foppes luure jonn. Endlich! mfg herr_jaspers
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