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Europacup-Rückkehr des 1. FC Köln Littis Erben

25 Jahre hat der 1. FC Köln auf ein Europapokalspiel warten müssen. Jetzt ist es wieder so weit - und gleich gegen den großen FC Arsenal. Dass man in der Liga Letzter ist, trübt die Feierlaune allerdings.

Als Anhänger des 1. FC Köln kommt man ohne ein gewisses Geschichtsbewusstsein nicht aus. Von Fangeneration zu Fangeneration wird die Erinnerung an den 29. April 1978 weitergetragen, als der FC durch ein 5:0 beim FC St. Pauli letztmals Deutscher Meister wurde und der Japaner Yasuhiko Okudera dabei per Flugkopfball das Tor des Monats erzielte.

Ebenso wach ist das Fangedächtnis, wenn es um den 5. November 1980 geht, einen trüben Herbsttag in Katalonien, als der FC nach einer 0:1-Hinspielpleite den berühmten FC Barcelona auf dessen eigenen Platz 4:0 demütigte. Tore, unvergessen, durch Gerd Strack, Stefan Engels, Pierre Littbarski und Dieter Müller. Vier FC-Heilige.

Später schaffte der Verein es sogar mal ins Uefa-Cup-Finale, wie das ausging, daran erinnern sich die Anhänger nicht ganz so gerne. Danach ist, wenn man ehrlich ist, international nicht mehr viel dazugekommen. 1992 verabschiedete sich der Klub mit einem 0:3 im Celtic Park von der europäischen Bühne, im Team standen damals Bodo Illgner, Frank Ordenewitz und Horst Heldt, und allein daran kann man ermessen, wie lange das her ist. Man kann es einem FC-Fan wirklich nicht übelnehmen, wenn er vor allem in der glorreichen Vergangenheit des Klubs lebt.

Als wären die Heiligen drei Könige auferstanden

Mit diesem Zustand ist ab dem heutigen Donnerstag Schluss, der FC wendet sich der europäischen Gegenwart zu. Die erste Europacup-Qualifikation nach 25 Jahren wurde in der Stadt am Ende der Vorsaison ungefähr so zelebriert, als hätten die Heiligen drei Könige im Dom noch einmal ihre Gebeine in die Hand genommen und wären als rheinische Frohnaturen auferstanden. Und dass das Los als ersten Gegner auch noch den großen FC Arsenal bestimmte (Anpfiff 21.05 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: Sport 1), jenen Verein, für den die letzte große Vereinsikone, Lukas Podolski, die Domstadt verließ, das ist fast zu viel fürs weiche Kölner Gemüt.

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Europapokal-Rückkehr 1. FC Köln: Zurück nach 25 Jahren

Foto: Stefan Puchner/ dpa

Daher ist es vielleicht gar nicht so schlecht, dass die Mannschaft in der Liga einen miserablen Saisonstart hingelegt hat. Überheblich ist beim FC nach drei Niederlagen aus drei Spielen jedenfalls niemand mehr, Manager Jörg Schmadtke hat den bisherigen Verlauf der Spielzeit in einem kurzen Satz zusammengefasst: "Die Saison ist scheiße." Er wollte dies angesichts der erst kurzen Spielzeit mit einer gewissen Ironie verstanden wissen, aber: Derby gegen Gladbach verloren, Letzter der Tabelle, Zugänge, die bisher nicht gezündet haben. Die FC-Saison ist, bislang, nun ja, scheiße.

Der Name Anthony Modeste geistert immer noch durch die Stadt, obwohl der Torjäger nun schon vor zwei Monaten nach China transferiert wurde. Ein Spieler, der in der Vorsaison für den FC 25 Ligatreffer erzielt hat und damit nur unwesentlich weniger traf als die Liga-Kanonen Robert Lewandowski und Pierre-Emerick Aubameyang, so einer ist nicht zu ersetzen, zumindest nicht vollwertig. Dass man 15 Millionen Euro ausgegeben hat, um den Mainzer Stürmer Jhon Cordoba zu verpflichten, hat zwar die Erwartung geweckt, hier komme der neue Modeste. Aber das wird weder dem Spieler noch dem Team gerecht. Cordoba wirkte zuletzt auf dem Platz so, als schleppe er den gesamten Druck der Öffentlichkeit mit sich herum.

Schumacher ist der Mann für die Sprüche

Schmadtke und Trainer Peter Stöger haben drei Jahre lang den Eindruck erweckt, als könnten sie gar nicht viel falsch machen, alles schien zu klappen. Jetzt gibt es erstmals schlechte Stimmung, und es bedarf schon des Trotzes von Torwart Timo Horn, um gegenzusteuern: "Der Verein hat 25 Jahre auf diesen Moment gewartet. Den werden wir uns nicht von drei Wochen kaputt machen lassen."

Schließlich hat man mit Vizepräsident Harald "Toni" Schumacher noch einen in der Vereinsspitze, der den jungen Burschen erzählen kann, wie das war, als Europapokal und Köln mal eine Dauerbeziehung eingegangen waren. Schumacher ist seit jeher der Fachmann für die Abteilung Kalendersprüche, und auch vor der Arsenal-Partie gibt er die Parole aus: "Angst ist ein schlechter Ratgeber." Angst, die hat Schumacher als Spieler beileibe nie gekannt, er hat sie höchstens in den Augen der Stürmer gesehen, die auf sein Tor zuliefen und sich aufs Duell mit ihm einlassen mussten.

Angst vor dem FC Arsenal, der den Saisonbeginn für seine hohen Ansprüche ähnlich verbockt hat wie die Kölner? Angst vor einem Team, das einfach mal für die Partie sechs Stammspieler schont, als käme dort ein Team aus Aserbaidschan oder Weißrussland als Gast? Angst? Das wäre doch wirklich zu schade für das erste Europapokalspiel seit einem Vierteljahrhundert.