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Nürnberg gegen Frankfurt Augen zu und durch

Es ist der letzte Strohhalm für Eintracht Frankfurt: Der Bundesligist muss im Relegationsrückspiel in Nürnberg ein Tor machen, um noch in der Liga zu bleiben. Das wird schwer genug.

Wie ist die Ausgangslage?

Die ist recht eindeutig: Nach dem 1:1 im Hinspiel in Frankfurt steht die Eintracht unter Druck, unbedingt ein Tor machen zu müssen. Dem 1. FC Nürnberg würde im Rückspiel (20.30 Uhr/TV: ARD, High-Liveticker SPIEGEL ONLINE) hingegen ein 0:0 reichen. Es dürfte daher keinen großen Anlass für den Klub geben, die defensive Einstellung aus dem Hinspiel nachhaltig zu verändern.

Was muss Eintracht Frankfurt anders machen?

Fast alles. Frankfurt war im Hinspiel zwar deutlich überlegen und hatte 65 Prozent Ballbesitz, dabei herausgekommen ist allerdings nur wenig. Vor allem in der Offensive muss der Noch-Erstligist zulegen. Der lange verletzte Alexander Meier und Nebenmann Haris Seferovic waren am Donnerstag komplett abgemeldet. Trainer Niko Kovac setzt auf die Impulse des jungen Serben Mijat Gacinovic, der im Hinspiel den Ausgleich besorgte.

Wo liegt die Chance der Nürnberger?

Allein schon im Resultat des Hinspiels. Der Zweitligist kann abwarten, die Zeit spielt für ihn. Für die heimischen Fans wäre es allerdings auch schon ganz nett, wenn man zumindest versuchen würde, diesmal mehr als lediglich einen Schuss auf das Frankfurter Tor abzugeben. Und der war nicht einmal entscheidend, denn der Nürnberger Treffer fiel durch ein Eigentor von Marco Russ. Dass er Tore schießen kann, hat der FCN in der zweiten Liga mit 68 Saisontreffern bewiesen.

Was würde der Abstieg für Frankfurt bedeuten?

Nichts Gutes. Die "FAZ" schätzt die finanziellen Verluste für den Verein auf gut 70 Millionen Euro. Für einen Klub, der finanziell ohnehin seit vielen Jahren klamm ist, fatal. Ob Trainer Kovac und Sportdirektor Bruno Hübner dann ihre Jobs behalten wollen (Kovac) oder dürfen (Hübner), ist noch völlig offen. Da der Abgang des mächtigen Vereinsbosses Heribert Bruchhagen ohnehin feststeht, stünde die Eintracht eventuell vor dem Komplett-Umbruch.

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Für die Fußball- und DFB-Stadt Frankfurt wäre der Abstieg zudem doppelt hart. Es droht ein ähnliches Szenario wie in Stuttgart, wo der VfB, die Kickers und VfB II in der Vorwoche gleichzeitig abstiegen. Der FSV Frankfurt musste bereits in die Drittklassigkeit hinunter, die Eintracht könnte seinen Platz in der zweiten Liga einnehmen.

Wie gehen die Trainer das Spiel an?

Eintracht-Coach Kovac macht vor der Partie in Zweckoptimismus. Er hält sogar das 1:1 mittlerweile für ein richtig gutes Resultat. Das Remis sei "für Nürnberg ein gefährliches Ergebnis", so der Kroate. Für die Eintracht ist es allerdings noch gefährlicher.

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Sein Kollege René Weiler hat derweil immer noch mit den Nachwirkungen des Hinspiels zu kämpfen. Der Nürnberger Trainer hatte im Zusammenhang mit den Umständen um den tumorkranken Eintracht-Kapitän Marco Russ unglücklich formuliert und von Inszenierung gesprochen. Die anschließende Welle der Empörung, die über den FCN hereinbrach, habe ihn schockiert. Das sei rufschädigend und verunglimpfend gewesen. Mit einer behutsameren Wortwahl hätte er das allerdings selbst vermeiden können.

Für wen ist es ein ganz besonderes Spiel?

Relegation ist immer ein Strohhalmspiel für alle Beteiligten, emotional hochgerüstet wie sonst nur Derby-Duelle im Fußball. Es geht um so viel, für Heribert Bruchhagen, den Vorstandschef der Eintracht, geht es noch um ein bisschen mehr. Nach 13 Jahren an der Spitze des Vereins tritt der 67-Jährige ab, und man hat ein gewisses Verständnis dafür, dass er dies partout nicht mit einem Abstieg tun möchte.

Wird sich wieder vieles um Marco Russ drehen?

Diesmal nicht, und man möchte hinzufügen: zum Glück. Der Kapitän ist nach seiner zweiten Gelben Karte gesperrt und wird erst gar nicht mit nach Nürnberg fahren. Der 30-Jährige soll sich "in Ruhe auf seine Operation vorbereiten", so Kovac. Russ, dessen schwere Erkrankung am Tag des Relegationshinspiels öffentlich wurde, soll schon am Dienstag operiert werden.

Was machen die Fans?

Eine Frage, die schwer zu beantworten ist und wohl auch vom Ausgang des Spiels abhängt. Das Hinspiel am Donnerstag wurde zur pyrotechnischen Bühne, und fürs Rückspiel ist Ähnliches nicht auszuschließen. Wahrscheinlich sollte man sogar hoffen, dass es dabei bleibt. Für den Abend ist immerhin die Gemüter abkühlender Regen angesagt.

Wer ist der Favorit?

Normalerweise ist der Erstligist in der Favoritenrolle. Seit Wiedereinführung der Relegation vor sieben Jahren setzte sich erst zweimal der Zweitligist durch. Das war einmal Fortuna Düsseldorf - und der 1. FC Nürnberg 2009. Torwart Raphael Schäfer war schon damals dabei, als der Klub Energie Cottbus in die zweite Liga schickte.

Im Vorjahr reichte dem HSV auch ein 1:1 im Hinspiel noch, um sich denkbar knapp gegen den Karlsruher SC durchzusetzen. Frankfurt hat allerdings die Aufbruchstimmung, die Kovac zunächst vermittelt hat, durch die vergangenen zwei Partien in Bremen und gegen Nürnberg eingebüßt. Mit dem Hinspielresultat im Rücken hat der FCN einen ganz leichten Vorteil auf seiner Seite.

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