1. FC Nürnberg Der "Club" wendet sich gegen Sportchef Bader

Vor einem Jahr stieg der 1. FC Nürnberg in die zweite Liga ab, jetzt hängt der "Club" im Mittelmaß fest. Als zentrales Problem des Vereins gilt der einstige Retter Martin Bader.

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In der Kritik stand Martin Bader beim 1. FC Nürnberg schon häufig. Der Mann, der seit Januar 2004 Sportdirektor beim "Club" ist, konnte sich aber bisher stets retten. Mal, weil der Aufsichtsrat, mal weil der harte Kern der Fankurve ihm treu zur Seite stand. Doch diesmal könnte es eng werden.

Die Saisonplanung wird zum zweiten Mal in Folge krachend scheitern. Beim 1. FC Nürnberg klaffen zwischen Anspruch und Wirklichkeit so große Lücken, dass auch einstige Bader-Freude überlegen, ob nach all den Trainerwechseln der vergangenen Jahre nicht der Sportvorstand des Tabellenelften der zweiten Liga einmal selbst die Konsequenzen tragen müsste.

Im Aufsichtsrat soll die Zustimmung zu Bader jedenfalls deutlich geschrumpft sein. Selbst aus der Fankurve, die dem Sportchef bisher im Gegensatz zum Tribünen-Publikum mehrheitlich wohlgesonnen war, erschallten bei der jüngsten Niederlage gegen Bochum (1:2) immer wieder "Bader raus"-Rufe. Und eine Petition, von Bader-Gegnern ins Leben gerufen, nachdem eine außerordentliche Mitgliederversammlung im vergangenen Jahr nicht die gewünschte Absetzung des Sportchefs gebracht hatte, haben bisher rund 2500 Menschen unterschrieben.

Denn nach dem Abstieg in der vergangenen Spielzeit droht nun das zweite Desaster für den stolzen Verein: eine Saison im Zweitliga-Mittelmaß, obwohl Trainer René Weiler allem Anschein nach das herausholt, was drin ist.

"Diese Mannschaft spielt an ihrem Limit!"

Der Schweizer sprach jüngst aus, was auch die 31.140 Stadionbesucher sehen, die im Schnitt zu den "Club"-Spielen gehen: "Ich weiß nicht, ob gewisse Spieler bei uns an ihre Grenzen stoßen." Noch deutlicher formulierte es der degradierte Ex-Kapitän Raphael Schäfer. "Diese Mannschaft spielt an ihrem Limit!" Schäfer will Bader nicht beim Namen nennen, kritisiert aber, dass der Sportchef vor Saisonbeginn den sofortigen Wiederaufstieg als Ziel ausgab. Nun müsse er sich eben daran messen lassen.

Als Bader zu Bundesligazeiten in der Kritik stand, weil seine sportliche Kompetenz angezweifelt wurde, holte er Wolfgang Wolf , der zuvor lange arbeitslos gewesen war, und machte ihn zum "Leiter Fußballabteilung". Der ehemalige Profi und langjährige Bundesligatrainer war für Bader eine logische Wahl. Wolf kannte als ehemaliger Trainer den Verein - und er verdankte Bader durch seinen neuen Job zu viel, um dem Sportchef gefährlich zu werden.

Doch auch Wolf, dessen Aufgabenbereich fahrlässigerweise nie genau definiert wurde, soll zuletzt von Bader abgerückt sein. Der "Kicker" berichtet von einer Frontstellung zwischen Wolf und Trainer Weiler einerseits und Bader sowie Chefscout Christian Möckel andererseits. Bader selbst bestreitet das. Er "glaube fest" an eine Zukunft der Viererkonstellation, sagt er.

Dass auch Torwart Schäfer vom Sportdirektor abgerückt ist, zeigt, wie einsam es um Bader geworden ist. Einst verband die beiden ein enges Vertrauensverhältnis. Doch das endete, als Bader den Keeper nicht unterstützte, nachdem ihn Trainer Valérien Ismaël ohne nachvollziehbaren Grund auf die Tribüne gesetzt hatte. Schäfer scheint dies getroffen zu haben.

Ehemalige Trainer üben scharfe Kritik am Sportchef

Dabei war es in der Vergangenheit oft so, dass Führungsspieler in der Öffentlichkeit Zweifel am Trainer säten und Bader kurz darauf dessen Rauswurf vollzog - jeweils mit dem Bekenntnis, sich die Entscheidung "nicht leicht gemacht" zu haben. Ein ehemaliger Trainer behauptet noch heute, dass ihn in Nürnberg solch ein abgekartetes Spiel seinen Job gekostet hat.

Überhaupt ist es ein offenes Geheimnis, dass mit Hans Meyer, Michael Oenning und Gertjan Verbeek ("Es ist seltsam, dass der Mann immer noch da ist") gleich drei ehemalige Trainer Baders Fachkompetenz anzweifelten.

Allerdings steht außer Frage, dass Bader den einstige Skandalverein 1. FC Nürnberg in zwei wichtigen Punkten konsolidiert hat: Bei öffentlichen Auftritten ist Bader bescheiden und rhetorisch auf der Höhe - ein Quantensprung in einem Verein, dessen Exponenten zuvor nicht selten auf Karnevalsniveau auftraten. Und finanziell lief es zumindest bisher über Jahre deutlich solider als in den wilden Jahrzehnten zuvor. Doch die angesprochenen Transferflops, die Bader zu verantworten hat, gingen und gehen ins Geld.

Gut möglich also, dass der neunköpfige Aufsichtsrat in den kommenden Wochen seine Loyalität zu Bader aufkündigt. Eine geplante außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrates musste am Montag kurzfristig abgesagt und auf den 13. April verschoben werden, da das Gremium nach Absage von fünf der neun Mitgliedern nicht beschlussfähig war. Unter anderem hätten Bader und Weiler auf der Sitzung Konzepte für die kommende Saison vorstellen sollen.

"Wir sind zu Recht in der Kritik", sagt Bader. Die sei aber "Teil meines Berufes, den ich seit 20 Jahren ausübe und der ich mich stelle".

An einen Rücktritt habe er jedenfalls noch nie gedacht: "Ich bin als Vorstand für so viele Arbeitsfelder zuständig, dass mir aufgrund der Verantwortung für mein Aufgabengebiet und die vielen Mitarbeiter beim 1. FC Nürnberg dieser Gedanke gar nicht in den Sinn kommen darf."



insgesamt 26 Beiträge
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Trainspotter 31.03.2015
1. Wahnsinn
Bader hält sich selbst also für so wichtig, dass er ja gar nicht gehen könne. Andererseits kann ich ihn verstehen. Welcher neue Verein würde sich schon so einen Klotz ans Bein binden wollen...
bratwurst007 31.03.2015
2.
Der geneigte Forist weiß doch bereits, wie sie [beliebige Stadt] beurteilen. Ich bin mir nicht sicher, meine aber ähniches vor einigen Monaten erst über die Stadt Stuttgart gelesen zu haben. Über Worte streite ich mich nicht, aber der Aufbau war analog. Vielleicht würde es Ihnen nichts ausmachen, einmal das Positivbeispiel einer deutschen Stadt zu offenbaren, frei von "Gestrandeten" und "Bettlern", einer "unten stehenden" Wirtschaft und nicht zu vergessen, den Zusammenhängen, die Sie nicht etwa konstruieren, sondern feststellen. Gibt es diese Stadt?
verfahrensbeteiligter 31.03.2015
3. @ donadoni
Und wenn man Leute zum Thema Martin Bader fragt, können die zwar leidlich Deutsch, erzählen einem jedoch unglaublichen Stuß knallhart am Thema vorbei.
dancar 31.03.2015
4. Nürnberg
...und der Flughafen Nürnberg hat auch von Jahr zu Jahr weniger Passagiere...wird auf Dauer kaum zu halten sein. Der Club gehört auf jeden Fall in die erste Liga - allein des Stadions wegen!
Icestorm 31.03.2015
5.
WAS für ein qualifizierter Kommentar. Gestrandete und Bettler, und man verkauft Ansichtskarten, und für die Wegbeschreibung braucht man einen Dolmetscher. So wirds wohl sein ...
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