100.000 Euro für St.-Pauli-Profi DFB ermittelt in Bestechungsaffäre

Der ehemalige St.-Pauli-Profi René Schnitzler hat eingeräumt, 100.000 Euro von einem Wettpaten erhalten zu haben. Spielmanipulationen bestreitet er. Nun überprüft der Kontrollausschuss des DFB die Affäre. Auch die Staatsanwaltschaft hat sich eingeschaltet.

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Hamburg - Die Bestechungsaffäre um den ehemaligen St.-Pauli-Profi René Schnitzler beschäftigt nun auch den Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). "Es ist uns seit einiger Zeit bekannt, dass es Verdachtsmomente im Zusammenhang mit dem Spieler René Schnitzler gibt. Der Kontrollausschuss ist mit der Prüfung befasst", sagte DFB-Vizepräsident Rainer Koch, der für Rechtsfragen zuständig ist.

"Darüber hinaus hat die Staatsanwaltschaft Bochum signalisiert, dem Kontrollausschuss weitere Informationen zur Verfügung stellen zu wollen", so Koch. In Bochum läuft derzeit ein Prozess gegen zahlreiche mutmaßliche Wettbetrüger im europäischen Fußball.

Der frühere Zweitliga-Profi René Schnitzler hatte zugegeben, von einem Wettpaten insgesamt mehr als 100.000 Euro Bestechungsgeld angenommen zu haben. Dies meldete das Magazin "Stern". In dem Bericht bezeichnete sich der Profi als spielsüchtig: "Seit ich 18 Jahre alt bin, gibt es kaum einen Tag, an dem ich nicht gespielt habe."

Gelassen reagierte die Deutsche Fußball Liga (DFL) auf die Enthüllungen. "Nach gegenwärtigem Stand sind uns keine Auffälligkeiten bekannt. Weder haben wir seitens Sportradar Hinweise auf auffällige Wettbewegungen erhalten, noch hat der Spieler, der bei drei der fünf angegebenen Partien auch gar nicht zum Einsatz gekommen ist, Spielmanipulationen zugegeben", hieß es in einem Schreiben des Ligaverbandes. Mit dem Sportradar-Frühwarnsystem sollen Auffälligkeiten bei Fußballwetten erkannt und Manipulationen erschwert werden.

Bei der DFL bemüht man sich um Schadensbegrenzung: "Bis zum Beweis des Gegenteils kann daher nicht von einem Bundesliga-Wettskandal gesprochen werden", so das Schreiben. Dennoch gab der Verband am Dienstag bei Sportradar die erneute Prüfung der genannten Spiele in Auftrag.

"Nicht mehr wie ein Profi verhalten"

Schnitzler sollte 2008 nach eigenen Angaben fünf Spiele seines damaligen Vereins FC St. Pauli manipulieren. Es handelte sich um Zweitliga-Auswärtspartien bei Hansa Rostock, dem FC Augsburg, dem MSV Duisburg und zweimal bei Mainz 05. Schnitzler bestreitet allerdings, die Spiele tatsächlich durch bewusst herbeigeführte Fehler manipuliert zu haben. In drei der betreffenden fünf Begegnungen kam er nicht zum Einsatz.

Auch beim FC St. Pauli glaubt man nicht daran, dass Schnitzler die Manipulationen ausgeführt hat. "René hat offenbar einen Betrüger betrogen", sagt St. Paulis Teammanager Christian Bönig SPIEGEL ONLINE. Zu diesem Ergebnis seien die Verantwortlichen des Hamburger Stadtteilvereins nach näherer Betrachtung der fünf Spiele gekommen. "Entweder hat René nicht gespielt, saß auf der Bank, oder die Wette ist nicht eingelaufen", sagt Bönig.

Auch den Verdacht, dass Schnitzler Mitspieler zu Manipulationen angestiftet haben könnte, weist Bönig "in das Reich der Fabeln. Da besteht von Vereinsseite überhaupt kein Zweifel, dieser Vorwurf ist für uns nicht diskutabel".

Bei dem Wettpaten soll es sich laut "Stern" um den Niederländer Paul R. handeln. R. gilt als eine zentrale Figur im Fußball-Wettskandal. So zitiert das Magazin aus Akten der Bochumer Staatsanwaltschaft, nach denen R. mit vielen der im Bochumer Wettskandal-Prozess Beschuldigten in Kontakt stand. Der Niederländer soll hohe Wetten auf dem asiatischen Glücksspielmarkt platziert haben.

jok/mig/sid/dpa

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