"11 Freunde"-Kolumne Frankfurter Würstchen knackt Köpenick

Die wöchentliche Kolumne von Deutschlands bestem Fanzine. Heute: Wie ein Fan der Frankfurter Eintracht eine vermeintlich geniale PR-Idee des Zweitliga-Konkurrenten Union Berlin torpedierte und warum brasilianische Fußballfans einen Vogel haben.


Screenshot der Adelmann-Homepage

Screenshot der Adelmann-Homepage

Da hatte sich der FC Union Berlin aber etwas Feines ausgedacht. Um einem Fan ein unvergessliches Erlebnis zu bescheren (und wohl auch die spärlich gefüllte Vereinskasse aufzubessern) hatte der Fußball-Zweitligist via Internet-Auktion einen Platz auf der "legendären Union-Trainerbank" beim Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt am 15. November ausgelobt - inklusive anschließendem "Bierchen und lukullischen Spezialitäten im Vip-Zelt". Den ganzen Zinnober veranstalteten die Hauptstädter natürlich in der nicht ganz unberechtigten Annahme, es würde ein einheimischer Anhänger den besonderen Sitzplatz ersteigern.

Doch dummerweise bekamen Frankfurter Fans Wind von dem Angebot und ließen einen teuflischen Plan reifen. Auf einer eilends eingerichteten Homepage wurde Geld gesammelt, um einem Frankfurter Kurvenidol das illustre Plätzchen zu sichern. Am Ende kamen stolze 2096,49 Euro zusammen, und nun wird Manfred Adelmann Mitte November auf der Köpenicker Bank Platz nehmen. Spezialität des zeigefreudigen Lagerarbeiters am Frankfurter Flughafen ist die Entblößung des tätowierten Oberkörpers bei Eintracht-Toren. "Geil, so nah war ich meiner Eintracht noch nie", feierte der 45-Jährige seinen Coup und kündigte schon mal einen heißen Strip an.

Doch vermutlich wird Adelmann auf seinen großen Auftritt verzichten müssen. "In Paragraph 3 der Spielordnung wird eindeutig geregelt, dass auf der Auswechselbank nur die Ersatzspieler sowie medizinisches und technisches Personal sitzen dürfen", sagte Tom Bender, Pressesprecher der Deutschen Fußball-Liga (DFL), "dieser Fan gehört zu keiner dieser Kategorien. Also ist das nicht zulässig."

Vom Mensa-Essen gestärkt: Akademiker am Ball

Sehr lang ist es her. Im Jahre 1874 kickte mal eine Studententruppe der Oxford University im traditionsreichen englischen FA-Cup mit und gewann am Ende zur allgemeinen Überraschung sogar den Pott. 128 Jahre später ist nun endlich wieder eine lupenreine Akademikertruppe im Pokalwettbewerb dabei. Das "Team Bath" der gleichnamigen Universität erreichte die erste Hauptrunde durch ein dramatisches Elfmeterschießen gegen Horsham. Der Gast hatte offenkundig lauter bebrillte und vom Mensaessen geschwächte Außenseiter mit dicken Ordnern unter dem Arm in der Startelf erwartet.

Doch Pustekuchen: Lauter konditionsstarke Jungspunde mit Kontaktlinsen liefen auf. Und auch dem Examen sind die jungen Sportler sicher nähergekommen. Statt dem mehrseitigen Referat mit Thesenpapier wird auch eine passable Flanke anerkannt, eine anständige Blutgrätsche ersetzt selbstverständlich das Literaturverzeichnis. Und sollte die Bath-Partei dann Manchester United im Finale schlagen, winkt den Stammspielern eine tolle Belohnung: ein qualifizierter Studiennachweis.

Gefiederte Glanzparade: Kiebitz in der Schussbahn

Viele Fußballvereine haben ein tierisches Maskottchen. Den 1. FC Köln ziert der Geißbock, die Frankfurter Eintracht der Adler. Sieht halt nett aus und soll Glück bringen. Selten hat sich jedoch ein Tier so nachdrücklich für die repräsentative Rolle beworben wie ein kleiner Vogel vor zwei Wochen im brasilianischen Porto Alegre. Minutenlang feierten die Fans des Gastgebers Gremio das Eingreifen eines Kiebitzes in allerhöchster Not. Botafogo-Stürmer Fabio hatte beim Stand von 1:1 in der 87. Minute den Ball wuchtig aufs Tor gezimmert.

Der Gremio-Torwart hätte eigentlich keine Chance gehabt, als sich der zufällig vorbeiflatternde Vogel todesmutig in die Schussbahn warf. Der Ball wurde entscheidend abgefälscht, das Unentschieden gerettet. "Quero-Quero" skandierten daraufhin die Gremio-Anhänger wie entfesselt, der brasilianische Name der Kiebitzart Vanellus chilensis. Seither wird der Vogel als neues Wappentier gefeiert und seine Wiederkehr mit eigens gedichteten Gesängen gefordert - damit er sich mal wieder gegnerischen Geschossen in den Weg wirft. Und zum Training darf das Maskottchen natürlich auch kommen. Als Kiebitz.

Marco Bode zu Fortuna Düsseldorf?

Szene aus dem neuen "Fehlfarben"-Video

Szene aus dem neuen "Fehlfarben"-Video

Musikvideos sind bisweilen reichlich mirakulös. Versteht ja keiner, warum ständig leicht bekleidete und grotesk frisierte Hupfdohlen durchs Bild rennen müssen. Neue Rätsel wirft nun ein frisch erschienenes Video der Düsseldorfer Band Fehlfarben auf. Die hatte vor zwanzig Jahren mal einen Hit mit der eingängigen Zeile "Geschichte wird gemacht, es geht voran". Im Clip zur neuen Single "Club der schönen Mütter" klebt niemand geringeres als Viva-Moderatorin Charlotte Roche Plakate mit dem eingängigen Slogan "Bode für Fortuna" an die Mauern des Düsseldorfer Stadions am Flinger Broich.

Eine rätselhafte Botschaft, die Fragen aufwirft. Etwa der Marco Bode? Der vor ein paar Monaten beinahe Weltmeister wurde? Was sollte der bei Fortuna Düsseldorf wollen? Wir schnappen höhnisch nach Luft, bis uns einfällt, dass wir schon einmal so hochmütig daher geredet hatten. Vor dem Wechsel von Stefan Effenberg nach Wolfsburg. Wir erwarten also in den nächsten Tagen Bodes Vertragsunterzeichnung bei der viertklassigen Fortuna. Und was sucht Marco Bode in der Oberliga Nordrhein? Dumme Frage, natürlich die sportliche Herausforderung.

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