"11 Freunde"-Kolumne Streit um Drei mit Christoph Daum

Die wöchentliche Exklusiv-Kolumne von Deutschlands bestem Fußball-Fanzine. Heute: Christoph Daum vor dem Kadi, Ludwig Kögl in der Wildnis, modische Hertha-Ponchos im Ausverkauf und der FC Schweinfurt in den Händen von gewissenlosen PC-Freaks.


Christoph Daum in Rage - auch vor Gericht?
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Christoph Daum in Rage - auch vor Gericht?

Es wurde aber auch Zeit. Voraussichtlich im September wird sich Christoph Daum wohl endlich vor einem ordentlichen deutschen Gericht für seine Missetaten verantworten müssen. Wir haben uns Sitzplätze in der ersten Reihe reserviert und hoffen auf eine spannende Verhandlung mit schwankenden Geschworenen, tuschelndem Publikum und Kuschelreporter Vim Vomland als schneidigem Staatsanwalt. Unseretwegen darf Werner Hansch gerne Richter Barbara Salesch sein. Damit aber am Ende alles gut ausgeht, von uns hilfreiche Behauptungen für Christoph Daums uneidliche Falschaussage. Hier die Wahrheit und nichts als die Wahrheit:

1. Es waren die Haare meiner Mutter.
2. Es waren die Haare meines Hundes.
3. Oder von sonst wem.
4. Meine Haare waren es auf jeden Fall nicht.
5. Und wenn schon: Ich habe aber nicht inhaliert.


Wiggerl Kögl: Im Schatten der Eule


Nur mal zwischendurch: Hat jemand in der letzten Zeit Ludwig Kögl gesehen? Denn langsam machen wir uns doch ein wenig Sorgen um ihn. Bis zum Februar haben wir nämlich pflichtbewusst das Tagebuch auf seiner Homepage gelesen, auf der wir "immer alles Wissenswerte" über Wiggerl und die SpVgg Unterhaching erfahren sollen. Doch der letzte Eintrag datiert vom winterlichen 16. Februar, da schreibt er melancholisch: "Am kommenden Dienstag werde ich in Basel operiert. Zum sechsten Mal übrigens." Seither war so gar nix mehr von ihm zu hören. Nun ist Kögl wahrlich nicht mehr der Jüngste, möglicherweise stolpert er schon seit Monaten hilflos und im dünnen Operationsleibchen durch die Baseler Wälder und ernährt sich von Borkensaft und Käfern. Wer ihn sieht, spreche ihn an, fahre ihn zum Münchener Stadtrand und gebe ihm ein Trikot. Denn Hachings Trainer Köstner braucht im Abstiegskampf der zweiten Liga jeden Mann.

Schweinfurt - Vorsprung durch Technik


Der Zweitligaaufsteiger FC Schweinfurt 05 rüstet technisch auf. Wurden bislang die Tore via Rauchzeichen in die umliegenden Dörfer vermeldet, verkündet das Stadionmagazin nun stolz: "Das Willy-Sachs-Stadion erhält eine elektronische Anzeigetafel." Seither wird eifrig nach dem dazugehörigen Personal gefahndet: "Der FC 05 sucht für die Bedienung der Anzeigetafel zuverlässige PC-Freaks." Aber ob sich die Schweinfurter das gut überlegt haben? Denn wir wissen ja alle, wie zuverlässige PC-Freaks so sind.

Die fummeln ständig an der Festplatte herum und rufen passwortgeschützte Erotikseiten auf. Wenn die Schweinfurter also nicht aufpassen, lassen die PC-Freaks mit ihren pickligen Freunden während des Spiels Lara Croft über die Anzeigentafel hopsen und attackieren zwischendurch das Pentagon mit tückischen Viren. Und wenn in der zweiten Halbzeit das Spiel verflacht, können sich die Zuschauer am Bildschirmschoner erfreuen - selbstredend nicht jugendfrei. PC-Freaks in Schweinfurt eben.

Schafft zwei, drei, viele Hertha-Ponchos


Alle Jahre wieder zum Saisonbeginn präsentieren die Vereine ihre neuen Fanartikel-Kollektionen - in der Vergangenheit waren die Produkte kranker Marketing-Hirne stets für einen Lacher gut. Ob die Borussen-H-Milch oder Die instabile Arminia-Bielefeld-Couch, schmunzelnd kämpften sich die Fans durch den Katalog. Doch wo bleiben die Innovationen? Gerade einmal das legendär nutzlose Wolfsburger Grillset "VfL" mit Handschuh und Latzschürze und ein Hertha-Poncho vermögen mitzuhalten, letzterer ist ein ebenso unförmiger wie sackartiger Überwurf, der aussieht, als habe ein bockiger Esel seine Decke verloren. Doch an die Evergreens der letzten Jahre reicht das längst nicht heran. Unangefochten führt seit Jahren der "FC Bayern Löwensenf" - und der schmeckt wohl nur Karl-Heinz Wildmoser.

Foxtrott statt Walzer: Werbung ohne Grenzen


Dennoch bleiben Fanartikel wohl auch in Zukunft unverzichtbar, denn derzeit tanzt die Werbebranche statt Walzer nur noch Foxtrott mit der Bundesliga. Selbst Autobauer Opel, die treue Werbeseele, will sein Engagement beim FC Bayern gründlich überdenken und Werder Bremen dient dem Vernehmen nach schon örtlichen Feinkosthändlern die Trikotbrust an. Doch bei aller Verzweiflung wollen wir einige Kombinationen auch in Zukunft auf keinen Fall sehen: Markus Merk und hochwertige Uhren. Stefan Effenberg und Selbstverteidigungskurse. Martin Andermatt und die örtliche Friseurinnung. Carsten Jancker und der Knigge. Klaus Toppmöller und Lockenwickler. Die Arena "Auf Schalke" und führende Kühlschrank-Hersteller. Rudi Assauer und Nichtraucherkaugummis. Und natürlich Mario Basler und den Duden mit neuer Rechtschreibung.



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