"11 Freunde"-Kolumne Totschläger im Fanbus

Der moderne Hooligan ist gut ausgerüstet. Doch manchmal lässt der Hightech-Radaubruder sein Satellitentelefon zuhause und vertraut auf abgesägte Tischbeine. Ansonsten fürchten sich die Fußball-Fans vor der Winterpause. Angst auch in Wolfsburg: Bringt das neue Stadion Unglück?

Gibt ja hier zu Lande kaum noch Hooligans. Jedenfalls können wir uns nicht daran erinnern, diese Spielzeit einer zünftigen Hauerei im Fanblock beigewohnt zu haben. Anderswo wird hingegen beim Fußball noch kräftig zugelangt. In Polen beispielsweise, wo sich geschätzt jeder zweite Stadionbesucher engagiert an Raufereien mit gegnerischen Fans beteiligt.

Dementsprechend vorgewarnt war die deutsche Polizei, als unter der Woche rund 100 polnische Hooligans aus Krakau in Richtung Ruhrgebiet reisten, um sich anlässlich des Uefa-Pokal-Spiels beim FC Schalke 04 mit Gelsenkirchener Radaubrüdern zu messen. Und offenkundig hatten die Krakauer für die bilaterale Begegnung ordentlich vorgesorgt, denn die Polizei konfiszierte im polnischen Bus etliches.

Die Ordnungshüter fanden unter anderem: "Acht Beile, elf Axtstiele, sechs Messer, acht bengalische Fackeln sowie ein mit Schrauben und Nägeln versehenes Tischbein." Da war man wohl auch auf Schalker Seite froh, dass die geplanten Auseinandersetzungen dieses Mal ausblieben. Bleibt nur die bange Frage, was die Krakauer wohl bei der nächsten Partie mitbringen? Spaltbares Material? Granaten vom letzten Nato-Manöver? Startbereite Marschflugkörper? Man kann jedenfalls sicher sein, das wird ein feines Match.

In Wolfsburg ticken die Uhren anders

Es war alles so heimelig zur Premiere angerichtet beim VfL Wolfsburg. Nach etlichen Jahren Bauzeit endlich die Einweihung der neuen Arena. Allzu lange hatten die Niedersachsen in einem Stadion spielen müssen, dessen Atmosphäre auch im Hochsommer der Lagerhalle des örtlichen Gefrierfleischhändlers nicht unähnlich war.

Das sollte im neuen Viereck nun alles anders und besser werden. Laufbahn weg, alle Plätze überdacht, steile Ränge. Beste Voraussetzungen also für ein stimmgewaltiges Publikum, das Stefan Effenberg & Co. mit donnernden Chorälen an die Bundesligaspitze treibt. VfL-Coach Wolfgang Wolf peilte dann auch flugs über den Daumen, die neue Arena bringe für dem Verein pro Saison "mindestens fünf, sechs Punkte mehr".

Die Wolfsburger Fans plakatierten beim ersten Spiel im neuen Heim gegen den VfB Stuttgart optimistisch auf dem Oberrang: "Eine neue Zeitrechnung beginnt." Doch das Spiel gegen die Schwaben ging sang- und klanglos mit 1:2 verloren und in der zweiten Halbzeit sangen im weiten Rund der neuen Arena nur noch die Stuttgarter Fans. Der Beginn einer neuen Zeitrechnung? Kleiner Tipp: Am besten noch einmal fix die Uhren nachstellen.

Harter Winter: Fanartikel und Strom weg

Ohnehin stehen zahlreiche Fußball-Bundesligisten angesichts gekürzter Fernsehgelder vor einem harten Winter. Schon warnen Experten wie der Rechtsanwalt und ehemalige Dortmunder Präsident Reinhard Rauball vor den ersten Pleiten renommierter Clubs. Da ist es beruhigend zu hören, dass der Spielbetrieb der hiesigen Eliteklasse wahrscheinlich, möglicherweise und eventuell bis zum Saisonende gesichert ist. Falls nicht bis dahin doch einer pleite geht.

Nur was passiert dann? Kommt dann ein gestrenger Herr vom Amtsgericht und klemmt auf der Geschäftsstelle den Strom und das Telefon ab? Werden gelagerte Fanartikel als Versteigerungsmasse gepfändet? Oder sollen - wie bei ordentlichen Insolvenzen üblich - die profitablen Firmenteile aus dem maroden Unternehmen herausgetrennt werden?

Dann müsste sich nämlich die Hockey-Abteilung des Bundesliga-Vorletzten 1. FC Kaiserslautern keine großen Sorgen mehr machen. Und noch eine Frage drängt sich auf: Können die Zuschauer, die trotz der Finanzmisere noch brav ihren Eintritt zahlen oder gar eine Dauerkarte erworben haben, in Haftung genommen werden? Wegen Konkursverschleppung etwa.

Der letzte Hinrundenspieltag der Fußball-Bundesliga ist durch. Die oberste deutsche Spielklasse geht in der Winterpause, die Fans fragen sich verzweifelt, wie sie denn die nächsten fünf kickfreien Wochen herumbringen sollen. Ein gutes Buch, die Lebensgefährtin, der Abwasch.

Aber manch ein darbender Anhänger wird sich dann doch nicht enthalten können, eines der Hallenturniere zu besuchen, die als "Budenzauber" und "Indoor-Event" beworben werden und dann doch nur stumpfes Gebolze gegen die Bande bieten. Vor allem aber haben die Hallensprecher die unschöne Angewohnheit, die jeweils aktuellen Gassenhauer bis zum Abwinken durch die Lautsprecher zu jagen. Nach jedem Tor, nach jedem Foul, nach jeder Einwechselung, nach jeder Auswechselung.

In diesem Winter werden die Zuschauer mit dieser sehr sinnigen Liedzeile beschallt. "Asereje ja de je de jebe tu de jebere seibiunouva." Nach jedem Tor, nach jedem Foul, nach jeder Einwechslung, nach jeder Auswechselung. Was das noch mit echtem Fußball zu tun hat? Natürlich rein gar nichts! Und das ist nur konsequent: Die Hallenturniere ja auch nicht.

Uns Uwe (7): Der fliegende Schatzmeister

Der Kampfgeist manch einer Mannschaft ist legendär. Doch nur selten überträgt sich der Einsatzwille des Teams so passgenau auf die Tribüne wie bei Kickers Offenbach. Der Duisburger Schatzmeister Lothar Niemeyer musste das im Jahre 1990 erfahren, als der MSV zum Pokalspiel in Offenbach gastierte. Niemeyer stolzierte mit vier Vereinskollegen zur Ehrenloge und begehrte forsch, Platz zu nehmen. Dumm, dass Niemeyer zuvor nur zwei Plätze bestellt hatte.

Daraufhin geiferte der erzürnte Kassenwart: "Hoffentlich bleibt Ihr für immer in der Amateurliga." Erbost kündigte er an: "In Duisburg gibt es für Euch nur Stehplätze." Das war genug, Offenbachs Ehrenpräsident Waldemar Klein stand auf, rückte zunächst die Krawatte zurecht und machte dann dem renitenten Gast in guter Kneipenmanier klar: "Ruhe jetzt, sonst fliegen Sie hier raus. Aber über die Balustrade". Dann war Ruhe in der Ehrenloge.

Beim Rückspiel in Duisburg gab es natürlich Sitzplätze für die Offenbacher Vorstandschaft. Und heute ist eine Tribüne am Bieberer Berg nach der OFC-Legende Klein benannt. Nicht unbedingt wegen seines beherzten Einsatzes gegen den Duisburger Schatzmeister. Aber ein kleines bisschen wohl auch deshalb.