"11 Freunde" Kondome für die Beckhams

Die wöchentliche Exklusiv-Kolumne von Deutschlands bestem Fußball-Fanzine. Heute: Wie es David Beckham seinem zweiten Kind hätte ersparen können, dereinst im Trikot von Manchester United durch die Botanik zu toben, und warum gefühlter Neuschnee besonders schädlich ist.


David Beckham mit Frau Victoria: Gemeinsam schwanger
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David Beckham mit Frau Victoria: Gemeinsam schwanger

Schon wieder schwanger ist das Ehepaar Beckham. Im September erwarten Kicker David und seine trällernde Gattin Victoria ihr zweites Kind. Wenn der kleine Racker dann da ist, sollte David aber wenigstens ihm die Wahl seines Lieblingsvereins selbst überlassen. Seinen Erstgeborenen Brooklyn ließ Beckham nämlich bereits im roten Trikot seines Arbeitgebers Manchester United durch den Garten tollen. Unwillkürlich fühlten sich da viele Fans an eine Werbung erinnert, in der die schwerste Stunde eines anständigen Vaters beschworen wurde. Wenn plötzlich das vermeintliche Wunschkind drängelnd fragt: "Papa, kaufst Du mir ein Trikot von ManU?" Die Werbung wusste natürlich eine Lösung: "Kondome schützen!"

Gefühlte acht Meter Neuschnee

Kaum dass wir Fäustlinge und lange Unterhosen wieder im Schrank verstaut hatten, überraschte uns Fußballfans noch einmal der Winter. Gefühlte acht Meter Neuschnee rieselte mit viel Wind auf norddeutsche Fußballplätze und machte den Spielbesuch zu einem eisigen Vergnügen. Mancherorts überforderte das die Logistik, so etwa am Hamburger Millerntor, wo die Ordner vor dem Bundesligaspiel des gastgebenden FC St. Pauli gegen Borussia Mönchengladbach nur lustlos die Strafräume leer schaufelten, um dann Besen und Streusalz in die Ecke zu pfeffern. Da loben wir uns doch wieder mal die cleveren Babelsberger. Der designierte Regionalligist rief vergangenes Wochenende angesichts der weißen Pracht kurzerhand die Zuschauer auf, doch einfach ein bisschen früher ins Stadion zu kommen und bei der Rasenräumung mitzuhelfen. Schließlich stand das Heimspiel des Zweitligisten gegen den VfL Bochum an. Uns würde nun interessieren, ob die ehrenamtlichen Helfer hinterher auch noch am Glühweinstand, als Ballholer und in der Schiedsrichterbetreuung eingesetzt wurden.

Schnappschuss für Brinkmanns Fotoalbum

Beim Fußball kochen die Emotionen hoch. Deshalb ist es nicht gerade geschliffene Lyrik, die dem Mundwerk der Stadionbesucher während der 90 Minuten entfleucht. Comic-Slang mit viel "Aaaaargh" beherrscht das Metier und wildes Gebölke. Bei jedem Spielzug wird die Meinung gewechselt. Trotzdem freuen wir uns immer wieder diebisch, wenn auch die Fernsehmenschen bei Live-Übertragungen wirr daherreden, so wie unlängst DSF-Reporter Holger Pfand. Als Bielefelds Ansgar Brinkmann das Leder mit einem imposanten Lupfer im Frankfurter Tor unterbrachte, entfuhr es dem verzücktem Kommentator: "Dieses Tor kann er sich auf Video einrahmen." Hätte er derlei mittenmang unter den Zuschauern losgelassen, wäre ihm ein flinker Konter sicher gewesen: "Von dem Spruch kannste noch Deinen Enkeln Fotos zeigen."

Olli, Rosi und der Lavamat

Allzu lang ist es noch nicht her, dass wir uns des Nachts zur lokalen Bushaltestelle aufmachten, um mit Glasschneider und Filetmesser bewaffnet die dralle Dessous-Diva Anna Nicole Smith aus ihrem gläsernen Gefängnis zu befreien. Einem, dem so etwas garantiert nicht passiert, ist Olli Kahn. Der grinst zwar jetzt als Werbeknecht eines Waschmaschinenherstellers von zahlreichen Plakaten, hat aber immer noch sein blaues Lieblingshemd an. Was ist passiert? Kahn hat zuvor eng Klammerblues mit Klementine getanzt, und die hat ihm ein elegantes Potpourri aus Ei, Blut und Kakao hinterlassen. So weit, so gut. Nur noch zwei Fragen: Bei wie viel Grad wäscht man den bunten Lederball, der schick auf dem Lavamaten drappiert ist? Und wann kommt Rosi endlich hinter der Stahltrommel hervorgekrochen? Die Wäscheprinzessin würden wir nämlich wieder liebend gerne befreien.

Ehrenmann mit Blackout

Apropos Oliver Kahn: Der gibt ja sonst gerne den Ehrenmann in kurzen Hosen. Gegen Energie Cottbus jedoch vergaß Kahn kurzzeitig seine Manieren und ließ sich von seinen Mitspielern zum Elfmeterschießen gegen den Kollegen Tomislav Piplica drängen. Stand ja schließlich 6:0, es konnte nix mehr passieren, und die Zeit schien den Bayern-Kickern günstig, ein bisschen Spökes zu veranstalten. Ein unanständiges Kasperle-Theater, schließlich ziert den Sieger, wenn er großmütig mit Verlierern umgeht. Früher gab es so was nicht. Nur ein Beispiel für die guten alten Zeiten: In der Bundesligasaison 1965/66 spielte der Hamburger SV gegen die hoffnungslos unterlegene Truppe von Tasmania Berlin. Der HSV führte hoch, als Nationalspieler Willi Schulz anfing, die armen Tasmanen mit Beinschüssen und anderen Kunststücken zu demütigen. Uwe Seeler schaute sich die Zauberei kurz an und nahm sich "Worldcup Willi" dann zur Brust: "Langer, das will ich von Dir nicht noch mal sehen." Dumm nur, dass bei Bayern kein charakterfester Kicker in Sicht ist, der solch mahnende Worte an Kahn (der verschoss) richten könnte. Bleiben mal wieder nur Selbstgespräche.



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