Reaktionen auf 1860-Fanrandale "Was da abging, war schon crazy"

Die Fankrawalle beim Abstiegsspiel von 1860 München stoßen auf breite Empörung: In den sozialen Netzwerken werden die Löwen-Fans heftig kritisiert.

Ein Ordner und Jahn-Torwart Philipp Pentke (rechts)
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Ein Ordner und Jahn-Torwart Philipp Pentke (rechts)


Die Mannschaft enttäuschte auf ganzer Linie, der Abstieg in die dritte Liga rückte immer näher, da verloren zahlreiche Fans von 1860 München die Nerven. Seit Mitte der zweiten Halbzeit im Relegationsrückspiel gegen Jahn Regensburg (0:2) hatten Teile des Löwen-Anhangs bereits Gesänge wie "Wir sind Löwen - und ihr nicht!" angestimmt.

Doch es hatte sich noch viel mehr Frust bei ihnen angestaut, zahlreiche Sechzig-Fans in der Nordkurve ließen ihre Wut am Stadioninventar aus und rissen in der Münchner Arena Sitzschalen aus ihren Verankerungen. Anschließend schleuderten sie einige davon sowie diverse andere Gegenstände in Richtung des Spielfelds. Daraufhin postierten sich dutzende Polizeibeamte in Kampfmontur vor der Kurve. Laut Polizeiangaben wurden zehn Beamten von umherfliegenden Wurfgeschossen leicht verletzt.

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1860-Abstieg: Fliegende Sitze aus der Löwen-Kurve

Als sich die Zuschauer immer noch nicht beruhigen wollten, trat Daniel Bierofka vor die aufgebrachte Menge. Doch auch der ehemalige Löwen-Profi, der als Cheftrainer Münchens Klassenerhalt in der Relegation der Vorsaison geschafft hatte, konnte die Situation nicht beruhigen und musste massenhafte Beleidigungen über sich ergehen lassen. Ein offizieller Appell über die Videoleinwand mit der Aufforderung "Reißt's euch zam!" ("Reißt euch zusammen!") brachte ebenso wenig Erfolg.

In der 82. Spielminute musste die Partie wegen des randalierenden Anhangs dann für 15 Minuten unterbrochen werden, Schiedsrichter Daniel Siebert entschied sich gegen einen Spielabbruch. In der Nachspielzeit pfiffen die Sechzig-Fans die eigenen Spieler bei jedem Ballkontakt gnadenlos aus. Höhnisch sangen sie: "Nie mehr zweite Liga!"

Regensburgs Torhüter Philipp Pentke, der die Vorfälle aus nächster Nähe miterlebt hatte und teilweise Gegenstände eigenhändig aus seinem Torraum befördern musste, sagte nach Spielende zu den Randalen: "Was da in der Schlussphase abging, war schon crazy".

TV-Experte Thomas Hitzlsperger sprach in der ARD von einer Situation, die "für die Spieler hochgradig gefährlich" gewesen sei.

Reaktionen von Twitter-Nutzern ließen nicht lange auf sich warten:

lst



insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
thomas haupenthal 30.05.2017
1. Warum...
...bloß dieser Unsinn mit den Relegationsspielen? Ist sportlich ungerecht und für alle direkt und indirekt Beteiligten eine unnötige Belastung. Und guter Fußball wird sowieso nicht geboten,dafür geht es um zuviel. Warum macht man es nicht wie früher: Drei steigen auf, drei steigen ab, Ende der Durchsage. Wäre doch das Sauberste.
flytogether 30.05.2017
2. Fußball?
Diese Chaoten, die sich diese Spiele anschauen. Geht da überhaupt noch ein normaler Mensch hin? Ich assoziiere mit Fußball Korruption, Randale auf unterstem Niveau und Pervertierung der Entlohnung menschlicher Leistung.
niska 30.05.2017
3.
Zitat von thomas haupenthal...bloß dieser Unsinn mit den Relegationsspielen? Ist sportlich ungerecht und für alle direkt und indirekt Beteiligten eine unnötige Belastung. Und guter Fußball wird sowieso nicht geboten,dafür geht es um zuviel. Warum macht man es nicht wie früher: Drei steigen auf, drei steigen ab, Ende der Durchsage. Wäre doch das Sauberste.
Hilft bei dem Problem aber nicht. Denn dann hätten die Idioten eben spätestens zwei Spiele früher randaliert. Und so kann man sich als Nicht-3.-Ligagucker (würde ich gerne, aber die ersten beiden überforden schon zeitlich gesehen massiv) auch schon mal ein Bild machen, was denn da nächtse Saison kommt. Und Regensburg hat das über weite Strecken schon gut gemacht und wird eine Bereicherung für die 2. Liga. Relegation ist fanfreundlich. Gibt dem 3. Absteiger noch eine Chance und hilft es den möglichen Aufsteiger zu präsentieren. Und es gibt zusätzliche Spiele in der Trockenzeit.
adieu2000 30.05.2017
4. Relegation ist die Protektion der Bundesliga, hier geht es um den Schutz der Investitionen
Es gibt Leute in den Vereinen, die sind zuständig für den sportlichen Erfolg, und Andere, die sind für den wirtschaftlichen Erfolg zuständig, auch dafür das ihre Stars ein gutes Auskommen haben. Relegationsspiele dienen dem Klassenerhalt, sportlich sind sie ungerecht, ganz klar.
Justitia 30.05.2017
5.
Jetzt kommen sicherlich wieder Stimmen auf, den Verein für die völlig inakzeptablen Vorkommnisse zu bestrafen oder gar in eine tiefere Liga als 3. Liga zu versetzen. Der DFB wird dies sicherlich wieder vornehmen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Aber welchen Sinn hat es, den Verein dafür zu bestrafen, dass eine Gruppe Irrer im Stadion randalieren? Kein Sicherheitsdienst kann eine plötzlich ausser Rand und Band geratene Gruppe sofort wieder einfangen und Ausschreitungen wie Sitzschalen ausreissen, verhindern. Lediglich im Nachhinein ist es möglich, gegen diese Leute Stadionverbote auszusprechen, sofern man sie ermitteln kann. Der Verein hat somit ziemlich sicher nicht schuldhaft gehandelt oder in vorzuwerfender Weise Vorkehrungen zur Vermeidung solcher Ausschreitungen unterlassen. Trotzdem werden den Vereinen regelmässig zehntausende von Euro abgeknöpft, aus meiner Sicht in völlig sinnlosem Aktionismus des Verbands. Es wird nichts daran ändern, dass es weiterhin solche Ausschreitungen durch Irre geben wird, eben weil die Vereine mit der Verhinderung solcher Ausschreitungen überfordert und auch für diese zwar wenigen, aber umso auffälligeren, Irren im Stadion gar nicht verantwortlich sind.
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