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06. Juni 2017, 16:03 Uhr

"Dritter Weg" bei Münchner Traditionsklub

Neonazis dürfen bei 1860 ungestört mitjubeln

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In dem allgemeinen Chaos bei 1860 München konnte zuletzt auch die Neonazi-Szene in einem Fanklub ungestört agieren. Die offizielle Fanbetreuerin sieht offenbar keinen Grund zum Handeln.

Der TSV 1860 München ist gerade mit dem dritthöchsten Etat der zweiten Liga abgestiegen und dürfte wohl nach einem beispiellosen Absturz in der viertklassigen Regionalliga aufschlagen. Dort, wo gut geführte Vereine Konzepte und Strukturen haben, herrschte bei 1860 ein Vakuum, in das Investor Hasan Ismaik die Millionen nur so hineinkippte. Wie es mit dem Verein weitergeht, ist ungewiss.

Doch abseits des Sportlichen gibt es noch ein weiteres Problem bei 1860: In einem Fanklub haben sich Neonazis breitgemacht. Und das offenbar geduldet durch den Vorsitzenden des offiziellen Fandachverbands ARGE, der nach eigenen Angaben 450 Fanklubs in 21 Regionen betreut. Auch die vom Verein bezahlte Fanbetreuerin wusste Bescheid, handelte aber nicht.

Bei den Löwen gibt es zwei Fanbeauftragte. Die eine, Jutta Schnell, verzichtete bislang trotz Kenntnis der Sache darauf, sich zu distanzieren oder Maßnahmen zu ergreifen. Und der andere wurde bei den Löwen vor einigen Monaten ersetzt: durch den Dolmetscher von Ismaik, Mutaz Sabbagh.

Seither fehlt ein Korrektiv zu Schnell, denn der Vorgänger von Ismaiks Dolmetscher soll dem Vernehmen nach Informationsveranstaltungen über die rechte Szene geplant haben, wie die "Löwenfans gegen rechts" berichten. Sabbagh hingegen fehlte bei diesen Themen der Einblick. Er soll dem Vernehmen nach in den vergangenen Wochen eher darauf geachtet haben, diejenigen Fans, die ihren Unmut über Investor Ismaik äußern wollten, genau daran zu hindern.

Der Fanklub, von dem die Rede ist, stammt aus der Oberpfalz und heißt "Löwenfreunde Lamer Winkel". Mindestens fünf ihrer Mitglieder (Namen sind dem SPIEGEL bekannt) gehören auch der Partei "Der Dritte Weg" an, einer Neonazi-Organisation, die sich nach dem Verbot der Kameradschaft "Freies Netz Süd" als Partei gründete, weil die - siehe NPD-Verbotsverfahren - nicht so leicht zu verbieten sind wie Verbände und Vereinigungen.

1860-Fanbeauftragte reagiert nicht

Die Neonazis marschieren regelmäßig bei Szene-Kundgebungen mit, zum Beispiel in Plauen oder Gera. Einer von ihnen muss dabei ein Tattoo abkleben, ein Hinweis auf ein verfassungsfeindliches Kennzeichen. Im Stadion, wo sich die rechte Klientel seit Längerem im Block 132 trifft, scheinen die fünf außerhalb ihrer Szene isoliert zu sein. Auch bei den Spielen der U23 im Grünwalder Stadion wurde rechtsextremen Fans schon mehrfach zu verstehen gegeben, dass sie unerwünscht sind.

Erschreckend ist allerdings, wie selbstverständlich eine Löwenvertreterin Neonazis in ihrer Fanszene duldet - und wie wenig Problembewusstsein herrscht. So ist der Vorsitzende des besagten Oberpfälzer Fanklubs ebenfalls tief in die rechte Szene verstrickt. Auf Facebook likt er Posts der NPD und Wehrmachts-Glorifizierungen. Bemerkenswert: Er ist Regionsbeauftragter der ARGE-Region 12 und auf Facebook sowohl mit den "Dritte-Weg"-Aktivisten als auch mit dem ARGE-Vorsitzenden Gerhard Schnell und dessen Ehefrau befreundet, der 1860-Fanbeauftragten Jutta Schnell. Das Ehepaar Schnell hatte also theoretisch die Möglichkeit, die Posts zu sehen.

Doch selbst, als empörte 1860-Fans das Ehepaar auf die Umtriebe im Fanklub ansprachen, wiegelten sie ab und redeten die Aktivitäten der Gruppe im 1860-Umfeld klein. Vom SPIEGEL wurde Jutta Schnell konfrontiert, eine Stellungnahme blieb aus. Auch Gerhard Schnell wollte sich nicht äußern.

"Das ist leider typisch", sagt ein Sprecher der "Löwenfans gegen Rechts". Sich wegzuducken sei seit Jahren die bevorzugte Taktik sowohl der Fanbeauftragten als auch der ARGE und der meisten Vereinsfunktionäre. "Auch als 1860 noch funktionsfähig war, beließ es der Verein am liebsten bei allgemeinen Erklärungen gegen Rassismus oder sagte, dass es ja auch uns, die 'Löwenfans gegen rechts' gebe."

Was wirklich in der Kurve passierte, habe den Verein jedoch wenig interessiert. Für die Fanbeauftragte scheint das ebenfalls zu gelten.

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