Nach Veröffentlichung von SPIEGEL ONLINE 1860 München kündigt Maßnahmen gegen Neonazis an

Der neue Präsident von 1860 München hat Maßnahmen gegen Neonazis in einem Löwen-Fanklub angekündigt. Auch der Fan-Dachverband hat sich vom Klub "Löwenfreunde Lamer Winkel" distanziert.
Fans des TSV 1860 München

Fans des TSV 1860 München

Foto: Peter Kneffel/ dpa

Robert Reisinger hätte eigentlich auch so genug zu tun. Seit vergangenem Samstag ist der 53-Jährige Übergangspräsident bei 1860 München, dem in den Amateurfußball abgestürzten Traditionsklub. Zu den bekannten Problemen der Löwen kam am Dienstag ein weiteres hinzu: Wie SPIEGEL ONLINE berichtete, gehören mehrere Mitglieder des 1860-Fanklubs "Löwenfreunde Lamer Winkel" aus der Oberpfalz der Neonazi-Organisation "Dritter Weg" an - der nach Einschätzung des Verfassungsschutzes Baden-Württemberg ein "rechtsextremistischer bis neonazistischer Charakter eindeutig nachweisbar" sei.

Neu-Präsident Reisinger reagierte mit folgendem Statement: "1860 ist ein toleranter und weltoffener Verein, bei dem kein Platz für Intoleranz und rechtsextremes Gedankengut ist. Ich werde mich in der nächsten Zeit weiter in die Materie einarbeiten, dann werden wir schnell konkrete Maßnahmen präsentieren." Eines aber könne er schon jetzt versprechen: "Den vielen Löwen-Fans, die es unerträglich finden, wenn Neonazis in Fanklubs geduldet werden, kann ich versichern, dass wir nichts unter den Teppich kehren werden."

Auch der Dachverband der Löwen-Fans ARGE  wurde aktiv. "'Lamer Winkel' ist ab sofort nicht mehr Mitglied der ARGE", schrieb dessen Vorsitzender Gerhard Schnell am Dienstagabend, kurz nachdem SPIEGEL ONLINE den Text veröffentlicht hatte.

"Nie in der Öffentlichkeit mit rechter Gewalt aufgetreten"

Schnell - dessen Ehefrau Jutta eine von zwei offiziellen Fanbeauftragten beim TSV 1860 München ist und bislang trotz Kenntnis der Sache darauf verzichtet hatte, sich von dem betroffenen Fanklub zu distanzieren oder Maßnahmen zu ergreifen - hatte sich auch auf der Facebook-Seite der ARGE unmittelbar nach der Veröffentlichung geäußert: "Ich habe den Fanklub sofort kontaktiert. Der Vorsitzende des Fanklubs wehrt sich gegen diese Vorwürfe und weist sie zurück. Er weiß, falls die Vorwürfe zutreffen, wird sein Fanklub sofort aus der ARGE ausgeschlossen."

Dieser "Löwenfreunde"-Vorsitzende ist Ernst L., der nicht nur über das Gedankengut von mindestens fünf Mitgliedern des Fanklubs Bescheid wusste, sondern selbst rechte Posts bei Facebook gelikt hat. Auf der ARGE-Homepage ist L. als Vorsitzender des Regionalverbands 12 gelistet, dem auch "Lamer Winkel" angehört. Ein Fehler laut ARGE-Chef Schnell: Seit zwei Jahren sei L. nur noch "Lamer Winkel"-Vorsitzender.

Derweil hat sich der tatsächliche Vorsitzende des betroffenen Regionalverbands bei SPIEGEL ONLINE gemeldet. Er legt Wert auf die Feststellung, dass er nichts mit der rechten Szene zu tun hat. Zudem berichtet er von besorgten Anrufern, die ihn gefragt hätten, ob nun alle Mitglieder aus dem Bezirk "Bayrischer Wald" der rechten Szene angehörten - was nicht der Fall ist.

L. hat sich auch per Facebook zu der Thematik geäußert. Er sei "nie in der Öffentlichkeit mit rechter Gewalt aufgetreten oder habe sie ausgelebt" und werde "in Kürze eine Stellungnahme abgeben." Man darf gespannt sein, was er zu seinem erwähnten Facebook-Account zu sagen hat, der voll rechter Propaganda ist. Dass er "in der Öffentlichkeit mit rechter Gewalt aufgetreten" sei, wurde ihm übrigens nicht unterstellt.

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