1860 - Werder 1-0 Löwen schütteln Konkurenten ab

1860 München hat im Kampf um die begehrten Champions-League-Plätze einen wichtigen Sieg gelandet. Die "Löwen" gewannen gegen den unmittelbaren Konkurrenten Werder Bremen 1:0 und rückten damit auf den vierten Tabellenplatz vor.


München - Nach 22 Jahren hat der TSV 1860 München das Schreckgespenst Werder Bremen aus dem Olympiastadion verjagt und mit 1:0 (0:0) endlich wieder einen Heimsieg gegen die Europacup-Experten von der Weser gefeiert. Drei Tage nach dem 0:2 bei Arsenal London zogen die Hanseaten auch in Bayern den Kürzeren und scheiterten dabei vor allem an der eigenen Sturmschwäche. Für die "Löwen", die zuletzt im August 1978 daheim gegen die Bremer gewonnen hatten, traf Marco Kurz in der 51. Minute und schoss sein Team auf Rang vier der Fußball-Bundesliga und damit einen Champions-League-Platz.

"Trotzdem kann ich nicht restlos zufrieden sein", sagte der Münchner Trainer Werner Lorant. "Bis zur letzten Minute haben wir uns schwer getan." Sein Präsident Karl-Heinz Wildmoser stieß ins gleiche Horn: "Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht." Bremens Coach Thomas Schaaf sah das Übel vor allem in der "Schwerfälligkeit im Kopf" seiner Spieler und meinte angesichts der Pokal-Strapazen der vergangenen Wochen: "Wenn man bis zum Schluss so anrennt, kann es nicht an der Kraft gelegen haben. Aber wir haben nur reagiert und nie agiert. So kann man kein Spiel gewinnen."

Vor 22.800 Zuschauern im kalten Münchner Olympiastadion konnten die Bremer Nationalspieler Marco Bode und Frank Baumann nicht restlos überzeugen - Thomas Häßler präsentierte sich dagegen vor den Augen von Ribbeck-Assistent Uli Stielike in ansprechender Form und war bis zu seiner Auswechslung in der 65. Minute bester Münchner. Während die Bremer ihre neunte Saison-Niederlage einstecken mussten und den Sprung zurück auf einen Uefa-Cupplatz verpassten, kam Arsenal in der Premier League am Sonntag, vier Tage vor dem Europapokal-Rückspiel in Bremen, zu einem 2:1-Heimsieg gegen Tottenham.

Die Münchner Minus-Heimserie gegen die Norddeutschen hätte der Österreicher Harald Cerny frühzeitig beenden können. Ohne große Mühe hätte er bis zur 40. Minute vier Tore erzielen müssen. Doch zwei Mal zielte er über das Tor, einmal links vorbei und einmal gestattete er Torhüter Frank Rost, die Großchance mit einer Glanzparade zu klären. "Man muss es weiter versuchen; irgendwann klappt es schon", sagte TSV-Trainer Werner Lorant. Die klaren Möglichkeiten des für Daniel Borimirow ins Team gekommenen "Ösis" hatten ihre Ursache in der Bremer Abwehr. Andre Wiedner ließ dem 60er viel zu viel Freiraum.

Doch auch den Bremern fehlte die Konsequenz im Ausnutzen der sich bietenden Chancen. Dabei kamen die Europacup-Kicker, die weiter auf Verteidiger Raphael Wicky sowie Julio Cesar, Dieter Frey und auch Claudio Pizarro verzichten mussten, besser aus den Startlöchern. Der frühere "Löwe" Bernhard Trares sowie Andreas Herzog schafften die Führung aber eben so wenig wie der Münchner Ned Zelic, der nach einer Ecke fast ins eigene Tor getroffen hätte.

Auch in der zweiten Halbzeit starteten die Bremer mit einem Torschuss. Aber Pizarro-Ersatz Rade Bogdanovic konnte den Münchner Keeper Michael Hofmann nicht überwinden. Stattdessen klappte es auf der anderen Seite. Einen Freistoß von Häßler ließ der für Mike Barten eingewechselte Victor Skripnik nur abprallen - und Marco Kurz nutzte dieses Geschenk zur Führung. Werder versuchte die drohende Pleite mit wütenden Angriffen abzuwenden. Aber Ailton und Bogdanovic waren bei Holger Greilich, der neben Häßler bester 60er war, und Stephan Paßlack weitestgehend abgemeldet. Zu Bremens Besten zählten Herzog und Kapitän Dieter Eilts.



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