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Babbel-Rauswurf Ex und hopp in Hoffenheim

Mit Markus Babbel geht bei 1899 Hoffenheim wieder einmal ein Trainer vorzeitig. Der Ex-Profi scheiterte an einer desaströsen Bilanz, aber auch an einer falsch zusammengestellten Mannschaft. Verantwortlich dafür war der Coach nur teilweise.

Am Freitag, beim Auswärtsspiel in Hamburg, werden sich die wenigen mitreisenden Hoffenheimer Fans mal wieder an einen neuen Trainer auf der Bank gewöhnen müssen. Der bisherige Coach der U23, Frank Kramer, wird dort für Markus Babbel Platz nehmen, als Interimslösung. In der Winterpause dürfte dann der kommende Chefcoach präsentiert werden.

Markus Babbel ist im Kraichgau an vielem gescheitert, das auch jedem Nachfolger die Arbeit erschweren wird. Aber anderes kam dazu: Babbel fand nie die richtige Sprache, um zu erklären, was er mit dem Team vorhatte. Stattdessen flüchtete er sich in Floskeln und wirkte emotional kaum beteiligt. Das änderte sich nur, wenn er von der Stadt München oder dem FC Bayern reden durfte - sofort trat ein Leuchten in seine Augen.

Im merkwürdigen Kontrast zu seiner blutleeren Rhetorik standen hingegen die großen Ankündigungen noch größerer Taten. Man müsse von den Bayern lernen und "mit breiter Brust" auftreten. Als Babbel in der vergangenen Saison übernahm, rangierte Hoffenheim mit 24 Punkten auf Platz 8 der Tabelle, am Ende stand Platz 11. Babbel hatte in 14 Spielen nur 17 Zähler geholt.

Doch dem Sendungsbewusstsein Babbels tat das keinen Abbruch. Der Mann, der es geschafft hatte, selbst bei seinem Aus in Berlin gut dazustehen, kündigte im Sommer an, man visiere die Europa League an. Es folgte der erste Spieltag im DFB-Pokal und ein schallendes 0:4 beim Regionalligisten Berliner AK.

Neue Team-Hierarchie ein Flop

Auch in die Liga startete man miserabel. Gegen Gladbach, Frankfurt und Freiburg setzte es Niederlagen. Besser wurde es kaum einmal, in der ganzen Saison gab es keinen einzigen souveränen Auftritt über 90 Minuten. Am Sonntag, beim 1:4 gegen Werder, dann der Offenbarungseid: "Fast leblos" (Manager Müller) spielte die Mannschaft, die sich bei den vier Bremer Treffern anstellte, als habe man eine Ansammlung Tischtennisspieler zum Praktikum auf den Bolzplatz geschickt.

Noch im Sommer implantierte Babbel eine neue Team-Hierarchie und machte mit Torwart Tim Wiese einen Neuzugang zum Spielführer. Der ehemalige Bremer sollte zusammen mit Eren Derdiyok, Matthieu Delpierre und Tobias Weis das Team führen. Nur blöd, dass gleich alle vier vermeintlichen Leistungsträger nicht einmal ihre eigene Form in den Griff bekamen.

Seit Ralf Rangnick im Januar 2011 entnervt das Handtuch warf, scheint das Team regelrecht untrainierbar zu sein. Allerdings ist es unter Babbel noch eine Spur lebloser geworden. Zufall? In gut geführten Vereinen werden Transfers auch nach Faktoren wie Teamfähigkeit und sozialer Kompetenz getätigt. Nicht so in Hoffenheim, wo Milliardär Dietmar Hopp jüngst eine Fanversammlung einberief, um der Basis zu erklären, wie segensreich seine "Freundschaft" zu Spielerberater Roger Wittmann sei.

"Kein Kommentar"

Torwart Tom Starke, bis zur Demission im Sommer Leistungsträger, Führungsspieler und Publikumsliebling in einem, hat im Interview mit der "Rhein Neckar Zeitung" erläutert, dass Wiese auf Druck von oben installiert wurde. "Es war letztlich die Entscheidung von zwei Personen, nicht vom Trainer." Als Journalisten Babbel daraufhin fragten, ob es zutreffe, dass vor allem Wieses Berater die Personalie beförderte, verweigerte Babbel die Antwort: "Kein Kommentar."

In Hoffenheim, schrieb die "RNZ" nun in ihrer Montagsausgabe, herrsche eine "delikate Gemengelage, der sich Babbel als hochdotierter Gehaltsempfänger beugte". Und weiter: "Sieben Spieler von einem Berater - damit wird mancher Fußballlehrer seine Probleme haben." Dem ist nichts hinzuzufügen. Nur noch, dass es ein Segen ist, wenn Regionalzeitungen allen Widerständen zum Trotz Hofberichterstattung verweigern.

In einigen Medien wird nun über eine Rückkehr von Hansi Flick spekuliert, der Hoffenheim bereits von 2000 bis 2005 trainierte. Damals sind einige Trainerkollegen extra in die badische Provinz gefahren, um sich anzuschauen, wie dort eine junge, hungrige Mannschaft technisch feinen Offensivfußball zelebrierte. Es ist kein Zufall, dass Flick im Trainerstab des DFB gelandet ist.

Es ist allerdings auch kein Zufall, dass Flick von Hopp entlassen wurde, weil dem die sportliche Entwicklung nicht schnell genug ging. Doch zu Flicks Zeiten hatte die TSG wenigstens noch eine sportliche Identität, mittlerweile steht sie für gar nichts mehr. Vielleicht sollte sich Dietmar Hopp einmal die Frage stellen, was zwischen 2005 und 2012 so alles schiefgelaufen ist bei seinem Verein. Er sollte sich dafür viel Zeit nehmen.

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