Aufholjagd gegen St. Pauli Der FC Schalke ist zurück in der Bundesliga

Die Bundesliga kann sich auf die Rückkehr eines großen Klubs freuen: Der FC Schalke besiegt am vorletzten Spieltag den FC St. Pauli und steigt auf. Torjäger Simon Terodde trifft mal wieder doppelt.
Doppeltorschütze Simon Terodde wird durch die Arena getragen

Doppeltorschütze Simon Terodde wird durch die Arena getragen

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Martin Meissner / AP

Königsblau ist wieder da: Es war alles bereitet für eine königsblaue Party. Eine volle Arena, ein geschwächter Gegner, dem FC Schalke reichte ein Sieg zum Bundesliga-Aufstieg. Doch in dieser 2. Liga scheint alles möglich, denn plötzlich lag der Traditionsklub aus Gelsenkirchen gegen den FC St. Pauli 0:2 zurück und musste in dieser engen 2. Liga – trotz der besten Ausgangsposition – sogar um den Aufstieg bangen. Doch die Energie von den Rängen erfasste nach der Pause die Mannschaft und nach dem hart umkämpften Sieg heißt es nun: Der FC Schalke ist wieder ein Bundesligist.

Das Ergebnis: St. Pauli war nach fünf Spielen ohne Sieg klarer Außenseiter auf Schalke – und zeigte bei der 2:3 (0:2)-Niederlage über weite Strecken eine starke Leistung.

St. Paulis Sorgen: Dabei hatten die Hamburger nach einem Corona-Ausbruch in der Mannschaft komplizierte Tage hinter sich. Zehn Spieler befanden sich zwischenzeitlich in Isolation, unter der Woche standen Trainer Timo Schultz bisweilen nur neun Profis zur Verfügung. Nach den Statuten der DFL stand die Partie auf Schalke jedoch nie auf der Kippe und so schwor Schultz seinen Kader auf die letzte Chance ein.

Erste Hälfte: 27 Tore hatte Simon Terodde, Rekordtorjäger der 2. Bundesliga, in dieser Saison bereits erzielt. Er war vor der Saison als Aufstiegsgarant gekommen und erfüllte diese Aufgabe bisher zur königsblauen Zufriedenheit. Und auch gegen St. Pauli bekam Terodde vor der Pause genügend Gelegenheiten, um zum Matchwinner zu werden. Nur diesmal traf der 34-Jährige (noch) nicht. Er stand allein vor Torhüter Dennis Smarsch (1. Minute), rutschte an einer Vorlage von Marius Bülter im Fünfmeterraum vorbei (12.) und schoss den kurz vor der Torlinie stehenden Jakov Medic an (33.). Zudem zählte ein Tor von Ko Itakura wegen eines Handspiels nicht (23.) – zu diesem Zeitpunkt stand es bereits 0:2.

Ein Hauch von Eintracht: Wenn im Vergleich zur Vorwoche sechs Profis wegen der Corona-Lage aus der Startelf rutschen, braucht es motivierte Ersatzspieler, die bisher vielleicht nicht so zur Geltung kamen. Bei St. Pauli übernahm Igor Matanovic diese Rolle. Der 19-Jährige, ein Eigengewächs der Kiezkicker, der vor dieser Saison bei Europa-League-Finalist Eintracht Frankfurt einen Vertrag unterschrieben hat und derzeit für zwei Jahre an seinen Jugendklub verliehen ist, erzielte beide Tore: Beim 0:1 schoss Matanovic aus der Drehung flach ein (9.), wenig später ließ er Marcin Kaminski mit einer herausragenden Ballannahme stehen und traf erneut per Flachschuss (17.). In den 17 Saisonspielen zuvor hatte Matanovic nicht getroffen.

Marc Wilmots (l.) und Andreas Müller mit dem Uefa-Pokal

Marc Wilmots (l.) und Andreas Müller mit dem Uefa-Pokal

Foto: David Inderlied / dpa

Eurofighter: 25 Jahre ist es her, dass der FC Schalke als bisher letzter deutscher Verein die Europa League, pardon, damals hieß der Wettbewerb noch Uefa-Pokal, gewonnen hat. Die Eurofighter ließen es sich zum Jubiläum nicht nehmen, als Glücksbringer in die Arena zu kommen. Und so wurden Marc Wilmots, Martin Max, Yves Eigenrauch und viele andere Schalker Helden vor dem Spiel auf dem Rasen geehrt. Der Plan ging auf.

Zweite Hälfte: Drei vergebene Großchance in 45 Minuten? Das bringt doch einen Simon Terodde nicht aus der Ruhe. Es dauerte nur wenige Sekunden, ehe Medic im Strafraum Teroddes Trikot etwas zu lang festhielt. Schiedsrichter Marco Fritz konnte nur auf Elfmeter entscheiden, Terodde verwandelte höchststelbst (47.). Als St. Pauli das Spiel wieder besser im Griff hatte, stand die Abwehr einmal schlecht, erneut Terodde traf per Volleyabnahme (71.). Der eingewechselte Rodrigo Zalazar stand bei einem Konter und nach guter Vorarbeit von Bülter frei vor Smarsch – und schoss wuchtig unter die Latte (78.). »2. Liga, nie mehr«, skandierten die Fans.

Siegtorschütze Rodrigo Zalazar

Siegtorschütze Rodrigo Zalazar

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IMAGO/Ulrich Hufnagel

Der Fuß von Beifus: Dabei hätte auch die 2. Hälfte anders verlaufen können. Kurz vor dem Tor von Zalazar hatten die Gäste durch einen Volleyschuss von Marcel Beifus die große Chance auf die erneute Führung, doch der 19-jährige Innenverteidiger schoss mit voller Wucht Torhüter Martin Fraisl an (76.). In der 81. Minute traf eben dieser Beifus Florian Flick mit offener Sohle – und wurde von Schiedsrichter Fritz mit der Roten Karte vom Platz geschickt. In der Nachspielzeit sah Doppeltorschütze Matanovic nach wiederholtem Foulspiel Gelb-Rot.

Der nächste Platzsturm: Die Vereinsführung der Schalker wollte es verhindern, doch nach dieser langen Leidenszeit ließen sich die Fans nicht stoppen. Nach Frankfurt am Donnerstag in der Europa League, den Kölner Anhängern am Nachmittag erlebte der deutsche Fußball den dritten Platzsturm in einer Woche. »Das Gefühl ist unglaublich. Es war unser Traum. Dafür mussten wir kämpfen, man bekommt es nicht geschenkt«, sagte Trainer Mike Büskens, selbst ein Eurofighter, bei Sky: »Ein riesiges Kompliment an die Truppe. Es ist unfassbar.« 382 Tage ist es her, als die Schalker die Bundesliga verlassen mussten. Nun steht nach 1982, 1984 und 1991 der vierte Aufstieg.

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