HSV-Sieg in Sandhausen Selfies mit dem Ortsschild

Der Hamburger SV ist in der zweiten Liga angekommen: Gegen Sandhausen überzeugte der Absteiger und feierte den ersten Erfolg. Die Fans nutzten die Reise in die Provinz auf ihre Weise.
Hamburgs Khaled Narey

Hamburgs Khaled Narey

Foto: Daniel Maurer/ dpa

Es sei einmal dahingestellt, ob es eine gute Idee der Sandhäuser Stadtverwaltung war, eines der Ortsschilder direkt vor dem Haupteingang des Stadions zu platzieren. Hunderten HSV-Fans machte das Amt damit am Sonntagnachmittag allerdings eine Riesenfreude. Direkt nach dem Ende der mit 3:0 gewonnen Partie bildeten sich Schlangen vor dem gelben Schild mit der Aufschrift "Sandhausen, Rhein-Neckar-Kreis". Ein dankbarer Hintergrund für Selfies von jubelnden HSV-Fans mit emporgerecktem Daumen.

Es war ein Bild, das für vieles steht, was diese Partie zum wohl ungleichsten Duell der zweiten Liga macht. Ein Duell zwischen dem frisch abgestiegenen Traditionsklub Hamburger SV und dem ewigen Underdog aus dem Südwesten der Republik, der sich nun schon das siebte Jahr in Folge in der Zweiten Liga hält. 7000 neue Mitglieder hat der HSV vor dieser Saison geworben und 24.000 Dauerkarten verkauft. Sandhausen hat etwas mehr als die Hälfte davon - an Einwohnern.

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Zudem verfügen die Hanseaten über einen in etwa vier Mal so hohen Etat wie der Verein aus der 15.000-Einwohner-Stadt. All dies sind solch unterschiedliche Parameter, dass sie sich eigentlich nur auf dem Platz niederschlagen können, wo auch tatsächlich eine willige, aber überforderte Sandhäuser Mannschaft auf ein Team traf, das nicht nur nominell in einer anderen Liga agierte.

Kritik vom Trainer trotz des klaren Erfolgs

Dabei fiel beim HSV das verletzungsbedingte Fehlen von Matti Steinmann und Aaron Hunt gar nicht auf. Filip Kostic, der auf Vereinssuche ist, hatte zudem darum gebeten, nicht mit nach Süddeutschland fahren zu müssen. Akustisch hatten die Hanseaten am Sonntag ein Heimspiel, obwohl ihre Anhänger in der Unterzahl waren: Von den 15.000 Zuschauern im ausverkauften Stadion hatte allenfalls ein Drittel Sympathien für den HSV.

Es hörte sich allerdings streckenweise so an, als sei das Fan-Verhältnis umgekehrt. Und das nicht nur bei den drei Treffern durch Khaled Narey (7. Minute/30.) und Rick van Drongelen (59.), bei denen sich die Sandhäuser Defensive recht gutmütig zeigte.

Während die Gastgeber große Schwächen offenbarten, wusste der HSV in Sachen Körpersprache und Einstellung zu überzeugen. Bezeichnend, dass Christian Titz nach dem ungefährdeten Sieg noch Kritik übte: "Nach dem 3:0 haben wir für meinen Geschmack etwas zu stark runtergefahren", sagte er.

Christian Titz

Christian Titz

Foto: Daniel Maurer/ dpa

Nach der Pressekonferenz präzisierte der im 17 Kilometer entfernten Edingen-Neckarhausen aufgewachsene Coach, dass er mit etwas mehr Willen auch einen höheren Sieg für möglich gehalten hätte. Titz gab damit den Sound vor, der auch die Ansprachen in den nächsten Wochen prägen dürfte.

Am Sonntag gewann man schließlich auf denkbar überzeugende Art und Weise, obwohl einige Stars wie Lewis Holtby oder Pierre-Michel Lasogga gar nicht mal stark spielten - ein weiteres Indiz dafür, dass die größte Gefahr beim angepeilten Wiederaufstieg nicht die Konkurrenz ist, sondern der Glaube, es irgendwie auch mit 95 Prozent Körperspannung schaffen zu können.

Wenn man Titz in den vergangenen Wochen richtig verstanden hat, wird er erst dann aufhören, vor Überheblichkeit zu warnen, wenn das Saisonziel erreicht ist: der sofortige Wiederaufstieg. Gerne dokumentiert mit möglichst vielen Fotos mit glücklichen Fans vor Ortsschildern aus Aue, Heidenheim oder Paderborn.

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