HSV-Derbysieg gegen St. Pauli Dann steigt doch einfach beide auf

Ein Comeback beim Tabellenführer ist immer großartig, ein Derbysieg sowieso. Dem HSV gelang gegen St. Pauli beides in einem. Die Chance zur Revanche könnte es im Pokal geben – oder nächste Saison in der Bundesliga.
Sonny Kittel, Bakary Jatta und Robert Glatzel feiern den Siegtreffer

Sonny Kittel, Bakary Jatta und Robert Glatzel feiern den Siegtreffer

Foto:

Stuart Franklin / Getty Images

Der Schuss des Spiels: Im Kader des Hamburger Sportvereins stehen nur noch vier Profis, die den Abstieg aus der Bundesliga in der Saison 2017/2018 miterlebten. Der einzige von ihnen, der schon damals sportlich eine Rolle spielte, heißt Bakary Jatta. Nun nutzte der schnelle Rechtsaußen die Chance, sich zum Helden des 107. Stadtderbys gegen den FC St. Pauli zu krönen: Ein Volleyschuss mit dem ersten Kontakt, für St. Pauli-Keeper Nikola Vasilj kaum zu halten, schlug nach 70 Spielminuten sehenswert im Gästetor ein. Jatta zementierte so nicht nur seinen Status als Publikumsliebling, sondern schaffte auch die Voraussetzungen, dem Abstieg in seiner Vita bald einen Aufstieg hinzuzufügen.

Das Ergebnis: Ein 2:1 (0:1)-Comeback katapultiert den Hamburger SV vorübergehend auf den dritten Tabellenplatz, St. Pauli bleibt an der Spitze. Hier lesen Sie den Spielbericht.

Es weht die Totenkopfflagge: Die Ausgangssituation vor Spielbeginn war klar: Der HSV musste sich beweisen. Nicht nur waren vier der letzten fünf Stadtderbys verloren gegangen (die übrige Partie ebenfalls bloß ein Remis), mit einer Niederlage würde der FC St. Pauli in der Tabelle auch auf neun Punkte enteilen. Der vermeintlich größere Hamburger Klub fand sich also in der Herausfordererrolle wieder, die jüngste St. Pauli-Bilanz von drei sieglosen Ligaspielen machte allerdings Hoffnung.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Die erste Hälfte: Und auch die Anfangsviertelstunde dürfte zum Selbstvertrauen des Bundesliga-Dinos a.D. beigetragen haben: Faride Alidou (3.), Moritz Heyer mit einem Kopfball an den Pfosten (6.) und Miro Muheim per abgefälschtem Fernschuss (10.) sorgten früh für Torgefahr. Erst allmählich kämpfte sich St. Pauli ins Spiel – und ging nach einem Freistoß prompt durch Guido Burgstaller in Führung (30.).

Burgstaller ballert: Die Cinderella-Story der Woche war eigentlich die des Etienne Amenyido: St. Paulis nomineller Stürmer Nummer vier bis fünf hatte sich in die Startelf gespielt, beim Punktgewinn gegen Aue und beim Pokal-Coup gegen seinen Jugendklub Borussia Dortmund getroffen und war auch am 1:0 direkt beteiligt. Ein Extralob gebührt aber Burgstaller: Der Österreicher hat aus seiner Schalker Zeit den Ruf weg, ein fleißiger, aber ungefährlicher Stürmer zu sein. Gegen den HSV gelang Burgstaller nun bereits sein 15. Saisontreffer im 20. Spiel – der Spitzenwert in der Liga, und Burgstallers beste Saison-Ausbeute im Unterhaus bislang. In seiner besten Karriere-Saison 2016/2017 erzielte Burgstaller zwar 23 Tore, neun davon aber bereits für S04 in Liga eins (den Rest für den 1. FC Nürnberg).

Die zweite Hälfte: Die Gastgeber im Hamburger Westen machten weiter Druck, Ludovit Reis (50.) und Robert Glatzel (57.) näherten sich dem Ausgleich bereits an, ehe Sebastian Schonlau eine Ecke ins Tor köpfte. Jattas Tor zum Comeback war verdient (70.), HSV-Torwart Daniel Heuer Fernandes hielt in der Schlussphase gegen Burgstaller (81.) und den eingewechselten Maximilian Dittgen (90.+5) den Sieg fest.

Vulkan Walter: Die nur 2000 zugelassenen Fans gaben sich zwar jede Mühe, doch das Volksparkstadion in einen Hexenkessel verwandeln konnten sie nur bedingt. Tim Walter brauchte ohnehin keine Emotionen von außen, immer im Griff hatte der HSV-Coach sich vor lauter Derbystimmung jedenfalls nicht. Schon in Halbzeit eins war über die Stadionmikrofone ein deutliches »Halt die Fresse!« an einen nur zu vermutenden Adressaten zu vernehmen, in Halbzeit zwei gab es dann Gelb für allzu viel Aufregung über eine Schiedsrichterentscheidung.

Tim Walter litt an der Seitenlinie mit seinem HSV

Tim Walter litt an der Seitenlinie mit seinem HSV

Foto: via www.imago-images.de / imago images/MIS

Halbgott in Weiß mit roten Hosen: Zu Spielbeginn war es noch St. Paulis X-Faktor Daniel-Kofi Kyereh, der mit neun Assists die Vorlagenstatistik der 2. Bundesliga anführte. Nur hatte Kyerehs Leistungsexplosion dem Chefkreativen vom Kiez einen Platz im ghanaischen Nationalteam und eine Reise zum Afrika-Cup beschert, trotz Vorrundenaus kam das Derby für ein Comeback zu früh. So gehörte der Rasen dem Kyereh-Pendant des HSV: Sonny Kittel, Standardvirtuose und Strippenzieher, lieferte per Ecke zum Ausgleich und per Steilpass zur Entscheidung seine Vorlagen neun und zehn.

Die Chance auf Revanche: Hin- und Rückspiel sind absolviert, beide Hamburger Klubs haben je einmal gewonnen. Die Möglichkeit auf einen Prestige-Tiebreaker besteht allerdings weiterhin: Weil sowohl der HSV als auch der FC St. Pauli im DFB-Pokal unter den letzten Acht stehen, dürfen die Fans auf ein weiteres Derby unter Flutlicht hoffen. Die Viertelfinalspiele werden am 30. Januar ausgelost, die ARD überträgt live ab 19.15 Uhr. Andernfalls bleibt die Hoffnung auf eine Neuauflage in der kommenden Saison – womöglich gar in Liga eins.