Diskussionen über den Videobeweis Der DFB "stößt an Grenzen"

Zweitligist Wehen Wiesbaden geht gegen eine vom VAR beeinflusste Niederlage vor - und verliert vorm DFB-Sportgericht erneut. Die DFB-Verantwortlichen zeigen ihre Unzufriedenheit über den Videobeweis.
Für Schiedsrichter Martin Petersen war es ein Angriff und deshalb durfte er eingreifen

Für Schiedsrichter Martin Petersen war es ein Angriff und deshalb durfte er eingreifen

Foto: Robert Michael/ DPA

Das Ergebnis sollte nicht überraschen. Als Zweitligist SV Wehen Wiesbaden nach der 0:1-Niederlage bei Dynamo Dresden Einspruch gegen die Spielwertung eingelegt hatte, wurde die Aussicht auf Erfolg von Experten der Sportgerichtsbarkeit als gering angesehen. Und tatsächlich lehnte das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes um den Vorsitzenden Richter Hans E. Lorenz den Einspruch am Donnerstag ab. In der knapp zweieinhalbstündigen Verhandlung zeigte sich allerdings, was die Diskussionen um den Videobeweis in den vergangenen Wochen mit den Verantwortlichen beim DFB gemacht haben.

"Das Urteil ist möglicherweise nicht ganz leicht zu vermitteln. Wir können in diesem Fall dem Schiedsrichter aber keinen Regelverstoß

nachweisen und dem Video-Assistenten keinen Fehler", sagte Lorenz. Die Wiesbadener hatten protestiert, weil im Spiel in Dresden am 8. November der Schiedsrichter nach Abstimmung mit dem Video-Assistenten ein Tor des Zweitliga-Aufsteigers nicht anerkannt hatte.

Wiesbaden hatte gefordert, das Spiel zu wiederholen. Der Aufsteiger war durch Manuel Schäffler (26. Minute) vermeintlich in Führung gegangen. Doch weil der Ball bei einem Dynamo-Angriff zuvor auf der anderen Seite des Platzes im Toraus war, gab Schiedsrichter Martin Petersen den Treffer nach Ansicht der TV-Bilder nicht. Stattdessen wurde die Partie mit Abstoß für Wiesbaden fortgesetzt.

Tatsachenentscheidung gilt auch für die VAR

In das Urteil des Sportgerichts flossen zwei Aspekte ein: Die Möglichkeit, einen Angriff bis zur vorherigen Spielunterbrechung auf einen Regelverstoß hin zu untersuchen - und der Schutz der Tatsachenentscheidung durch den VAR. "Die Tätigkeit des Video-Assistenten kann, wird und darf nicht dazu führen, dass Spielwertungen annulliert werden", sagte Lorenz. "Der Video-Assistent soll das Fußballspiel gerechter machen, nicht das System destabilisieren."

Der DFB-Regelexperte, langjährige Lehrwart und frühere Bundesliga-Referee Lutz Wagner räumte, dass die Umsetzung des Videobeweises eine Baustelle bleibe: "Im Moment stoßen wir an Grenzen. Glücklich mit der Situation kann keiner sein, der am Fußball beteiligt ist."

Wagner betonte mit Blick auf die Vorgaben des International Board (IFAB): "Regeltechnisch zurückgehen kann man bis zur letzten Spielunterbrechung. Das ist nach den Regeln möglich. Ob es sinnvoll ist, ist etwas anderes. Ein Regelverstoß ist es aus meiner Sicht ganz klar nicht." Ohnehin hat der DFB keine Handhabe gegenüber den Vorgaben des IFAB - das gilt auch für die aktuell kursierenden Forderungen nach einer sogenannten Challenge für Trainer.

Die Zeit habe "keine Rolle gespielt, es geht darum, ob das eine Angriffssituation ist. In dem Fall war das ein Zug", erklärte Schiedsrichter Petersen seine Entscheidung in der besagten Szene. Anton Nachreiner, Vorsitzender des DFB-Kontrollausschusses, sagte im Anschluss: "So mag dieses Ergebnis für den eingefleischten Fußball-Anhänger unbefriedigend sein." SVWW-Funktionär Nico Schäfer kündigte an, dass der Verein prüfen werde, ob er vor das DFB-Bundesgericht ziehe.

Das Fazit von Richter Lorenz machte deutlich, dass beim DFB trotz aller Verunsicherung auf einen Langzeiteffekt gehofft wird: "Wir sind alle noch ein bisschen gefangen in unserem tradierten, überholten Regelverständnis. Wir müssen uns davon lösen."

krä/dpa
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