Aufstiegsprotokoll zweite Liga Wer verpatzt es ausnahmsweise nicht? Nur der HSV!

Werder feiert den Aufstieg. Der HSV behielt in einem dramatischen Spiel in Rostock trotz Rückstand die Nerven. Nun geht es gegen Hertha BSC um den Aufstieg. Deren Trainer Felix Magath beobachtete das falsche Team.
Ein ungewohntes Bild: Jubelnde Hamburger am Saisonende

Ein ungewohntes Bild: Jubelnde Hamburger am Saisonende

Foto: IMAGO/Michael Taeger / IMAGO/Jan Huebner

Untraditionsverein: Christian Titz, Hannes Wolf, Dieter Hecking, Daniel Thioune und Horst Hrubesch. Egal, wie der Hamburger Trainer nach dem Bundesligaabstieg 2018 hieß, am Ende der Spielzeit sprang in drei Spielzeiten immer Rang vier heraus. So sah es 75 Minuten auch im vierten Jahr aus, dann traf der Kapitän. Tim Walter kann nun erster HSV-Aufstiegstrainer werden.

Ergebnis: Werder Bremen ist nach Schalke 04 zweiter Aufsteiger, der HSV trifft in der Relegation auf Hertha BSC. Hier geht es zu den Spielberichten.

Ausgangslage: Nach dem 33. Spieltag lag Werder auf Aufstiegsrang zwei (60 Punkte, Torverhältnis +20), der HSV auf dem Relegationsplatz (57 Punkte, +31), Darmstadt war Vierter (57 Punkte, +22). Bremen genügte also gegen Regensburg ein Zähler zur Bundesligarückkehr, die Hamburger wären mit einem Sieg in Rostock sicher in der Relegation, sollte Werder zudem verlieren, wären sie sogar direkt in der ersten Liga. Aber auch Darmstadt hatte Chancen auf den direkten Aufstieg. Voraussetzung: ein eigener Sieg bei Pleiten von Werder und HSV. Alles klar? Dann rein in die 90 Minuten.

In Darmstadt jubelten sie bereits nach 80 Sekunden

In Darmstadt jubelten sie bereits nach 80 Sekunden

Foto: IMAGO/Florian Ulrich / IMAGO/Jan Huebner

Darmstadt legt vor: Keine 120 Sekunden waren gespielt, da nahm das Aufstiegsrennen schon ordentlich Tempo auf. Darmstadts Tim Skarke brachte sein Team mit einem wuchtigen Schuss von der Strafraumgrenze in Führung (2. Minute). Das bewirkte auch die erste Veränderung an der Spitze: Darmstadt war nun in der virtuellen Tabelle Dritter, der HSV nur noch Vierter.

Jubel in Grün-Weiß: Ein Punkt gegen Regensburg? Das sollte für Werder doch zu machen sein. Doch welche Kapriolen ein letzter Spieltag so bieten kann, konnte man erst am Vortag erfahren. Niclas Füllkrug nahm schnell den ganz großen Druck aus der Partie, indem er mithilfe des Innenpfostens zur Bremer Führung traf (10.). Und was machte der HSV?

Panik in Rostock: Gerade einmal vier Heimsiege gab es in dieser Saison für Hansa, doch der Start war wuchtig. Lukas Fröde traf per Kopf die Latte (2.). Anschließend übernahm der HSV die Kontrolle, kassierte aber das 0:1 durch Nico Neidhardt (13.). Sollten es die Hamburger etwa schon wieder am letzten Spieltag vergeigen?

Darmstadt legt nach: Die guten Nachrichten aus Rostock wurden mit der eigenen Leistung noch etwas schöner. Luca Pfeiffer erhöhte gegen Paderborn auf 2:0 (25.) und 3:0 (38.). Die Hausaufgaben waren gemacht, der Ball lag nun bei der Konkurrenz.

Luftholen nach 45 Minuten: Zur Halbzeit war Werder aufgestiegen, Darmstadt in der Relegation und der HSV nur Vierter.

Marvin Ducksch nach dem erlösenden 2:0 für Werder

Marvin Ducksch nach dem erlösenden 2:0 für Werder

Foto: Joosep Martinson / Getty Images

Werder macht es fix: Marvin Ducksch, beim Führungstor noch Vorbereiter, machte es dieses Mal selbst. Sein 2:0 in der 51. Minute kam genau zur richtigen Zeit, Regensburg war zu Beginn der zweiten Hälfte gleich mehrfach gefährlich vor dem Bremer Tor aufgetaucht.

Der HSV ist wieder da: Da fehlte nur noch ein Tor zur Relegation – Robert Glatzels Treffer, sein 21. in dieser Saison, brachte das 1:1 in Rostock (50.). HSV-Torhüter Daniel Heuer Fernandes verhinderte keine drei Minuten später die erneute Rostocker Führung. Auf dem Platz und auf den Rängen nun Anspannung am Limit.

HSV-Kapitän Sebastian Schonlau (2.v.l.) nach seinem Treffer

HSV-Kapitän Sebastian Schonlau (2.v.l.) nach seinem Treffer

Foto: IMAGO/Michael Taeger / IMAGO/Jan Huebner

Der HSV mit dem Big Point (und noch einem): 15 Minuten blieben den Hamburgern noch, um den vierten Platz zu verlassen. Chancen? Fehlanzeige. Doch dann flankte Ludovit Reis an den Fünfmeterraum, wo sich Kapitän Sebastian Schonlau durchsetzte und einköpfte (75.). Die Hamburger waren nun wieder Dritter und in der Relegation. Auf den Rängen eskalierte es derweil immer mehr, Böller en masse und brennende Fahnen waren zu sehen. Und während die Blicke mehr auf den Tribünen als auf dem Platz ruhten, traf der eingewechselte Mikkel Kaufmann zum 3:1 (85.). Frödes Anschlusstreffer zum 2:3 (90.+1) kam zu spät, der HSV geht in die Relegation.

Felix Magath: Entspannt in Darmstadt

Felix Magath: Entspannt in Darmstadt

Foto: IMAGO/Thomas Voelker / IMAGO/Jan Huebner

Magaths schlechter Riecher: Berlins Trainer Felix Magath wollte den kommenden Relegationsgegner natürlich selbst in Augenschein nehmen. Allerdings sah er in Darmstadt nur den Vierten, sein Co-Trainer Mark Fotheringham war in Rostock zu Gast. Womöglich kann Magath seine Aufzeichnungen nach erreichtem Klassenerhalt ja dem deutschen Fußballmuseum zur Verfügung stellen. Oder seinem Nachfolger, falls dieser Tipps gegen Darmstadt in der kommenden Zweitligasaison benötigt.

Die Traumrelegation: HSV gegen Hertha, Magath gegen den Klub, den er zum größten Erfolg der Vereinsgeschichte geschossen hat und bei dem er seine Trainerkarriere einst begann. Mehr geht nicht. Am 19. Mai findet das Hinspiel in Berlin statt, am 23. steigt das Rückspiel in Hamburg (jeweils 20.30 Uhr, TV: Sat.1 und Sky). Nach den letzten Spieltagen in Bundesliga und zweiter Liga kann das nur groß werden.