2. Fußball-Bundesliga Ausschreitungen nach Abstiegsgipfel in Rostock

Nach der Niederlage im Kellerduell gegen Ahlen schlug der Frust einiger Rostock-Anhänger in Randale um. Bereits vor zehn Tagen war es in Rostock zu Krawallen gekommen. Für das brisante Auswärtsspiel von Hansa auf St. Pauli prüft die Hamburger Polizei jetzt eine Sonderregelung.
Polizeieinsatz in Rostock: "Kann den Unmut verstehen"

Polizeieinsatz in Rostock: "Kann den Unmut verstehen"

Foto: Matthias Kern/ Bongarts/Getty Images

Hamburg - Den Fans von Hansa Rostock ist nach der 0:1 (0:1)-Niederlage im Zweitliga-Abstiegsgipfel gegen Rot Weiss Ahlen der Kragen geplatzt. Nach der desolaten Vorstellung des FC Hansa hatten gewaltbereite Anhänger zunächst eine Absperrung überwunden und dann versucht, über die VIP-Eingänge in die Arena einzudringen. Dies konnte durch ein großes Aufgebot von Polizisten und Ordnern nur mit Mühe verhindert werden.

Jenseits der Sicherheitsglastüren machten die Anhänger ihrem Ärger angesichts der Abstiegssorgen ihres Clubs mit Sprechchören wie "Vorstand raus" Luft. Sie bewarfen Polizisten und Ordner mit Schneebällen und blockierten die Zufahrt zur Arena. "Ich kann den Unmut verstehen", sagte Manager und Vorstandsmitglied René Rydlewicz über die massiven Proteste. Neben Rydlewicz stellten sich Aufsichtsratsmitglied Torsten Völker und Marketingchef Jörg Hempel der aufgebrachten Menge. Dem Trio gelang es in intensiven Gesprächen, die erhitzten Gemüter nach knapp 90 Minuten abzukühlen.

Nach den 90 blamablen Minuten gegen Schlusslicht Ahlen wollten die Spieler um Kapitän Martin Retov zunächst ohne Dank an die Anhänger für deren Unterstützung in die Kabine flüchten und wurden von Trainer Finck wieder auf den Platz und vor die Tribünen beordert. "Man muss sich auch in solchen Situationen den Fans stellen", erklärte er. Dabei wurde die Mannschaft, die sich in der Fankurve entschuldigen wollte, gnadenlos ausgepfiffen. Rostock ist nach der Niederlage nur noch zwei Punkte vom Relegationsplatz entfernt.

Fataler Polizeieinsatz im brisanten Ostderby

Bereits vor zehn Tagen war es beim Nachholspiel zwischen dem FC Hansa und Union Berlin (0:0) zu Auseinandersetzungen zwischen Fans und der Polizei gekommen. Auslöser war eine Polizeipanne. Rostocker Beamte hatten einige Gästebusse fälschlicherweise in den Bereich des harten Kerns der Hansa-Anhänger eskortiert. Rund 600 Hansa-Anhänger waren daraufhin von der Polizei teilweise äußerst rabiat am Betreten des Stadions gehindert worden. Daraufhin kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen.

Der Rostocker Polizeichef Peter Mainka hatte bei der Auswertung der Situation im Einlassbereich "individuelle Fehlleistungen einzelner Polizisten" eingeräumt. Das Fanverhalten sei nicht der Auslöser für den massiven Polizeieinsatz gewesen, hieß es auf der Rostocker Internetseite. Allerdings kam es auch während und nach dem Spiel noch zu Auseinandersetzungen zwischen den verfeindeten Fangruppen. Während der Partie waren mehrfach Feuerwerkskörper in den Block geflogen.

Auch bei der Abfahrt der Gästefans kam es dann zu Auseinandersetzungen mit der Polizei in Stadionnähe. Dabei hatten einige vermummte Personen Mülltonnen angezündet und Beamte mit Flaschen und Feuerwerkskörpern beworfen. Ein Vordringen zu den Gästefans konnte allerdings verhindert werden. Insgesamt waren 1050 Beamte der Landespolizei und 350 Beamte der Bundespolizei im Einsatz.

Hamburger Polizei will Gästefans aussperren

Ein ähnliches Polizeiaufgebot wäre auch zur Absicherung der brisanten Partie zwischen dem FC St. Pauli und Hansa Rostock am 28. März (13.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) nötig. Doch nach Informationen des "Hamburger Abendblatt" gibt es bei der Hamburger Polizei Bestrebungen, im Zuge der "Gefahrenabwehr", so wenig Gästefans wie möglich in die Hansestadt zu lassen. "Wir prüfen derzeit, ob wir mit einer Verfügung die Anzahl der gegnerischen Fans beschränken können", sagte Polizeisprecher Ralf Meyer auf "Abendblatt"-Anfrage.

Beim FC St. Pauli hatte es zuvor Überlegungen gegeben, gar keine Tickets für den Gästeblock zu verkaufen. Einen entsprechenden Antrag hatte der Club bereits an die DFL geschickt, ihn aber dann wieder zurückgezogen. Zu groß war die Befürchtung, dass die eigenen Fans auf die Barrikaden gehen würden, wenn ihnen künftig bei Auswärtsspielen ebenfalls der Stadionbesuch verwehrt werden würde.

In der Vergangenheit war es immer wieder zu schweren Krawallen rund um die Duelle zwischen St. Pauli und Rostock gekommen. Im März 2009 waren dabei in Hamburg sechs Polizisten verletzt worden, zwei von ihnen schwer. Im November des vergangenen Jahres hatten dann vornehmlich St.-Pauli-Anhänger durch Böllerwürfe im Stadion für Ärger gesorgt. Nach dem Spiel hatten sich dann Hunderte Anhänger des FC Hansa schwere Straßenschlachten mit der Polizei geliefert, die nur mit Mühe, Pfefferspray und Wasserwerfereinsatz ein direktes Aufeinandertreffen der verfeindeten Fangruppen verhindern hatte können.

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.