Aufsteiger Ingolstadt Das mit der Bierdusche klappt schon prima

Der FC Ingolstadt steht als erster Aufsteiger in die Fußball-Bundesliga fest. Das ist vor allem ein Verdienst von Trainer Ralph Hasenhüttl - der die Wechselklamotten extra daheim gelassen hatte. Alles Wichtige zum Spiel.

Trainer Hasenhüttl: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen
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Trainer Hasenhüttl: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen


Die Ausgangslage: Elf Jahre gibt es den FC Ingolstadt erst, trotzdem soll er in der kommenden Saison bei den Großen mitspielen. Dafür braucht die Elf von Trainer Ralph Hasenhüttl im Heimspiel gegen RB Leipzig nur einen Punkt. Selbst eine Niederlage würde reichen, wenn zugleich Darmstadt in Fürth verliert oder Kaiserslautern nicht bei Erzgebirge Aue gewinnt. Die Darmstädter benötigen für das gleiche Ziel einen eigenen Sieg und maximal ein Remis des 1. FCK.

(Sie sind verwirrt von all den Auf- und Abstiegs-Rechenspielen? Wir auch. Eine Übersicht über die Konstellationen der 1. Liga finden Sie hier.)

Das Ergebnis: Der FC Ingolstadt ist durch den 2:1 (1:1)-Sieg gegen Leipzig Meister der 2. Liga - und aus eigener Kraft aufgestiegen. "Eine pure Explosion der Gefühle" sei das, sagte der verletzte Kapitän Marvin Matip. Spannend bis zum letzten Spieltag bleibt es dahinter: Darmstadt verlor 0:1 (0:0) in Fürth, ist mit 56 Punkten aber weiter Tabellenzweiter. Dahinter liegt der Karlsruher SC, der 2:0 (1:0) gegen Braunschweig gewann, punktgleich mit Kaiserslautern (55 Punkte). Lautern schaffte nicht mehr als ein 0:0 in Aue.

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Zweite Bundesliga: Freud und Leid
Die erste Halbzeit: Ging denkbar schlecht los für die Ingolstädter: Nach vier Minuten fingen sie den Gegentreffer durch Dominik Kaiser. Kurze Zeit später hätte im 222 Kilometer entfernten Aue auch der 1. FCK durch einen Elfmeter in Rückstand geraten können, doch Schiedsrichter Peter Sippel besann sich eines Besseren. In Ingolstadt brauchte dessen Kollege Michael Weiner keine zweite Meinung, um einen Strafstoß gegen Leipzigs Anthony Jung zu pfeifen. Mathew Leckie verwandelte: 1:1 (45. Minute +1). Weil Darmstadt in Fürth und Lautern in Aue noch weniger zustande brachten, konnte Ingolstadt trotz seines wenig ansehnlichen Spiels schon als gefühlter Aufsteiger in die Kabine gehen.

Die zweite Halbzeit: Das fühlte sich offenbar so gut an, dass die Hasenhüttl-Elf sich nach Wiederanpfiff ordentlich ins Zeug legte. Beflügelt wurde sie zudem von der Fürther Führung; Marco Stiepermann traf zum 1:0 gegen Darmstadt (61.). Ingolstadt hatte damit schon vier Punkte Vorsprung auf den Verfolger, eine gute Viertelstunde kamen drei weitere dazu: Stefan Lex erhöhte nach Zuspiel von Alfredo Morales auf 2:1 (77.). Das war's, das war in diesem Moment jedem in Ingolstadt klar, selbst Hasenhüttl konnte nicht widerstehen, sich dem Jubel-Rudel anzuschließen. Dass Darmstadts Romain Brégerie in der 83. Minute mit Gelb-Rot vom Platz flog, spielte da schon keine Rolle mehr.

Trainer Hasenhüttl: Darf jetzt mit den Großen spielen
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Trainer Hasenhüttl: Darf jetzt mit den Großen spielen

Gewinner des Tages: Ingolstadts Coach Hasenhüttl, ganz einfach weil es der größte Erfolg in seiner Trainerlaufbahn ist. Der Österreicher kam im Herbst 2013 zu den Bayern, als der Verein kurz davor war, abzusteigen. Hasenhüttel, 47, führte die Mannschaft aus dem Tabellenkeller und an die Spitze der 2. Liga. Von dort ließ er sich seit dem achten Spieltag nicht mehr vertreiben. Hatte aus Aberglaube keine Wechselklamotten mitgenommen, weil er die in der vergangenen Woche in Bochum dabeihatte - Ingolstadt den Matchball aber vergab.

Verlierer des Tages: Darmstadt. Die "Lilien" verspielten mit ihrer Niederlage gegen Fürth nicht nur die Chance zum vorzeitigen Aufstieg. Sie verloren mit Brégerie völlig unnötig auch noch einen wichtigen Abwehrmann für das entscheidende letzte Spiel gegen den FC St. Pauli - der dann alles tun wird, um nicht doch noch abzusteigen.

Comeback des Tages: Khedira. Nein, nicht Sami, der bleibt bei seinem Entschluss, Real Madrid zu verlassen. Aber sein kleiner Bruder Rani, 21, lief nach seiner dreimonatigen Verletzungspause das erste Mal wieder für Leipzig auf. Und stand dem sieben Jahre älteren Sami weder in Pass- noch in Zweikampfstatistiken nach.

RB-Spieler Khedira: Ordentliches Comeback
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RB-Spieler Khedira: Ordentliches Comeback

Vorbilder des Tages: Die Ingolstädter Fans, zumindest laut dem ergriffenen Sky-Kommentator. Denn sie "fluteten" das Stadion nach dem Abpfiff so geordnet, als handele es sich um einen Freiluftgottesdienst. Da hatte man in Duisburg am Vortag anderes gesehen.

Meisterschafts-Erkenntnis: Die Sache mit den Bierduschen können sie in Bayern. Liegt womöglich daran, dass die Gläser dort einfach ein bisschen größer sind. Klar, auf die Bilder vom biernassen Josep Guardiola in der kommenden Woche freuen wir uns schon, aber die Freude in Ingolstadt über die erste Zweitliga-Meisterschaft war auch ziemlich hübsch. Und echt.

insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
franky1313 17.05.2015
1. Immer weiter so...
Fein, demnächst spielen nur noch Zombie-Vereine in der 1. Liga SAP gegen VW gegen Audi gegen Pillen gegen Allianz. Irgend wann auch noch der Brausehersteller...... Erstaunlich nur, dass es offensichtlich möglich ist, dass 2 Mannschaften eines Konzerns in die gleiche Liga dürfen. Bei Vereinen wär das nicht möglich....
Titusmedicus 17.05.2015
2. Zu recht Meister trotz kleinem Budget
Offenbar sind hier wieder zahlreiche Fussballkenner unterwegs... Die Tradition des Ingolstädter Fussballs ist weit länger als die der meisten 1. und 2. Ligavereine. Hervorgegangen ist der FCI insbesondere aus dem ehemaligen Eisbahnersportverein und dem MTV Ingolstadt... Deren Tradition begann 1881. Zudem hat Ingolstadt mit das Kleinstr Budget der 2. Liga... Insofern: Tolle Leistung. Herzlichen Glückwunsch an den Meister der 2.Liga.
Gottloser 17.05.2015
3. Genau?
Zitat von franky1313Fein, demnächst spielen nur noch Zombie-Vereine in der 1. Liga SAP gegen VW gegen Audi gegen Pillen gegen Allianz. Irgend wann auch noch der Brausehersteller...... Erstaunlich nur, dass es offensichtlich möglich ist, dass 2 Mannschaften eines Konzerns in die gleiche Liga dürfen. Bei Vereinen wär das nicht möglich....
Weshalb sind eigentlich die "Traditionsvereine" (Stuttgart, HSV, Köln, Frankfurt, Hertha etc laufend in Abstiegsgefahr? Vermutlich hat man dort die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Stuttgart versuchte mit einer besseren Schülermannschaft zu bestehen. Vielleicht klappt es ja.
muttisbester 17.05.2015
4. na bloß gut!
stellen Sie sich mal vor, RB Leipzig hääte den Aufstieg geschafft! Brause aus Österreich! Skandal! Jetzt halt Audi aus Ingolstadt - die haben es auch viel eher verdient. Dieser 11 Jahre alte Traditionsklub mit den x-millionen eines Deutschen Traditionsautofabrikanten. Oh diese Heuchelei!
austübingen 17.05.2015
5. Blödsinn
Zitat von franky1313Fein, demnächst spielen nur noch Zombie-Vereine in der 1. Liga SAP gegen VW gegen Audi gegen Pillen gegen Allianz. Irgend wann auch noch der Brausehersteller...... Erstaunlich nur, dass es offensichtlich möglich ist, dass 2 Mannschaften eines Konzerns in die gleiche Liga dürfen. Bei Vereinen wär das nicht möglich....
Sie wissen augenscheinlich nicht, wovon sie schreiben. 1. Die quattro GmbH besitzt nicht mal 20 % der Anteile des FCI. 2. SAP hat außer dem Sponsoring wenig mit Hoffenheim zu tun. Das meiste ist eine Privatgeschichte von Hopp, der im übrigen nicht nur seinen Jugendverein unterstützt und der auch nicht mehr aktiv bei SAP ist. 3. Die Vereine in Wolfsburg und Leverkusen entstanden aus Werksvereinen der jeweiligen Unternehmen und waren von Anfang an mit diesen eng verbunden. 4. Einzig RB Leipzig ist ein künstliches Gebilde und auf Gedeih und Verderb von Mateschitz abhängig. Verliert er die Lust ist der Ofen aus. 5. Es gibt in keiner dt. Liga zwei Mannschaften eines Konzern. 6. Auch andere Teams hatten spendable Mäzene, Präsidenten u.ä. (Löring in Köln, Roth in Nürnberg, Mast in Braunschweig uvm). Sie haben augenscheinlich wenig Ahnung dafür umso mehr Vorurteile.
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