24. Bundesliga-Spieltag HSV entweiht Bayerns Arena

Verkehrte Welt in der Allianz Arena: Nicht der FC Bayern, sondern die Gäste vom HSV entschieden einen Fußball-Krimi kurz vor Abpfiff für sich. Verfolger Bremen patzte in Leverkusen. Hertha-Coach Falko Götz steht nach der Niederlage gegen Köln mit dem Rücken zur Wand.


Hamburg - Nach 19 Bundesliga-Heimsiegen in Folge unterlag die Mannschaft von Trainer Felix Magath im Spitzenspiel dem Hamburger SV mit 1:2 (0:1), bleibt aber mit komfortablen acht Zählern Vorsprung auf die nun punktgleichen Verfolger Werder Bremen und HSV auf Kurs zur 20. Meisterschaft. "Mit diesem Sieg haben wir den dritten Platz verteidigt, um die Meisterschaft sollen sich andere Gedanken machen", sagte HSV-Trainer Thomas Doll.

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24. Spieltag: Schneeballett und Ausrutscher

Der HSV indes hat durch seinen ersten Erfolg bei den Bayern seit 24 Jahren im Kampf um die Champions League die Verfolger auf Distanz gehalten. Guy Demel (16.) und Nigel de Jong (89.) erzielten die Tore zum verdienten Auswärtssieg. Der eingewechselte Mehmet Scholl hatte zwischenzeitlich zum 1:1 ausgeglichen (83.).

Die Bayern, die die erste Heimniederlage seit dem 16. Oktober 2004 kassierten, müssen sich am Mittwoch beim AC Mailand gewaltig steigern, wenn sie nach dem 1:1 im Hinspiel noch das Viertelfinale der Königsklasse erreichen wollen. "In der zweiten Halbzeit haben wir viel Druck gemacht und ein gutes Spiel gezeigt. Doch nach dem Ausgleich fehlte uns die Coolness, das Ergebnis zu akzeptieren. Von der Konzentration her werden wir in Mailand ganz anders spielen", kündigte Magath an. Dabei wird der Coach auf Ali Karimi verzichten müssen. Der zur zweiten Spielhälfte eingewechselte Mittelfeldakteur zog sich einen Riss des Syndesmosebandes am rechten Fuß zu.

Bayern-Jäger Werder Bremen hat im Kampf um den Titel und einen Champions-League-Platz zwei wichtige Punkte verloren. Vier Tage vor dem Achtelfinal-Rückspiel in der Königsklasse bei Juventus Turin kam die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf bei Bayer Leverkusen nur zu einem 1:1 (1:1). Dabei ging Werder schon nach drei Minuten durch einen Foulelfmeter von Torsten Frings in Führung, nachdem Juan Miroslav Klose im Strafraum zu Fall gebracht hatte. Vor 22.500 Zuschauern in der ausverkauften BayArena erzielte der Bulgare Dimitar Berbatow in der 41. Minute nach einem Traumpass von Tranquillo Barnetta den Ausgleich für Bayer.

Mirko Slomka hat seine Erfolgsserie als Cheftrainer des FC Schalke 04 auch bei seinem Ex-Verein Hannover 96 fortgesetzt. Die nun seit neun Pflichtspielen ungeschlagenen Gelsenkirchener gewannen bei den Niedersachsen 2:1 (2:0) und unterstrichen damit ihre Ambitionen auf einen Platz in der Champions League. Christian Poulsen brachte die Gäste nach 20 Minuten in Führung. Zlatan Bajramovic baute den Vorsprung noch vor der Pause aus (28.). Nach einem Handspiel sah Poulsen in der 73. Minute Gelb-Rot, mit dem fälligen Elfmeter scheiterte Thomas Brdaric zunächst an Schalke-Torwart Frank Rost, doch Thomas Christiansen traf im Nachschuss (74.).

Hertha-Trainer Götz vor dem Rauswurf

Hertha BSC Berlin ist dagegen von den internationalen Plätzen weit entfernt. Die Hauptstädter verloren ihr Heimspiel gegen Schlusslicht 1. FC Köln mit 2:4 (0:0) und blieben im 13. Pflíchtspiel in Folge ohne Sieg. Damit dürfte die vorzeitige Trennung von Trainer Falko Götz kaum noch zu verhindern sein.

Der Trainer der Berliner sieht das anders. "Ich glaube nicht, dass das ein Schicksalspiel für mich war", so Götz. Zur Partie konnte er nicht viel sagen: "Mir fehlen die Worte. Das war unfassbar, was da auf dem Platz abgegangen ist. Im Augenblick bin ich ziemlich sprachlos." Die Tore für die Kölner erzielten Nationalstürmer Lukas Podolski mit seinen Saisontreffern sechs und sieben (53./75.) sowie Marco Streller (54.) und Matthias Scherz (87.). Marko Pantelic hatte mit seinem fünften und sechsten Saisontreffer (56./83.) zweimal verkürzt.

Manager Dieter Hoeneß ließ entgegen sonstiger Gewohnheiten die Journalisten nach dem Abpfiff stehen und ergriff die Flucht. Die vielen Plakate im Stadion, die speziell seinen Rauswurf forderten, hatten dem mächtigen Hertha-Boss zugesetzt. Mehr und mehr wird auch der 53-Jährige für die Misere verantwortlich gemacht. Wegen der schlechten Leistungen in den vergangenen Monaten waren viele Berliner Fans erst mit 15-minütiger Verspätung ins Stadion gekommen. Nach dem Spiel versuchten einige Anhänger, die Katakomben zu stürmen.

Auch für Borussia Dortmund sind die Uefa-Cup-Plätze in weite Ferne gerückt. Wieder einmal verschenkten die Westfalen durch das 1:1 (1:0) gegen den FSV Mainz 05 wichtige Heimpunkte und blieben auch das vierte Spiel in Folge ohne Sieg. Ausgerechnet der von Bundestrainer Jürgen Klinsmann ausgebootete Abwehrspieler Christian Wörns beendete nach exakt fünf Stunden mit seinem zweiten Saisontreffer (27.) die Dortmunder Torflaute.

Die Mainzer kamen durch Michael Thurk (53.) zum Ausgleich, bevor Zidan fünf Minuten später einen Foulelfmeter an den Pfosten schoss und die Chance zum Führungstreffer der Gäste leichtfertig vergab. Dortmunds Junioren-Nationalspieler Markus Brzenska hatte zuvor Thurk im Strafraum zu Fall gebracht.

Treffsicherer zeigte sich Robert Vittek, der dem 1. FC Nürnberg im Kellerduell gegen den MSV Duisburg einen wichtigen Sieg nahezu im Alleingang bescherte. Der "Club" gewann gegen das Team von Trainer Jürgen Kohler verdient mit 3:0 (2:0) und konnte sich damit drei Punkte von den Abstiegsrängen absetzen.

In der 18. Minute erzielte Vittek bedient von Iwan Sajenko das 1:0. Duisburgs Torhüter Georg Koch war beim Flachschuss des slowakischen Nationalspielers nach schöner Vorarbeit aus zwölf Metern Entfernung machtlos. Auch in der 15. Minute war Koch ohne Chance, als erneut Vittek nach Vorlage von Sajenko aus kurzer Distanz zum 2:0 traf. In der 86. Minute stellte Vittek den Endstand her. Neben dem Spiel verloren die Gäste in der 82. Minute den rumänischen Nationalspieler Mihai Tararache, der wegen wiederholten Foulspiels Gelb-Rot sah.

Die Partie zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und VfB Stuttgart, die wegen verschneiter Anreisewege am Freitag abgesagt worden war, ist nun für den kommenden Dienstag (18 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) neu angesetzt worden.

mig/sid/dpa

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