3:1 gegen Manchester City Trochowskis Gala zum Verlieben

Zwei Tore vorbereitet, eins geschossen: Beim 3:1-Sieg gegen Manchester City begeisterte HSV-Mittelfeldspieler Piotr Trochowski mit genialen Aktionen. Einen Wermutstropfen hatte das Viertelfinalhinspiel der Hamburger im Uefa Cup dennoch.


Er hatte ein gutes, sogar ein sehr gutes Spiel gemacht, das vorentscheidende Tor zum 2:1 selbst erzielt, den 3:1-Schlusspunkt vorbereitet und 90 Minuten lang den HSV angetrieben. Kein Wunder, dass Piotr Trochowski nach dem Schlusspfiff bei den Journalisten der begehrteste Gesprächspartner war, nicht zum ersten Mal in dieser Saison, die für den Nationalspieler bislang so gut läuft. "Ich freue mich für die ganze Mannschaft", sagte der kleine Mittelfeldmann, "nach dem 0:1 kam Manchester gut ins Spiel, und wir mussten wachgerüttelt werden. Die Tore haben wir zum richtigen Zeitpunkt gemacht."

Bis zu der Partie gegen Manchester City ist es allerdings noch nicht passiert, dass kurz nach den Interviews ein adrett gekleideter junger Mann mit Sakko und Lackschuhen Trochowski anstupst, sich angeregt mit ihm unterhält und nach einer herzlichen Umarmung mit dessen durchschwitztem Trikot ("Ein Geschenk für jemanden") von dannen zieht. Aber Willy Sagnol ist auch nicht eben ein Stammgast im Hamburger Stadion.

Sagnol, der im Februar aufgrund einer hartnäckigen Achillessehnenverletzung seine Karriere beenden musste, spielte von 2002 bis 2005 zusammen mit Trochowski beim FC Bayern München und stand am Donnerstagabend beim französischen Pay-TV-Sender Canal Plus als Bundesliga-erfahrener Co-Moderator in der Pflicht. In Frankreich interessiert man sich derzeit eben mehr als sonst für den laufenden Uefa Cup, weil mit Olympique Marseille der renommierteste Club des Landes noch im Wettbewerb ist.

Zeitgleich zu Marseilles 0:2-Niederlage bei Schachtjor Donezkspielte der HSV, als wolle er schon im Viertelfinale nachweisen, dass er auch den Finalsieg verdient hätte. Dabei hatte das Spiel denkbar schlecht angefangen. Nach gerade einmal 36 Sekunden stand es 1:0 für den Gast: Nach Vorarbeit von Robinho traf Stephen Ireland. Manch ein Stadionbesucher erinnerte sich plötzlich an den Vorabend, als sich ein träger FC Bayern gegen einen übermächtigen Gegner blamierte. Ob das nun auch dem HSV passieren würde? Trainer Martin Jol beschlichen jedenfalls kurzzeitig Zweifel, wie er nach dem Spiel bekannte: "Ich dachte plötzlich: Vielleicht sind die ja wirklich so gut, dann wird es schwierig."

Die Befürchtungen waren unbegründet, denn fortan spielte fast nur noch der HSV, der die ganze Partie über ein hohes Tempo ging, sich ein Eckenverhältnis von 18:3 erspielte und dreimal häufiger aufs Tor (12:4) schoss als der Gegner, der dennoch mit der Offensive noch seinen besten Mannschaftsteil hatte. Und das trotz eines Weltstars außer Diensten: Robinho, der zu Saisonbeginn für geschätzte 40 Millionen Euro von Real Madrid zu den von einem Investor aus Abu Dhabi alimentierten Nordengländern gewechselt war, fiel durch die Torvorlage zum 0:1 und eine Schwalbe (73.) auf. Ansonsten flanierte Robinho gemächlich auf dem linken Flügel, während das Spiel munter hin- und herwogte.

Zielstrebiger und energischer agierte dabei allerdings der HSV, der bereits in der 9. Spielminute durch den niederländischen Abwehrspieler Joris Mathijsen ausglich und danach weiter aufs Tempo drückte. "Wir hatten nach Joris' Tor eine Chance nach der anderen, wir haben das ein oder andere Tor zu wenig gemacht", ärgerte sich Linksverteidiger Marcell Jansen.

Uefa Cup
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Auf nach Istanbul: Am 20. Mai 2009 wird in der größten türkischen Stadt das Finale des Uefa Cups angepfiffen. Den Sieger ermitteln der ukrainische Club Donezk und Werder Bremen, das sich im Halbfinale gegen den HSV durchgesetzt hat. Titelverteidiger Zenit St. Petersburg war im Achtelfinale ausgeschieden.
Drei Hamburger Tore konnten die 50.500 Zuschauer nach dem von Trochowski verwandelten Handelfmeter (63.) und dem 3:1 durch Paolo Guerrero (79.) dann allerdings doch feiern. Und von Jansen über Dennis Aogo ("Wenn es ein Problem gab, dann war es die Chancenverwertung") bis zu Trainer Jol ("Ich hätte gerne noch ein viertes Tor gehabt") fand jeder HSV-Repräsentant, dass es nichts geschadet hätte, wenn Manchesters Keeper Shay Given an diesem Abend einen schlechteren Tag erwischt hätte.

So aber darf sich Gästetrainer Mark Hughes noch Hoffnungen auf das Rückspiel in der kommenden Woche machen. "Wir sind mit Sicherheit noch nicht ausgeschieden und haben gezeigt, dass wir dem HSV in der Abwehr Probleme bereiten können", sagte der ehemalige Bayern-Stürmer, "dieses Duell ist noch nicht vorbei."

Das fürchtet auch Jansen, der die schlechte Chancenverwertung seines Teams nach reiflicher Überlegung als besonders raffinierte taktische Maßnahme fürs Rückspiel verkaufen wollte. "Wenn wir das ein oder andere Tor mehr erzielt hätten, wären wir vielleicht zu selbstsicher nach Manchester gefahren. Das wird uns so nicht passieren."

Hamburger SV - Manchester City 3:1 (1:1)
0:1 Ireland (1.)
1:1 Mathijsen (9.)
2:1 Trochowski (63./Handelfmeter)
3:1 Guerrero (79.)
HSV: Rost - Benjamin, Gravgaard, Mathijsen, Aogo - Jarolim - Pitroipa, Trochowski, Jansen - Petric, Olic (71. Guerrero) - Trainer: Jol
ManCity: Given - Richards, Dunne, Onuoha, Bridge (46. Garrido) - Wright-Phillips (85. Fernandes), Zabaleta, Ireland - Sturridge (63. Mwaruwari), Bellamy, Robinho - Trainer: Hughes
Schiedsrichter: Benquerenca (Portugal)
Zuschauer: 50.500 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Trochowski, Pitroipa / Given, Bellamy



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