Bremer Pleite gegen Wolfsburg Im Rausch der Niederlage

Die Fans feierten, die Profis waren stolz: Trotz des 3:5 gegen Wolfsburg herrscht in Bremen Euphorie. Doch der Fünf-Minuten-K.o. gegen den VfL offenbarte, wie viel Werder zum Spitzenteam fehlt.
Werder-Star Junuzovic (r.): "Mit breiter Brust vom Platz gehen"

Werder-Star Junuzovic (r.): "Mit breiter Brust vom Platz gehen"

Foto: PATRIK STOLLARZ/ AFP

Als die letzten Sekunden der wilden Bundesliga-Begegnung zwischen Werder Bremen und dem VfL Wolfsburg liefen, erhoben sich die Zuschauer im Weserstadion von ihren Plätzen. Sie klatschten im Takt und riefen den Namen ihrer Mannschaft, als steuerten die Bremer die Champions League an wie in den guten alten Zeiten unter Trainer Thomas Schaaf. Und als Schiedsrichter Marco Fritz das Spiel beendete, gab es noch einmal anhaltenden Applaus für Werders Fußballer.

Für die Verlierer-Elf.

3:5 (3:2) war die Partie aus Bremer Sicht zu Ende gegangen. Es war die erste Niederlage nach zuletzt fünf Siegen und dem Unentschieden auf Schalke. Doch für Werders Fans und für die Protagonisten überwog der Stolz darüber, gegen den Tabellenzweiten dreimal in Führung gegangen zu sein und den mit VW-Millionen aufgepumpten Wolfsburgern eine ziemlich unangenehme Dienstreise beschert zu haben, zumindest phasenweise. "Wir nehmen das Positive mit. Wir sind gefestigt und haben gegen eine echte Spitzenmannschaft verloren", sagte Mittelfeldspieler Felix Kroos.

Fünf Minuten ließen das Spiel kippen

Sein Kollege Zlatko Junuzovic bescheinigte Werder trotz der Niederlage "einen positiven Trend". Er machte die Entwicklung daran fest, dass sich Niederlagen nicht mehr wie Katastrophen anfühlen wie noch in der Hinrunde, als die Bremer anscheinend zielsicher der zweiten Liga entgegensteuerten: "Wir verlieren so, dass wir mit breiter Brust vom Platz gehen können", sagte Junuzovic, und dabei tänzelte er von einem Bein auf das andere. Er machte tatsächlich einen ziemlich heiteren Eindruck dafür, dass seine Mannschaft in einem Spiel fast genau so viele Tore kassiert hatte wie in allen vorherigen Rückrundenpartien zusammen.

Fünf Minuten waren es, die das Spiel zu Beginn der zweiten Hälfte zu Gunsten der Wolfsburger kippen ließen. In denen die Wolfsburger im Schnelldurchlauf vorführten, warum sie den Einzug in die Champions League einplanen können. Und in denen Werder zeigte, dass die Mannschaft trotz der positiven Tendenz unter Trainer Viktor Skripnik noch weit davon entfernt ist, um den Europapokal-Einzug mitzuspielen.

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Wolfsburgs Sieg in Bremen: Achtung, Gefahr!

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Bas Dost mit seinen Saisontoren 12 und 13 jeweils nach Vorarbeit von Kevin de Bruyne, und Daniel Caligiuri mit seinem zweiten Treffer der Partie stellten den Spielstand von 3:2 auf 3:5 aus Bremer Sicht. "Vielleicht waren wir einen Tick zu euphorisch, einen Tick zu naiv", sagte Sportchef Thomas Eichin über die entscheidenden Minuten nach dem Seitenwechsel. Junuzovic klagte, dass es die Bremer dem VfL zu einfach gemacht hätten: "Wir müssen uns an die eigene Nase fassen. Trotzdem ist jetzt nicht alles schlecht."

Aber auch längst nicht alles gut. Denn während die Bremer in der ersten Halbzeit zügig nach vorne spielten und zu hübsch herauskombinierten Treffern durch Junuzovic, Franco di Santo und einem Eigentor von Vieirinha kamen, herrschten in Werders Defensive in den entscheidenden Situationen Chaos und Hilflosigkeit. Torwart Raphael Wolf machte bei den ersten beiden Wolfsburger Toren durch Caligiuri und Maximilian Arnold eine schlechte Figur, nachdem er schon am Wochenende zuvor auf Schalke gepatzt hatte.

"Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen"

Die Innenverteidiger Sebastian Prödl und Jannik Vestergaard ließen sich mehrfach übertölpeln und konnten der Klasse von de Bruyne, Dost und dem in der Schlussphase eingewechselten André Schürrle wenig entgegensetzen. Und auf der linken Abwehrseite zeigte der junge Janek Sternberg, dass er noch das eine oder andere Bundesliga-Spiel absolvieren muss, um auf Spitzenniveau mitzuhalten.

Trainer Skripnik sah davon ab, sein Team für den Fünf-Minuten-K.o. zu tadeln. "Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen", sagte Skripnik. Wir gewinnen zusammen, wir verlieren zusammen - das ist sein Motto, auch wenn er den 23. Spieltag lieber mit einem Sieg beschlossen hätte angesichts der guten ersten Hälfte gegen Wolfsburg. "Dass wir uns nach einer Niederlage gegen eine Spitzenmannschaft ärgern, zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind", sagte der Trainer.

In den kommenden Spielen wird sich Werder allerdings nicht damit zufrieden geben, den Gegner bloß ein bisschen zu ärgern. Am Mittwoch steht das Achtelfinale im DFB-Pokal beim Drittligisten Arminia Bielefeld im Kalender (19 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), danach geht es in der Bundesliga zum SC Freiburg. Dann wird sich zeigen, wie stabil Werders Aufwärtstrend ist.

Zusammengefasst: Werder Bremen hat nach sechs Spielen mal wieder verloren, wird aber dennoch von seinen Fans gefeiert. Wolfsburg hat mit seinen drei Toren seine Offensivstärke bewiesen und Werders Defensivschwächen aufgezeigt. Bremen ist Neunter, Wolfsburg Zweiter.

Werder Bremen - VfL Wolfsburg 3:5 (3:2)
1:0 Junuzovic (9.)
1:1 Caligiuri (10.)
2:1 Di Santo (16.)
2:2 Arnold (18.)
3:2 Vieirinha (28., Eigentor)
3:3 Dost (48.)
3:4 Dost (51.)
3:5 Caligiuri (53.)
Bremen: Wolf - Gebre Selassie, Prödl, Vestergaard, Sternberg (86. Garcia) - Felix Kroos (81. Makiadi) - Fritz (77. Eggestein), Junuzovic - Öztunali - Di Santo, Selke.
Wolfsburg: Benaglio - Vieirinha (76. Sebastian Jung), Naldo, Klose, Marcel Schäfer - Guilavogui (64. Schürrle), Luiz Gustavo - De Bruyne, Arnold, Daniel Caligiuri - Dost (89. Bendtner).
Schiedsrichter: Fritz (Korb)
Zuschauer: 40.126
Gelbe Karten: Kroos (4), Vestergaard - Guilavogui (4)

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