3. Fußball-Liga Mit politischer Hilfe zum Klassenerhalt?

In der 3. Liga nimmt der Streit über den Spielbetrieb kein Ende. Hansa Rostock fürchtet eine politische Einflussnahme zugunsten der Abbruchbefürworter - bietet der Konkurrenz aber auch Hilfe an.
Halle trainiert inzwischen in Kleingruppen - unter Beachtung des Mindestabstands

Halle trainiert inzwischen in Kleingruppen - unter Beachtung des Mindestabstands

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Holger John/ imago images/VIADATA

Die Fortsetzung der 3. Liga sorgt weiterhin für Unmut bei den Vereinen. An diesem Montag will der Deutsche Fußball-Bund (DFB) klären, ob der Spielbetrieb am 26. Mai wieder startet. Zwischen den Klubs spalten sich die Meinungen trotz einer knappen Mehrheit für den Fortgang - entlang der Tabellenregionen in Abbruch- und Spielbefürworter. Nicht bei allen ist klar, wo sportliche und wo wirtschaftliche Motive leiten, was hinter den jeweiligen Argumenten steckt.

Die Kritiker waren nur lauter - doch inzwischen meldet sich auch die Gegenseite mit deutlichen Worten. Hansa Rostock etwa.

Der Tabellenachte steht drei Punkte hinter den Aufstiegsplätzen, hat für eine Fortsetzung gestimmt. Vorstand Robert Marien sagt dem SPIEGEL: "Es ist schade, wenn sich nun diese Blockadehaltung durchsetzt. Dann könnten wir das jetzt jedes Jahr so machen. Wenn einer keine Lust mehr hat oder nicht absteigen will, stellt er halt das Spiel ein."

Gemeint sind wohl vor allem die Abbruchbefürworter aus Thüringen und Sachsen-Anhalt: Halle, Magdeburg und Jena, allesamt abstiegsgefährdet. In jenen Bundesländern ohne Bundesligisten hatten die Regierungen die Absage für den Wettkampfbetrieb zuletzt bis Ende Mai verlängert. Das weckte andernorts Argwohn. Mit einem erzwungenen Ligaabbruch gäbe es wohl keine sportlichen Absteiger. Ein Verbot der Politik könnte - so die Mutmaßung - zur Rettung der regionalen Klubs führen.

"In Sachsen-Anhalt darf der Breitensport wieder ins Training, aber Profisport wird ausgeklammert. Warum hier unterschieden wird, ist für mich schon mit einem Fragezeichen versehen", sagt Marien. In Halle und Jena sperrten dazu kommunale Behörden die Spielstätten. Die Infrastruktur würde den Infektionsschutz nicht hergeben, hieß es.

Innenminister Stahlknecht: "Vorwurf völlig haltlos"

In Rostock erkennt man das als Herausforderung an - nicht aber als Grund für Verweigerung. Immerhin hätte sich die Mehrheit der Liga, die wegen der Coronakrise seit März pausiert, auf eine Fortführung verständigt. "Es haben alle Vereine einen Zulassungsvertrag unterschrieben", sagt Marien. "Damit dürfen sie am Wettbewerb teilnehmen – sie verpflichten sich aber auch dazu. Diese Pflichten werden nun politisch ausgehebelt."

Mit politischer Hilfe zum Klassenverbleib? "Der Vorwurf der politischen Einflussnahme wird als völlig haltlos zurückgewiesen", sagt Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht auf Anfrage des SPIEGEL. Und der Regierungssprecher ergänzt: "Wir beteiligen uns nicht an der Diskussion, ob die Liga spielt oder nicht. Es gibt auch keinen Schulterschluss mit den Vereinen."

Was den Wettkampfbetrieb in Sachsen-Anhalt angeht, ist das letzte Wort demnach noch nicht gesprochen. Am Dienstag soll es für das Bundesland eine neue Verordnung geben. "Dann entscheidet das Kabinett über weitere Lockerungen", sagt der Regierungssprecher. "Die jetzige Verordnung und das Datum des 27. würden dann gegebenenfalls überholt werden."

So könnten Halle und Magdeburg womöglich doch schon vorher am vollen Trainings- und Spielbetrieb teilnehmen - wenn die entsprechenden Spielstätten durch die Behörden vor Ort freigegeben werden.

In Halle hatte Oberbürgermeister Bernd Wiegand das Stadion nach einer gemeinsamen Begehung mit Vertretern des Gesundheitsamts für nicht konform befunden. Eine ähnlich lautende Absage kassierte auch der FC Carl Zeiss Jena in Thüringen, und auch in Münster und Zwickau gab es wegen der Hygieneregeln Bedenken.

Damit blieben den Vereinen zwei Möglichkeiten: eine infektionsschutzkonforme Aufrüstung mit entsprechender Infrastruktur - oder ein Umzug in ein größeres Stadion in der Umgebung.

Spielen müssten die Vereine wohl, selbst wenn sie nicht wollen. DFB-Vizepräsident Erwin Bugar sagte dem MDR , dass, "wenn jemand von den Vereinen nicht spielen will – das mit rechtlichen Konsequenzen geahndet werden könnte." Man werde "auf jeden Fall spielen."

Beim DFB-Bundestag am 25. Mai will der Verband nun offenbar einen Antrag einbringen, dass Spiele auch in neutralen Stadien ausgetragen werden könnten, wenn die jeweilige Heimstätte einzelner Klubs nicht zur Verfügung steht. Ein entsprechender Beschluss käme gerade noch rechtzeitig: Einen Tag später soll gespielt werden. Die Saison müsste dann bis Ende Juni mit englischen Wochen durchgezogen werden. Elf Partien stehen pro Klub noch aus.

Hansa Rostock: "Geisterspiele sind die beste der schlechten Lösungen"

Unter diesen Vorzeichen haben inzwischen auch Halle und Zwickau am Sonntag den Trainingsbetrieb aufgenommen. "Der DFB hat sehr deutlich gemacht, dass er die Saison unter allen Umständen zeitnah fortführen will", sagte HFC-Präsident Jens Rauschenbach.  "Von daher sehen wir uns gezwungen, ins Kleingruppentraining einzusteigen, um den Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Klubs nicht noch größer werden zu lassen". Andere Vereine wie Rostock sind schon seit drei Wochen im Training. Zuletzt hatte sich Halle trotz Erlaubnis gescheut. Fürs Training musste Rauschenbach die Spieler aus der Kurzarbeit holen.

In Rostock können sie die Blockadehaltung trotzdem nur bedingt nachvollziehen. Hansa-Vorstand Marien würde der Konkurrenz in Sachen Infrastruktur Hilfe anbieten, sagt er. "Wir teilen gern unser Know-how, was den Aufbau von Containern angeht. Wir haben da aus dem Nachwuchs Erfahrung. Die sind nicht so teuer wie zuletzt dargestellt." Ein Containerdorf mit Umkleiden und Duschen für die Spieler hatte man in Halle zuletzt mit 800.000 Euro beziffert. Für den Verein wäre das bei zugleich ausbleibenden Einnahmen kaum zu stemmen, hieß es.

Mangelnde Wirtschaftlichkeit war das Hauptargument der Saisonabbruchbefürworter. Sie warnten vor Insolvenzen. Zu abhängig seien die Vereine von den Zuschauern. "Es ist richtig, dass Geisterspiele nicht wirtschaftlich sind. Da sind sich alle Vereine einig", sagt Vorstand Marien. Aber: "Geisterspiele sind die beste der schlechten Lösungen. Der Abbruch ist nur noch schlimmer. Hinter dieser Tür warten nur noch schlimmere Gespenster, vor allem im rechtlichen Bereich." Die Klubs und der DFB befürchten Rückforderungen von Rechteinhabern und Sponsoren, wenn Vertragsleistungen nicht erbracht werden können. Marien fürchtet einen langfristigen Schaden für die Liga. Es gibt noch viel Redebedarf.

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