Dritte Fußballliga Mehrheit der Vereine votiert für Saisonfortsetzung

Zehn Vereine wollen weiterspielen, acht aber nicht: Die dritte Liga soll fortgesetzt werden. Doch das knappe Mehrheitsbild zeigt, dass die Interessen der Klubs weit auseinander gehen.
Anfang März fand Fußball noch statt: Hier ist Uerdingens Jan Kirchhoff gegen Gerrit Wegkamp vom FSV Zwickau im Einsatz

Anfang März fand Fußball noch statt: Hier ist Uerdingens Jan Kirchhoff gegen Gerrit Wegkamp vom FSV Zwickau im Einsatz

Foto: imago images/MaBoSport

Die Vereine der dritten Fußballliga haben sich auf eine Fortsetzung der wegen der Corona-Pandemie unterbrochenen Saison verständigt. Während einer Videokonferenz stimmten zehn Vereine dafür und acht dagegen, zwei Klubs enthielten sich.

Die Spielzeit 2019/2020 war Mitte März wegen der Ausbreitung von Sars-CoV-2 unterbrochen worden. Die Vereine haben jeweils 27 von 38 Spielen absolviert. Voraussetzung für eine Fortsetzung der Saison ist aber die Genehmigung der Behörden - und ein Beschluss des DFB-Vorstands oder DFB-Präsidiums. Das Meinungsbild der Klubs selbst ist noch keine bindende Entscheidung. Der DFB kündigte aber an, auf Grundlage der Abstimmung weiter vorzugehen.

"Wir haben einen intensiven Diskussionsprozess in den vergangenen Tagen und Wochen hinter uns, in dessen Verlauf leider an einigen Stellen der angemessene Ton verloren gegangen ist", sagte Tom Eilers, Vorsitzender des Ausschusses dritten Liga, nach der Entscheidung. Er hätte nun die Erwartungshaltung, dass "wieder mehr Sachlichkeit, Ehrlichkeit und Ruhe im Sinne der gemeinsamen Sache einkehrt - nämlich die dritte Liga in ihrer Struktur als Profiliga zu erhalten und ihre Zukunft zu sichern."

In der dritten Liga hatte es zuletzt eine öffentliche Auseinandersetzung über die Fortführung der Saison gegeben. Der Großteil der Vereine hatte sich deutlich dafür oder dagegen ausgesprochen. Der DFB wollte stets weiterspielen lassen. In der Videokonferenz verwies er unter anderen auf Haftungs- und Schadensersatzansprüche, die Drittparteien bei einem freiwilligen Saisonabbruch gegenüber dem DFB geltend machen könnten.

Sieben Vereine plädierten zuletzt gemeinsam für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs ohne Zuschauer. Acht andere Klubs hatten in einem gemeinsamen Positionspapier den Saisonabbruch gefordert. Die Beendigung der Saison mit Geisterspielen würde demnach viele Vereine in finanzielle Schieflage und einige direkt in die Insolvenz führen. Einige Klubs der Liga haben für ihre Angestellten bereits Kurzarbeit beantragt.

Die Abbruchbefürworter stehen in der Tabelle vor allem auf den Abstiegsplätzen, sie könnten bei einem vorzeitigen Saisonende dennoch in der Liga verbleiben - oder wie Waldhof Mannheim direkt aufsteigen. Die Vereine, die weiterspielen wollen, hoffen dagegen noch auf den Aufstieg.

Die Klubs würden also jeweils sportlich profitieren – und damit auch wirtschaftlich. Die dritte Liga ist seit ihrer Einführung für die meisten Vereine ein Minusgeschäft. Als Gründe gelten neben hohen Ausgaben für Personal und Stadien oft auch die geringen Einnahmen. Beim Aufstiegsfall warten in der zweiten Liga unter anderen deutlich höhere TV-Gelder.

Um die Auswirkungen der Coronakrise abzufedern, hatte die Deutsche Fußball Liga (DFL) vergangene Woche einen Solidarfonds geöffnet. Aus dem Topf der vier deutschen Champions-League-Vereine erhält jeder Drittligaklub 300.000 Euro - mit Ausnahme der zweiten Mannschaft von Bayern München. Die Gelder sollten demnach vor allem helfen, Kosten für Organisation und Coronatests bei einer Fortsetzung der Saison zu decken.

ara/jan
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