3. Liga Nach Rassismus-Vorfall – abgebrochene Fußballpartie wird wiederholt

Erstmals wurde ein Profifußballspiel in Deutschland wegen einer rassistischen Beleidigung abgebrochen. Nun sagte der DFB: Das Signal gegen Rassismus war rechtens. Doch das Urteil versah er mit einem Aber.
Der betroffene Spieler: Osnabrücks Aaron Opoku

Der betroffene Spieler: Osnabrücks Aaron Opoku

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osnapix / Titgemeyer / imago images/osnapix

Das abgebrochene Fußballspiel in der 3. Liga zwischen dem MSV Duisburg und dem VfL Osnabrück wird wiederholt. Das ordnete das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) an. Ein Nachholtermin wurde vorerst nicht angesetzt.

Die Partie vom 19. Dezember in Duisburg wurde zum Präzedenzfall. Erstmals war ein Profifußballspiel in Deutschland abgebrochen worden, nachdem ein Spieler rassistisch beleidigt worden war.

Der Betroffene war Osnabrücks Stürmer Aaron Opoku, der kurz zuvor über das Duisburger Tor geschossen hatte. Es folgte die Beleidigung von den Rängen, daraufhin unterbrach Schiedsrichter Nicolas Winter beim Stande von 0:0 die Begegnung.

Während die Fans im Stadion auf die Fortsetzung der Partie warteten, skandierten beide Lager den Vereinen zufolge »Nazis raus«, die Arena-Regie spielte »Schrei nach Liebe« von der Band Die Ärzte. Rund 30 Minuten nach der Unterbrechung wurde verkündet, dass die Partie nicht wieder angepfiffen wird. Der VfL sah sich nach kurzer Bedenkzeit nicht in der Lage weiterzuspielen, heißt es dazu in der DFB-Mitteilung.

»Die Partie ist vollkommen zu Recht unterbrochen worden. Der sogenannte Fan ist identifiziert worden und wird jetzt rausgebracht«, wurde MSV-Sprecher Martin Haltermann nach der Partie auf Twitter zitiert. Die Wiederholung entspreche den Anträgen der beteiligten Vereine, so der DFB. Auch der DFB-Kontrollausschuss habe sich für eine Wiederholung ausgesprochen.

Ob der gastgebende MSV Duisburg wegen der rassistischen Beleidigungen noch sanktioniert wird, will das DFB-Sportgericht zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden. Die Duisburger Polizei hatte am Sonntag Anzeige gegen einen tatverdächtigen 55-Jährigen erstattet, der ihren Angaben zufolge ebenso wie Zeugen noch am Sonntag befragt wurde.

»Die Intention hat unsere ausdrückliche Unterstützung«

Es handele sich um einen »nicht normierten Sonderfall, der ungeachtet eines etwaigen Verschuldens der beteiligten Vereine nach Ansicht des Sportgerichts eine Spielwiederholung rechtfertigt«, so die Begründung von Stephan Oberholz, dem stellvertretenden Vorsitzenden des DFB-Sportgerichts.

»Emotional und moralisch halten wir die Entscheidung des VfL Osnabrück, das Spiel nicht fortzusetzen, für nachvollziehbar. Auch hat die Intention, ein Zeichen gegen Rassismus setzen zu wollen, unsere ausdrückliche Unterstützung«, sagte Oberholz. Und weiter: »Allerdings muss klar bleiben, dass das Recht zum Spielabbruch grundsätzlich allein dem Schiedsrichter zusteht. Wir weisen zudem ausdrücklich darauf hin, dass in künftigen, vergleichbaren Fällen eines Spielabbruches in Bezug auf die Spielwertung immer auch Tatintensität, Täterprofil, Zeitpunkt und Spielstand näher in den Blick genommen werden müssen.«

Beide Vereine begrüßten die Entscheidung mit einer gemeinsamen Mitteilung. »Wir hoffen aber auch, dass so ein Spielabbruch einmalig bleibt«, sagte Duisburgs Präsident Ingo Wald. VfL-Präsident Holger Elixmann sagte, beide Vereine hätten »durch ihr Verhalten ein klares Zeichen gegen Rassismus und für Menschlichkeit gesetzt, der DFB hat sich im Sinne des Fußballs durch das Urteil daran angeschlossen«.

mon/dpa