Fortsetzung der 3. Liga Fehler im System

Nach Wochen des Streits soll die 3. Liga nun weiterspielen. Die Pandemie aber hat die strukturellen Schwächen der Liga deutlicher hervorgehoben. Jetzt steht sie vor einer ungewissen Zukunft.
Beim außerordentlichen Bundestag des DFB wurde die Fortsetzung der 3. Liga beschlossen

Beim außerordentlichen Bundestag des DFB wurde die Fortsetzung der 3. Liga beschlossen

Foto: Handout/ Getty Images

Der Antrag auf den Abbruch der aktuellen Spielzeit kam überhaupt nicht zur Abstimmung. Mit 220 von 250 abgegebenen Stimmen votierten die Delegierten des Bundestags des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für eine Fortsetzung der 3. Liga. Nach Wochen der Auseinandersetzung neben dem Platz in allerlei Fernduellen soll also ab dem Wochenende wieder Fußball gespielt werden. Seit Mitte März war die Saison wegen der Corona-Pandemie unterbrochen.

"Es sollte jedem einleuchten", sagte DFB-Vizepräsident Rainer Koch, "dass eine nationale Liga spielen können muss, selbst wenn das in zwei Bundesländern noch nicht möglich ist". Andernfalls käme man vereinbarten Pflichten nicht nach, was mit hohen finanziellen Risiken verbunden wäre. "Ich appelliere an alle", sagte DFB-Präsident Fritz Keller, "keine Tricks mehr und keine Verweigerungshaltung".

Elf Spieltage sind es noch in der 3. Liga. Es wird durchweg Englische Wochen geben. Mit Coronatests und Hygienemaßnahmen wie in den Bundesligen, dazu der Verpflichtung zum Spielbetrieb und dem möglichen Umzug in andere Stadien bei der Sperre der Heimstätten, stehen die Chancen gut, dass die Saison doch noch ein Ende findet - so das Virus und die Politik keinen Einspruch erheben. Und trotzdem ist längst ein großer Schaden angerichtet. 

Die Liga hat Wochen des Streits  hinter sich. Klubs zankten untereinander, auch mit dem Verband und der Politik.

Eine Rechnung von Waldhof Mannheim zu Hygienemaßnahmen hat der DFB zunächst zurückgewiesen. Magdeburg scheiterte mit der Bitte um Spielverlegung. Jena muss nun wohl umziehen. Auch Wettbewerbsverzerrung steht im Raum. Wegen örtlicher Verfügungslagen sind die Klubs mit zum Teil fünf Wochen Differenz ins Training zurückgekehrt. Die gegenseitigen Anschuldigungen reichten vom schlichten Unwillen bis zur politischen Einflussnahme. 

Es ging im Grundsatz um wirtschaftliche Machbarkeit des Spielbetriebs mit und ohne Zuschauer. Die Klubs argumentierten zum Teil völlig konträr. Sie führten die gleichen Gründe – mutmaßliche Insolvenzgefahr – für Abbruch wie Fortführung an. Pro und Contra verliefen entlang der Tabelle. Wer den Aufstieg bedroht sah, wollte weiterspielen. Wer Furcht vor dem Abstieg hatte, wollte abbrechen.

Eines eint die Klubs bei aller Zerstrittenheit aber: Keiner kann sich ein Scheitern leisten. Wer absteigt, verliert noch die letzten TV-Gelder. Wer nicht aufsteigt, hat womöglich zu viel investiert, zu hoch gepokert – und bekommt nun durch die ausbleibenden Zuschauereinnahmen, im Schnitt ein Fünftel des Etats, zusätzlich Probleme. Die Coronakrise hat die strukturellen Schwächen der Liga zur Geltung gebracht. Der Streit war nur das Symptom.

Manche Teams bekommen Personalprobleme

Der DFB hat mit der 3. Liga zur Saison 2008/2009 eine Profi-Spielklasse geschaffen. Das war auch eines seiner Argumente fürs Weiterspielen. Es sind ja Profis, nicht Amateure. Der Abbruch käme einem Berufsverbot gleich. Entsprechende Anforderungen stellt der Verband auch an die Vereine. Er mutet ihnen dasselbe Hygienekonzept zu wie die Deutsche Fußball Liga (DFL) den Bundesligen. Die Klubs ächzen zum Teil unter der Umsetzung. Tests müssen durchgeführt, Ärzte eingestellt werden. All das ist teuer.

Der DFB verweist auf die 300.000 Euro pro Klub, die von der DFL zur Verfügung gestellt wurden. Einige Vereine dürften damit kaum die Zusatzkosten decken können – erst recht, wenn wie in Jena oder Halle nun Umzüge in andere Stadien oder Investitionen anstehen, weil die eigenen Arenen den Anforderungen der Behörden nicht genügen. 

Dazu kommt ein weiteres Problem: Als letzter Spieltag ist, läuft alles optimal, der 4. Juli angesetzt, fast 250 Spielerverträge sind da aber bereits ausgelaufen. Manche Teams bekommt danach kaum noch eine Startelf zusammen. Am schlimmsten ist Viktoria Köln betroffen: Von 30 Arbeitspapieren enden 26 am 30. Juni. Mit wem der Klub zum Schluss spielt? Der DFB sagt, das ist Vereinssache.

Wirtschaftlich oft ein Minusgeschäft

Die 3. Liga sollte einst das Prestigeprojekt des DFB werden. Sportlich hat das geklappt. Auch von den Zuschauern wurde die Spielklasse angenommen, der Schnitt liegt bei 8000 Besuchern. Die dritte Klasse des Fußballs macht mehr Umsatz als alle ersten Ligen anderer Sportarten in Deutschland.

Aber die 3. Fußball-Liga ist für ihre Vereine auch ein Minusgeschäft. In neun von elf Jahren bislang stand ein Defizit. Mit Stadien, Gehältern und bundesweiten Auswärtsfahrten fallen hohe Kosten an. Dem stehen vergleichsweise geringe TV-Gelder und Sponsorenmittel gegenüber.

Eine ganze Reihe Klubs ist so schon pleite gegangen. Vereine aus der Regionalliga haben auf den Aufstieg verzichtet. Im Schnitt machte im vergangenen Jahr jeder Klub in der 3. Liga 1,5 Millionen Euro Schulden. Nicht wenige drücken zweistellige Millionen-Verbindlichkeiten. Mit der Coronakrise dürften die Zahlen im kommenden Jahr noch drastischer ausfallen. Insolvenzen sind nicht ausgeschlossen.

Die Liga blickt einer unsicheren Zukunft entgegen. Auch der DFB hat als Zentralvermarkter inzwischen Handlungsbedarf eingeräumt. Eine Task Force soll Lösungen erarbeiten. "Das ist ein klares Signal, dass wir die wirtschaftlichen Probleme erkennen und uns damit befassen", sagte Vizepräsident Koch – im zwölften Jahr nach der Gründung. 

Doch die Ausgaben lassen sich kaum reduzieren angesichts der Ansprüche. Es muss mehr Geld her für die Vereine. Das ginge am besten unter dem Dach der DFL. Es ließe sich womöglich mehr TV-Geld aushandeln. Auch ein Namensgeber, ähnlich dem in der Bundesliga der Frauen, würde etwas einbringen. Dem Vorschlag der Zweigleisigkeit oder Aufstockung hat der Bundestag vorerst eine Absage erteilt.

Und der aktuelle Streit ist noch nicht vorüber. Was zumutbar ist und was nicht, das werden nun vielerorts Anwälte prüfen. Vom Halleschen FC hat der DFB am Montag schon Post bekommen.

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