Fünf Jahre Kultradio 90elf "Wie eine F-Jugendmannschaft"

Ein kleines, aber sehr feines Stück Radiogeschichte geht zu Ende. Nach rund fünf Jahren stellt Deutschlands Fußball-Radio 90elf den Sendebetrieb ein. Der Kooperationspartner von SPIEGEL ONLINE verabschiedet sich mit einem Best-of: Aufholjagden, Foulspiele und sensationelle Tore.
Wolfsburgs Grafite (2009): "Was will er denn da?"

Wolfsburgs Grafite (2009): "Was will er denn da?"

Foto: AP

Das DFB-Pokalfinale zwischen Bayern München und dem VfB Stuttgart am vergangenen Samstag (3:2) war die letzte Übertragung von 90elf. Rund fünf Jahre lang berichtete der Sender aus deutschen Stadien. Reporterlegenden wie Günther Koch oder Manfred Breuckmann saßen am Mikrofon.

Sie und ihre Kollegen brachten den Hörern unvergessene Fußballmomente nahe. Den 5:1-Sieg den VfL Wolfsburg gegen den FC Bayern im Jahr 2009, zum Beispiel, inklusive des legendären letzten Treffers durch den Brasilianer Grafite ("Ja, was ist denn das für ein Tor gewesen? 5:1 für Wolfsburg! Durch einen Grafite, der die Bayern narrt. Der sie aussehen lässt wie eine F-Jugendmannschaft!").

Oder das 3:2-Siegtor von Borussia Dortmund in der Nachspielzeit des Champions-League-Viertelfinales gegen den FC Málaga ("Schieber mit dem Kopf, Reus, quer, Linie, Tor, Toor, Tooor, Toooooor, Toooooooor! Toooooooooooor! Das gibt's ja nicht! Dortmund macht das 3:2! Keine Ahnung, wer's geschossen hat. Ist mir auch scheißegal!").

Auch bei SPIEGEL ONLINE konnten die Nutzer Live-Reportagen und Zusammenfassungen der Partien genießen. Vorbei. Nach dem Verlust der Audio-Verwertungsrechte an den Spielen der 1. und 2. Bundesliga im Bereich Netcast für die kommenden vier Spielzeiten fehlt dem Sender die Geschäftsgrundlage.

"Die Enttäuschung ist natürlich riesengroß. Das ist ganz bitter für uns alle. Insbesondere für unser engagiertes Team, das in den vergangenen Jahren einen Riesenjob gemacht hat", sagt Florian Fritsche, Geschäftsführer des 90elf-Betreibers Regiocast Digital.

Und zum Abschied leise Servus zu sagen, das passt nicht zu Deutschlands Fußballradio. Deshalb gibt es hier das 90elf-Best-of: Tore, die so laut gefeiert werden, dass man den Reporter kaum versteht. Reporter, denen die Stimme versagt sowie üble Foulspiele und sensationelle Aufholjagden.

chp
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