8. Bundesliga-Spieltag HSV und Bremen jagen Bayern

Bayern München hat auch ohne neun Stammspieler den VfL Wolfsburg besiegt und seine Tabellenführung verteidigt. Direkt dahinter stehen der Hamburger SV und Bremen. Werder gewann nach einem packenden Finale in Berlin. Gladbach kam zum dritten Sieg nacheinander.


Hamburg - Bayern schlug Wolfsburg mit 2:0 Toren - obwohl das Team auf neun Spieler verzichten musste, Mittelfeldregisseur Michael Ballack (schwer grippekrank) und Torwart Oliver Kahn (Knieverletzung) eingeschlossen. Die Treffer des bis dahin blassen Roque Santa Cruz (66. Minute) und eines starken Lucio (90.) bescherten dem deutschen Meister unter dem Strich einen Arbeitssieg. Folglich sagte Trainer Felix Magath: "Es war kein glanzvoller Erfolg, wie schon in den letzten Spielen. Wir hatten Probleme umzuschalten, es lief nicht rund." Angesichts der vielen Verletzten sei dies jedoch diesmal auch verständlich, entschuldigte Magath.

Berliner Bastürk, Bremer Vranjes: Sieg im Endspurt
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Berliner Bastürk, Bremer Vranjes: Sieg im Endspurt

Weil neben Kahn auch Ersatztorwart Michael Rensing nicht einsatzfähig war (Schulterverletzung) gab Torwarttrainer Bernd Dreher (38) ein Intermezzo-Comeback im Gehäuse des Rekordmeisters. Dreher hatte zum letzten Mal am 10. März 2001 zwischen den Pfosten gestanden und verlebte einen ruhigen Arbeitstag.

Der Wolfsburger Trainer Holger Fach wollte trotzdem einige gute Chancen seiner Mannschaft gesehen haben und beklagte deshalb: "Hier wäre mehr drin gewesen." Am Ende musste freilich auch er feststellen: "Wenn du in München deine Chancen nicht nutzt, kannst du auch nicht punkten."

Im Spitzenspiel des achten Spieltages unterlag Hertha BSC daheim Werder Bremen trotz Führung mit 1:2 Toren. Die Bremer Tim Borowski (85.) und Nelson Valdez (89.) sorgten mit ihren Treffern für die erste Heimniederlage der Hertha seit dem 26. Oktober 2004. Die Berliner, die weiter an Boden auf die Bayern verloren, waren durch Pal Dardai (47.) in Führung gegangen. Bremen liegt als Dritter weiter zwei Punkte hinter den Bayern.

Zweiter mit einem Zähler Rückstand ist der Hamburger SV, der am Sonntag 3:0 (1:0) beim 1. FC Kaiserslautern gewann. Der niederländische Nationalspieler Rafael van der Vaart erzielte zwei Tore (36. und 82.) und bereitete das zwischenzeitliche 2:0 durch Sergej Barbarez (50.) vor. Der Lauterer Stefan Blank kassierte wegen wiederholten Foulspiels in der 65. Minute die Gelb-Rote Karte. Einen Platzverweis gab es auch in der zweiten Sonntagspartie. Beim 0:0 zwischen Dortmund und Stuttgart erhielt VfB-Stürmer Jon Dahl Tomasson nach 80 Minuten wegen einer Tätlichkeit die Rote Karte.

Berlin hatte gegen Bremen kein Glück mit Schiedsrichterentscheidungen. So verweigerte Referee Lutz Wagner (Hofheim) der Hertha Mitte der zweiten Halbzeit einen Foulstrafstoß, nachdem Yildiray Bastürk infolge eines Zusammenpralls mit dem Werder-Torwart Andreas Reinke zu Boden gegangen war. Der Berliner Trainer Falko Götz sagte: "Dass uns diese Niederlage weh tut, ist klar. Es war ein sehr aktives Spiel. Dass wir sehr ärgerlich auf den Schiedsrichter sind, ist verständlich. Als Bastürk von Reinke gefoult wurde, hätte es Elfmeter geben müssen. Dann wäre die Partie mit dem 2:0 entschieden gewesen. Ich muss meiner Mannschaft ein Kompliment machen, sie musste innerhalb von drei Tagen zwei Spiele absolvieren, das ist mir in meiner aktiven Laufbahn nie passiert. Dafür hat sie sich sehr gut geschlagen."

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8. Bundesliga-Spieltag: Angst, Wut und voller Einsatz

Kollege Thomas Schaaf (Werder Bremen) sprach von einem tollen Spiel, in dem es neunzig Minuten hoch und runter gegangen sei. "Beide Mannschaften haben viele Chancen besessen, wir haben am Ende eine mehr davor verwandelt. Meine Spieler haben nach siebzig Minuten nochmal nachgelegt und wurden dafür belohnt."

Gladbacher mit kleiner Siegesserie

Borussia Mönchengladbach tastet sich an die Uefa-Cup-Plätze heran. Mit dem dritten Sie in Folge schlug die Mannschaft von Trainer Horst Köppel den FSV Mainz 05 1:0. Den entscheidenden Treffer erzielte Zé Antonio (32.). Die Borussia musste aber hart arbeiten, um dieses mäßige Spiel zu gewinnen. "Wir sind für einen Fehler hart bestraft worden. Wir müssen jetzt die zwei Wochen Liga-Pause nutzen, um den Kopf etwas frei zu kriegen und mal die Beine baumeln zu lassen", sagte FSV-Coach Jürgen Klopp. Kollege Köppel war mit seinem Team nur in den ersten 45 Minuten zufrieden. "Wir haben die erste Hälfte das gebracht, was wir uns vorgenommen haben. In der zweiten Halbzeit hatte man den Eindruck, dass nicht Mainz am Donnerstag gespielt hat, sondern wir", sagte er.

Schalke 04 ist ebenfalls weiter im Aufwind und kam bei Eintracht Frankfurt zu einem 1:0. Wieder war es Torjäger Sören Larsen der mit seinem vierten Saisontreffer (64.)die "Königsblauen" zu einem schmeichelhaften Sieg schoss. Damit gehen die Schalker ungeschlagen ins kommende Heimspiel in zwei Wochen gegen Meister Bayern München.

Frankfurter Dach kann Wasser nicht halten

Die Hessen rangieren nach der sechsten Niederlage weiter auf einen Abstiegsplatz. "Schade, dass wir für unseren Aufwand nicht belohnt worden sind. Wir haben die Akzente gesetzt und sehr kampfstark agiert. Entscheidend war, dass wir kein Tor gemacht haben. Daher können wir uns nicht beschweren, gegen einen cleveren Gegner verloren zu haben", erklärte Eintracht-Coach Friedhelm Funkel. Schalkes Trainer Ralf Rangnick gab zu, dass sein Team lange nicht überzeugte. "Erst in den letzten dreißig Minuten, als wir eigentlich hätten müde werden müssen, hat die Mannschaft aufgedreht", bilanzierte der Coach.

Die Austragung des Spiels war allerdings stark gefährdet, weil die Dachkonstruktion in der Frankfurter WM-Arena wie schon beim Confederations-Cup im Sommer total versagte. Nach Dauerregen ergossen sich gleich mehrere Sturzbäche auf das Spielfeld, das Hilfskräfte gerade noch rechtzeitig präparieren konnte.

Völler will nichts von Krise wissen

Zwei Tage nach dem Aus im Uefa-Cup tut sich Bayer Leverkusen auch in der Bundesliga schwer. Gegen Arminia Bielefeld reichte es nur zu einem 1:1. Isaac Boakye (59.) brachte die Ostwestfalen mit seinem ersten Saisontreffer sogar in Führung, die Stürmer Andrej Woronin sechs Minuten vor dem Ende mit einem von Carsten Ramelow entscheidend abgefälschten Schuss ausglich und damit wenigstens noch einen Punkt rettete.

Interims-Coach Rudi Völler betreute ein Leverkusener Team zum insgesamt zwölften und vorerst wahrscheinlich letzten Mal. Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser musste sich im Stadion "Holzhäuser raus"-Rufe anhören. Die Fans werfen ihm Ausverkauf der Mannschaft vor. Völler widersprach einer Krise energisch, sondern hielt positiv fest, dass "sich die Mannschaft nicht aufgegeben hat. Sie hat alles probiert und alles gegeben. Wir hätten am Ende fast noch gewonnen".

Gäste-Coach Thomas von Heesen, der seinen 44. Geburtstag feierte, lobte sein Team fast überschwänglich: "Ich muss ein Riesenkompliment machen. Das war genau die richtige Antwort auf die Kritik nach dem 0:2 gegen Mönchengladbach."

1:1 endete auch das Spiel Hannover 96 gegen dem MSV Duisburg. Michael Delura (8.) hatte in seinem ersten Spiel von Anfang an für Hannover die Führung erzielt. Abdelaziz Ahanfouf glich nach einer Unachtsamkeit der 96-Deckung aber kurze Zeit später aus (14.). Die größte Siegchance verpasste in der 84. Minute Jiri Stajner, der mit einem umstrittenen Foulelfmeter an Torwart Georg Koch scheiterte.

Luft geschöpft im Abstiegskampf hat der 1. FC Nürnberg, der den 1. FC Köln mit 2:1 Toren besiegte. Matchwinner war Stürmer Stefan Kießling der für Nürnberg zweimal traf (32. und 67.). Das Anschlusstor des eingewechselten Patrick Helmes (75.) war für Köln zu wenig.



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