FC Bayern "In 14 Tagen wäre
ein Donnerwetter zu spät gekommen"

Präsident Franz Beckenbauer hat seine verbale Abrechnung mit der Mannschaft des FC Bayern verteidigt. Nach Kapitän Stefan Effenberg gibt aber auch Manager Uli Hoeneß dem "Kaiser" kontra.


Franz Beckenbauer: "Sieg gegen Cottbus ist Pflicht"
AP

Franz Beckenbauer: "Sieg gegen Cottbus ist Pflicht"

München - "Ich werde mich nach außen bedeckt halten und nach innen Gespräche führen. Unruhe bringen ja die anderen rein. Da muss man nicht auch in dieses Horn blasen. Wenn wir 3:0 gewinnen, kann man sich äußern. Wenn wir 0:3 verlieren, muss man Ruhe geben", erklärte Hoeneß in der Münchner "Abendzeitung" in Richtung Beckenbauer, der mit seiner Brandrede von Lyon viel Wirbel verursacht hatte.


Auch Hitzfelds Geduld am Ende


Der "Süddeutschen Zeitung" sagte der Manager weiter: "Wir brauchen diese Spieler noch drei Monate. Es bringt nichts, sie jetzt niederzumachen. Später muss man ihnen dann wieder die Füße küssen, damit sie Leistung bringen."

Doch wie Beckenbauer ist auch Trainer Ottmar Hitzfeld mit seiner Geduld offensichtlich am Ende. "Bis Saisonende hat jeder seine Chance, uns zu überzeugen. Ich werde genau beobachten, auf wen Verlass ist und auf wen nicht. Tatsache aber ist, dass offensichtlich nicht jedem klar ist, wie gut es ihm hier geht. Es muss endlich in die Köpfe rein, dass Nehmen auch Geben einfordert", sagte der Meistertrainer in einem Interview mit der "Bild-Zeitung".


Neue Spieler sollen Druck ausüben


Der 52-Jährige erneuerte seine Forderung nach Verstärkungen: "Da geht es nicht nur um neue Substanz, sondern auch darum, dass neue Spieler richtig Druck auf die alten ausüben, um aus allen mehr rauszuholen." Mit Mittelmaß will sich Hitzfeld nicht zufrieden geben: "Wir brauchen echte Leistungsträger, wir brauchen neue Strukturen in der Hierarchie, neue Reibungspunkte. Wir brauchen mehr Typen wie Kahn oder Effenberg." Auch Lothar Matthäus trauert der Bayern-Coach nach: "Matthäus war so ein Kerl, der schon mal die Schuhe in die Ecke feuerte. Da war dann jedem klar, was die Stunde geschlagen hat."

Diese Rolle übernahm diesmal Beckenbauer. Auch zwei Tage nach der Pleite war der Zorn des "Kaisers" noch nicht verraucht. Er bedauere seine Spielerschelte keineswegs. Vielmehr habe sich jeder nach klaren Worten gesehnt, "es ist doch zuletzt zuviel schön geredet worden", sagte Beckenbauer in der "Bild-Zeitung".


"Alle haben sich unterzuordnen"


Bis zum Saisonende gab der Bayern-Präsident den zuletzt augenscheinlich lustlosen Kickern dabei klare Richtlinien vor: "Alle haben sich unseren Zielen unterzuordnen. In den zwei Monaten bis zum Saisonende darf es keine Werbeverpflichtungen und keine Ausflüge mehr geben. Jeder hat sich ausschließlich auf seinen Beruf zu konzentrieren. Das wird doch nicht zu viel verlangt sein." Auch Hitzfeld wies die Mannschaft noch einmal eindringlich darauf hin, dass alle persönlichen Dinge zurückstehen müssten.

Im Bundesligaspiel gegen Cottbus am Samstag erwarten die Bayern-Verantwortlichen nun die Wende zum Guten. Beckenbauer dazu: "Wir haben noch zehn Spiele in der Bundesliga und hoffentlich noch einige in der Champions League - also sind Titel und Europacup noch drin. Und deshalb ist ein Sieg gegen Cottbus Pflicht. Es muss die Wende sein. In 14 Tagen wäre ein Donnerwetter zu spät gekommen."



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