A-2 Schützenfest am Bieberer Berg

Auch wenn es im fünften Spiel der Hrubesch-Truppe immer noch keinen Sieg gab, darf der "zweite Anzug" des DFB mit dem 4:4 gegen Russland zufrieden sein.


Der Russe Alexej Smertin (l.) fischt sich den Ball vor Lars Ricken
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Der Russe Alexej Smertin (l.) fischt sich den Ball vor Lars Ricken

Offenbach - Nach monatelanger Kritik hat die deutsche "A 2"-Fußball-Nationalmannschaft in ihrem fünften Spiel den Durchbruch geschafft. Auch wenn der erste Sieg in der Schlussminute noch verpasst wurde, überzeugte die Auswahl des DFB beim 4:4 (0:1) gegen das russische "A 1"-Nationalteam mit phasenweise begeisterndem Fußball und stärkte so auch ihrem Trainer Horst Hrubesch den Rücken.

"Für mich haben die Spieler das Zeichen gesetzt, warum die 'A 2' so wichtig ist. Sie haben bewiesen, dass sie Charakter haben und Fußball mit Herz gezeigt", sagte der zufriedene DFB-Coach. Dabei hatte es lange Zeit so ausgesehen, als wenn sein ersatzgeschwächtes Team gegen die hochkarätig besetzten Gäste keine Chance haben würde. 2:0 und 3:1 führten die bis zu diesem Zeitpunkt klar überlegenen Russen, ehe ein Ruck durch die deutsche Elf ging.

"Ich habe den Spielern in der Pause gesagt: Ihr dürft alles machen, ihr dürft nur nicht aufgeben", sagte Hrubesch. "Als wir dann den Respekt abgelegt haben, haben wir gesehen, dass wir mithalten können. Letztendlich hat sich die Mannschaft für ihre Leistung in der zweiten Halbzeit selber belohnt." Sogar DSF-Chefkritiker Udo Lattek, der vor nicht allzu langer Zeit sogar die Abschaffung der "A 2" gefordert hatte, erwies der Hrubesch-Truppe seine Reverenz und lobte die Vorstellung des deutschen Teams.

Durch Tore von Sean Dundee (VfB Stuttgart/57.), Zoltan Sebescen (VfL Wolfsburg/77.) und Stephan Paßlack (1860 München/86.) schaffte das DFB-Team vor 4000 begeisterten Zuschauern in Offenbach den Ausgleich und zwei Minuten vor dem Abpfiff konnte der eingewechselte Frankfurter Thomas Reichenberger sogar die Führung erzielen. Doch in der 90. Minute gelang Igor Titow mit seinem zweiten Treffer noch der insgesamt verdiente Ausgleich.

"Beim 4:3 hätten wir das Spiel sicher nach Hause bringen müssen, da waren wir einfach nicht clever genug", meinte Hrubesch. "Aber gerade das ist ja der Grund, warum wir die 'A 2' ins Leben gerufen haben. Hier können die Spieler gegen gute Gegner internationale Erfahrung sammeln. Daher ist es für mich nicht der wichtigste Punkt, dass wir nicht gewonnen haben. Jetzt haben wir wieder ein Ziel fürs nächste Spiel in der Slowakei."

Dagegen rückte die zweite Aufgabe des 48-Jährigen, Spieler an die "A 1" heran zu führen, aufgrund der Absagen von sieben verletzten Akteuren in den Hintergrund. Herausragender DFB-Akteur in Offenbach war 75 Tage vor dem Auftakt der Europameisterschaft in Belgien und den Niederlanden Jörg Butt. "Wir hatten in der ersten Halbzeit einen Super-Torwart, der den Rückstand in Grenzen gehalten hat", kommentierte Hrubesch die zahlreichen Glanzparaden des Hamburgers, der aber auch für die EM von DFB-Teamchef Erich Ribbeck bereits fest als dritter Keeper eingeplant ist.

Nach der Pause spielte sich dann vor allem Bernd Schneider als unermüdlicher Antreiber und Spielmacher ins Blickfeld. "Sicherlich kann man die 'A 2' als Sprungbrett nach oben nutzen. Aber im Moment spiele ich im Verein nicht, von daher mache ich mir über die Europameisterschaft zurzeit keine Gedanken. Aber man hofft natürlich immer", meinte der Leverkusener.

Auch Hrubesch blickte bereits auf die Zeit nach der Euro: "Der Kader für die EM steht mehr oder weniger. Da sind noch vier, fünf Plätze frei. Erich Ribbeck hat sich noch nicht festgelegt. Danach aber werden viele Spieler, die ein gewisses Alter haben, irgendwann herausfallen. Man kann im A-Team nicht viel probieren, schon im September fängt die WM-Qualifikation an. Von daher können wir hier sehen, welche Spieler noch in Frage kommen."



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