Abgang Neururer tritt in Hannover zurück

Peter Neururer ist nicht mehr Trainer von Fußball-Bundesligist Hannover 96. Nach einer Krisensitzung trat der Coach von seinem Amt zurück. Als Nachfolger des 51-Jährigen wird auch ein ehemaliger Bayern-Profi gehandelt, vorerst übernimmt aber der Assistent.

Von Pavo Prskalo


Hannover - "Peter Neururer ist zurückgetreten. Wir haben die Entwicklung gemeinsam analysiert, daraufhin hat sich Herr Neururer zu diesem Schritt entschlossen", sagte Hannovers Vorstandsvorsitzender Martin Kind SPIEGEL ONLINE.

Neururer: Salomonischer Abschied
DPA

Neururer: Salomonischer Abschied

Kind betonte, dass der Club bereit gewesen wäre, trotz der Negativserie mit Neururer weiter zu arbeiten. "Wir haben aber auch die Risiken dabei gesehen", so der 96-Boss.

Drei Niederlagen zum Bundesligastart mit insgesamt elf Gegentoren, darunter am Samstag ein 0:3 daheim gegen Aufsteiger Alemannia Aachen, wurden Neururer zum Verhängnis. Saisonübergreifend waren die Niedersachsen unter Neururer seit insgesamt elf Spielen ohne Sieg. Die dpa spekuliert über eine Abfindung in Höhe von 800.000 Euro für den Trainer. Kind wollte sich dazu nicht äußern: "Über die arbeitsrechtlichen Schritte haben wir Stillschweigen vereinbart."

Neururer zeigte sich bei seinem Rücktritt salomonisch: "Wir haben uns in den vergangenen Tagen mehrmals zusammengesetzt. Selten habe ich im Fußballgeschäft Gespräche auf so hohem Niveau geführt." Er wünschte Mannschaft und Verein alles Gute und verabschiedete sich vorerst aus der Liga. Der Coach brachte in Interviews zuletzt mehrfach seinen Frust über die Situation in Hannover zum Ausdruck. Der "Sportbild" erklärte Neururer, die Situation bei 96 sei schlimmer als bei allen anderen Vereinen. "Hannover ist mein zwölfter Job als Trainer. So wie hier habe ich das noch nie erlebt. Überall gibt es hier Heckenschützen."

Wenige Stunden vor der Trennung hingegen versuchte er vergebens, die Situation noch einmal zu beruhigen. "Grundsätzlich möchte ich weitermachen", sagte Neururer dem Nachrichtensender N24. Doch bereits am Dienstagnachmittag und am heutigen Vormittag trainierte der Bundesliga-Kader der Niedersachsen ohne den Cheftrainer, die Übungseinheiten wurden von Co-Trainer Thomas Kristl geleitet.

Dass es eine interne Abstimmung unter den Spielern mit einem Votum gegen Neururer gegeben habe, wurde zwar dementiert, doch die Verbannung von Torjäger Thomas Brdaric auf die Tribüne galt im Verein als äußerst umstrittene Maßnahme Neururers. Der Coach begründete sie rein sportlich: "Es war eine Konsequenz aus dem Verlauf der vergangenen Wochen. Thomas spielt nicht effektiv genug."

Neururers Nachfolger steht noch nicht fest. Im Gespräch sind Erik Gerets, Christian Groß, Michael Laudrup und der ehemalige Bayern-Profi Bruno Labbadia. Kind wollte diese Namen bei SPIEGEL ONLINE nicht kommentieren. "Wir gehen die Sache ohne Zeitdruck an und werden in den nächsten Tagen ein Anforderungsprofil erstellen", sagte er. Der neue Trainer müsse nicht unbedingt bis zum nächsten Spiel der 96 am 15. September in Wolfburg feststehen, so Kind.

In die Suche wird neben dem ebenfalls nicht unumstrittenen Manager Ilja Kaenzig, der nach Aussage Kinds aber bleiben darf, auch Rene C. Jäggi eingebunden. Der ehemalige Vorstandschef des 1. FC Kaiserslautern ist Kinds Wunschkandidat für den bei 96 vakanten Posten des Geschäftsführers. "Bis zum Wochenende" soll laut Kind eine Entscheidung über Jäggis Verpflichtung fallen.



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.