Abreise nach Terroranschlag Caf schließt Togo für zwei Afrika-Cups aus

Drastisches Urteil nach der Einmischung des Premierministers: Togo darf an den beiden kommenden Afrika-Cup-Turnieren nicht teilnehmen - und ist über diese Strafe empört. Die Mannschaft war vor dem aktuellen Wettbewerb Opfer eines Terroranschlags geworden und hatte die Heimreise antreten müssen.

Togolesische Nationalmannschaft (r.): Harte Strafe nach dem Fernbleiben
AP

Togolesische Nationalmannschaft (r.): Harte Strafe nach dem Fernbleiben


Hamburg - Togo darf nicht an den nächsten beiden Turnieren um den Afrika-Cup teilnehmen. Das beschloss die afrikanische Fußball-Föderation (Caf) am Samstag. Mit der Entscheidung reagierte die Caf auf die "Einmischung der togolesischen Regierung", die nach dem Terroranschlag auf den Mannschaftsbus ihres Nationalteams zwei Tage vor dem Eröffnungsspiel den Rückzug aus dem Turnier in Angola angeordnet hatte.

"Die Entscheidung der Politiker entspricht nicht dem Reglement der Caf und des Afrika-Cups. Deshalb hat das Exekutiv-Komitee so entschieden und Togos Verband zudem mit einer Geldstrafe in Höhe von 50.000 US-Dollar belegt", heißt es in einer Mitteilung der Caf. Der Überfall ereignete sich am 8. Januar nach dem Grenzübertritt in die Exklave Cabinda. Bei dem Maschinengewehrangriff der Flec (Front für die Befreiung der Enklave Cabinda) starben der Assistenztrainer und der Sprecher des togolesischen Nationalteams.

Zudem wurden insgesamt neun Menschen verletzt, darunter zwei Spieler. Togos Premierminister Gilbert Houngbo hatte daraufhin die sofortige Heimreise der Delegation veranlasst. Die Spieler hatten nach der Attacke zunächst einen Start beim Turnier ausgeschlossen, sich nach der Verarbeitung des ersten Schocks aber vehement für einen Verbleib eingesetzt.

Die Entscheidung der Caf wurde in Togo mit Unverständnis und Empörung registriert. "Wir sind Fußballer, auf die geschossen wurde. Und nun dürfen wir kein Fußball mehr spielen. Togo muss die Entscheidung anfechten", sagte der togolesische Nationalspieler Thomas Dossevi. "Als wir nach Hause gefahren sind, um drei Tage zu trauern, haben sie gesagt, sie seien in Gedanken bei uns. Und nun bestrafen sie uns."

Derweil haben die Familien der beiden Todesopfer juristische Schritte gegen die Caf und den angolanischen Staat angkündigt. "Zwei unserer Landsleute wurden getötet aufgrund von Fehlern und Versäumnissen der afrikanischen Fußball-Föderation und seines Präsidenten Issa Hayatou", sagte der beauftragte Rechtsanwalt. Die Klage schließe auch den Staat Angola mit ein, der das Leben der Fußballer gefährdet habe, indem er den Afrika-Cup in einem Kriegsgebiet zur Austragung gebracht hat.

jar/sid



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tripler 30.01.2010
1. unmenschliche Entscheidung
Ich finde diese Entscheidug von CAF unmenschlich. Wie kann man eine Manschaft/ein Land das Opfer einer so tragischen Terror-Attacke wurde, und wo teils traumatisierte spieler nicht gewillt waren einfach so wieterzumachen als wäre nichts passiert, auch noch bestrafen. ich finde diese haltung jedenfalls extrem traurig, taktlos und menschenfeindlich
Kassian 30.01.2010
2. .
Wäre ich Togo würde ich aus Prinzip nicht mehr beim Afrika Cup antreten, sollen diese Idioten doch bleiben wo der Pfeffer wächst. Das toppt sogar noch die damalige Meinung der CAF das die Mannschaft ja selber schuld wäre, da man allen Mannschaften dringend angeraten habe per Flugzeug anzureisen. Wie konnte man auch nur so blöd sein den Afrika Cup ausgerechnet in einer Gegend abzuhalten wo Rebellen für ihre Unabhängigkeit kämpfen? Unfähigkeit gepaart mit Arroganz ist eine gefährliche Kombination.
denkenschadnix 30.01.2010
3. aber was wäre wohl los,
wenn ein afrikanisches team bei einer wm terroropfer geworden wäre und die fifa es dann für zwei weltmeisterschaften gesperrt hätte...
Citrusfrucht 30.01.2010
4. Abreise nach Terror-Anschlag: Caf schließt Togo für zwei Afrika-Cups aus
Zitat von sysopDrastisches Urteil nach der Einmischung des Premierministers: Togo darf bei den beiden kommenden Afrika-Cup-Turnieren nicht teilnehmen. Die Mannschaft war vor dem aktuellen Wettbewerb Opfer eines Terroranschlags geworden und hatte gegen seinen Willen die Heimreise antreten müssen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,675037,00.html
Super, jetzt werden die Opfer auch noch bestraft. Ekelhaft.
stevie76 30.01.2010
5. natürlich,
wo kämen wir denn da hin wenn gleich jeder verband nur wegen ein paar toter und traumatischen erlebnissen gleich sein nationalteam abzieht..
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