Absage der WM-Gala Hoeneß attackiert Fifa und Uefa

Pünktlich zum Bundesliga-Rückrundenstart meldet sich auch Uli Hoeneß zu Wort. Für seine Attacke sucht sich der Bayern-Manager gleich die größten Gegner aus. Fifa und Uefa seien dabei, die WM in Misskredit zu bringen, so Hoeneß, der drastische Reaktionen ankündigt.


München - Durch die Absage der für den 7. Juni geplanten WM-Gala in Berlin sehe man, "dass der internationale Fußball-Verband auf einem ganz gefährlichen Weg ist. Die Fifa ist dabei, völlig zu überdrehen", sagte Hoeneß in einem Interview in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Eine derartige Eröffnungsfeier müsse trotz hoher Kosten und geringem Publikumsinteresse durchgezogen werden und dürfe nicht nach zwei Jahren Planung "mit einem Federstrich" abgesagt werden, erklärte Hoeneß weiter. "Wenn der Verband so weitermacht, schafft er es noch, ein Spektakel wie die WM in Misskredit zu bringen."

Bayern-Manager Hoeneß: "Monopole sind immer gefährlich"
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Bayern-Manager Hoeneß: "Monopole sind immer gefährlich"

Problematisch sei vor allem die Monopolstellung der Fifa, "und Monopole sind immer gefährlich. Diskussionen lassen sie nicht zu", sagte Hoeneß. "Die Verbände und Vereine sind gut beraten, den Dachverbänden, auch der Uefa, öfter mal die Zähne zu zeigen." Auch der europäische Verband treffe totalitäre Entscheidungen, etwa bei der Vergabe der TV-Rechte der Champions League. "Wir als Partner und Rechteinhaber der Uefa wurden nicht einmal gefragt, als Premiere den Zuschlag für das Pay-TV und das Free-TV in Deutschland bekam", sagte der Manager.

Zu den aktuellen Diskussionen um einen neuen Verteilungsschlüssel der deutschen TV-Einnahmen erklärte Hoeneß, er empfinde es als ungerecht, "dass uns vorgeworfen wird, wir hätten zu viel Geld. Es gibt eine Reihe von Clubs, die vor Jahren vergleichbare Möglichkeiten hatten wie wir. Wir haben nur mehr daraus gemacht." Mit der nun von der Mehrheit im Ligavorstand anvisierten Regelung, dem deutschen Meister in Zukunft rund 25 Millionen Euro statt bisher 16 zuzuschießen, sei er nicht zufrieden, stattdessen schwebten ihm 30 Millionen Euro vor.

"5 bis 10 Millionen Euro"

"Bei einer Lösung, die unseren Vorstellungen erheblich zuwiderliefe", behalte man sich weiter den Gang zum Bundeskartellamt vor, um die Möglichkeit einer dezentralen Vermarktung der Fernsehrechte prüfen zu lassen. Hoeneß weiter: "Vielleicht sollte die Liga bereit sein, uns und drei, vier anderen Vereinen, die Auslandsvermarktung ihrer Spiele zu überlassen." Das darin steckende Potenzial für Bayern bezifferte der Manager auf "fünf bis zehn Millionen Euro pro Jahr".

Das derzeitige Leistungsgefälle in den europäischen Topligen ist seiner Meinung nach jedoch nur bedingt auf die hohen TV-Einnahmen der Topclubs zurückzuführen. Beim englischen Meister FC Chelsea spiele etwa Öl-Milliardär Roman Abrahmowitsch die entscheidende Rolle, Barcelona profitiere in Spanien von der Schwäche von Real Madrid und Olympique Lyon habe es in Frankreich in den vergangenen Jahren vor allem durch gute Arbeit geschafft, an die Spitze zu kommen.

Zum Vertragspoker um Nationalmannschafts-Kapitän Michael Ballack sagte Hoeneß: "Wenn Michael gehen sollte, werden wir zuerst überprüfen, ob wir seinen Abschied aus den eigenen Reihen kompensieren können. Kommen wir zu anderen Erkenntnissen, werden wir versuchen, noch jemanden zu holen." Damit schloss sich der Manager erstmals Trainer Magath an, der sich zuletzt mehrfach für die Verpflichtung eines Führungsspielers ausgesprochen hatte. Auf die Frage, ob man den im Sommer 2007 auslaufenden Vertrag des Coaches verlängern werde, antwortete Hoeneß: "Na klar." Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge hatte zuvor sogar einen unbefristeten Kontrakt in Aussicht gestellt.

Nach Ablauf seines Manager-Vertrages Ende 2009 kann sich Hoeneß einen Wechsel an die Aufsichtsratsspitze vorstellen, sofern Franz Beckenbauer "etwas anderen vorhaben sollte". Zuvor sollen aber noch einige Titel eingefahren werden, so etwa die 20. Meisterschaft in dieser Saison. "Wenn alle gesund bleiben und wir unseren Rhythmus finden, wird es für Hamburg und Bremen ganz schwer, uns am Titelgewinn zu hindern", sagte Hoeneß.



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