Abschied vom FC Bayern König Klose kapituliert

Bye, bye Bayern: Miroslav Klose verlässt den deutschen Rekordmeister und flüchtet vor der Konkurrenz. Jetzt will er wenigstens in der Fußball-Nationalmannschaft Stammspieler bleiben. Dafür nimmt der Stürmer sogar in Kauf, sich sportlich zu verschlechtern.

Fußball-Profi Klose: Abschied aus München
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Fußball-Profi Klose: Abschied aus München


Hamburg - Es war ein schlichter Abschied. Nachdem die Vertragsverhandlungen endgültig gescheitert waren, ließen der FC Bayern und Miroslav Klose die üblichen Phrasen verlauten. Der Stürmer, der den Verein Ende Juni verlassen wird, sagte, dass er in München "vier sehr schöne und erfolgreiche Jahre" hatte. Es sei für ihn immer "etwas Besonderes" gewesen, beim deutschen Rekordmeister zu spielen. Die Münchner bedankten sich artig für die Zusammenarbeit. Das war alles.

Für den zweimaligen Double-Gewinner (2008 und 2010) und früheren Bundesliga-Torschützenkönig (2006) Klose ist dieser Abschied das letzte Zeichen der geringen Wertschätzung beim FC Bayern. Der ehemalige Trainer Louis van Gaal hatte ihn regelmäßig auf die Bank gesetzt. In der vergangenen Saison gelang ihm in 20 Bundesligaspielen nur noch ein Tor.

Der Stürmer, der 2007 für zwölf Millionen Euro Ablöse von Werder Bremen gekommen war, wollte dennoch einen Zweijahresvertrag. Der Rekordmeister hatte dem Großverdiener lediglich ein Jahr plus Option geboten. Jetzt folgt die Trennung. Wirklich traurig scheint der Club darüber nicht zu sein. Längst hat Mario Gomez Klose beim FC Bayern den Rang abgelaufen und ist gesetzt. Der Angreifer ist in der abgelaufenen Spielzeit mit 28 Treffern Torschützenkönig geworden, erzielte darüber hinaus in DFB-Pokal und Champions League insgesamt elf Treffer. Gomez ist 25 Jahre alt, er ist die Zukunft des FC Bayern.

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Miroslav Klose: Abschied des Salto-Mannes
Und Klose? Der 32-Jährige kapituliert und geht. Das ist ein logischer Schritt. In München wäre er allenfalls als Edel-Joker in Frage gekommen - auch wenn der neue Trainer Jupp Heynckes den Routinier angeblich gerne gehalten hätte. Aber Klose weiß, dass ein weiteres Jahr auf der Bank sein großes Ziel gefährden würde. 2012, in der Europameisterschaft in Kloses Geburtsland Polen und der Ukraine, will er endlich ein großes Turnier gewinnen. Das Risiko, sich als Einwechselspieler nicht für die wohl letzte EM seiner Karriere empfehlen zu können, schien ihm zu groß.

Bei Joachim Löw ist Klose, allen Krisen beim FC Bayern zum Trotz, noch immer gesetzt. Das Vertrauen des Bundestrainers hat er stets gerechtfertigt. In der Nationalmannschaft trifft "King Klose", wie ihn die "Bild" vor der WM 2006 taufte, beinahe wie er will. Bei fünf Welt- und Europameisterschaften gelangen Klose 16 Tore. Mit 61 Treffern in bisher 109 Länderspielen fehlen ihm nur noch sieben Tore, um mit Rekordtorschütze Gerd Müller (68) gleichzuziehen.

Gomez arbeitet am Machtwechsel im DFB-Sturm

Beim EM-Qualifikationsspiel in Österreich (2:1) am vergangenen Freitag fehlte Klose nur, weil er wegen einer Rippenprellung verletzt ausfiel. Doch Konkurrent Gomez, bisher eher mit durchwachsenen Leistungen in der Nationalmannschaft, nutzte seine Chance und sorgte mit seinen beiden Treffern im Alleingang für den schmeichelhaften deutschen Sieg. Gomez' Formkurve zeigt nach oben - und die EM steigt erst in einem Jahr. Zeit genug, um auch im DFB-Sturm die Nummer eins zu werden.

Klose weiß das - und nimmt nun vom FC Bayern reißaus. Wohin es ihn zieht, steht noch nicht fest. Ein Wechsel innerhalb der Bundesliga scheint ausgeschlossen. Doch egal wie der neue Club heißen wird: Sicher ist, dass Klose sich verschlechtert. Selbst, wenn er am Ende beim spanischen Erstligisten FC Valencia unterschreiben sollte, der die abgelaufene Saison als Tabellendritter beendet hatte und angeblich Interesse haben soll.

In der Primera División gibt es nur zwei Vereine, bei denen man sich für höhere Aufgaben empfehlen kann: FC Barcelona und Real Madrid, wo Mesut Özil seit seinem Wechsel von Werder Bremen eine gewaltige Entwicklung genommen hat. Doch die beiden spanischen Spitzenclubs dürften ebenso wenig Interesse an Klose haben wie die englischen Top-Vereine Manchester United oder der FC Chelsea. Klose ist nicht mehr erste Wahl.

insgesamt 57 Beiträge
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crocodil 06.06.2011
1. Klose
wird sich garantiert nicht finanziell verschlechtern. Wenn man den Verein aufgibt, hat man bestimmt schon was in Resereve!!!
Moebius07 06.06.2011
2. Klose kann nur gewinnen
Zitat von sysopBye, bye Bayern:*Miroslav*Klose*verlässt den deutschen Rekordmeister und flüchtet vor der Konkurrenz. Jetzt will er*wenigstens in der*Fußball-Nationalmannschaft Stammspieler bleiben. Dafür nimmt der Stürmer sogar in Kauf, sich sportlich zu verschlechtern. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,766925,00.html
Sportlich kann Klose nur gewinnen: Bei den Bayern fristet der Top-Stürmer sein Dasein auf der Ersatzbank, spielt selten. Egal wohin es ihn verschlägt: Beim nächsten Club wird Klose zu mehr Einsätzen kommen. Er wird sich finanziell vielleicht schlechter stehen, aber irgendwann werden es die arroganten Bayern bereuen, einen solchen Top-Stürmer als Reservisten zu behandeln. Ich habe Bayern München noch nie gemocht, mir ist dieser Verein zuwieder. Die "Kultur" dieses Clubs hat schon viele hoffnungsvolle Fußballspieler in den Abgrund geschickt, ich erinnere nur an Kalle Del`Haye. Wer Fußball leben will, hat bei den Bayern nichts verloren...
Andreas Rolfes 06.06.2011
3. Die sozialdarwinistische Nummer 1 - FC Bayern München
Auch wenn ich den FC Bayern nicht mag (und das nicht nur wegen Neuer), so bewundere ich doch immer wieder deren Härte gegenüber Spielern, die eine gewisse Altersgrenze erreicht haben. Diese bekommen, trotz großer Verdienste und soliden Leistungen nur einen Ein-Jahres-Vertrag mit Option. Fügen sie sich dem nicht, dürfen sie gehen. Die Liste der Spieler ist lang. Vielleicht haben die Bayern einfach nur Angst, ein Jahr lang einen alten Topverdiener auf der Bank durchfüttern zu müssen anstatt diesen Platz auf der Bank einem hoffnungsvollen Talent anzubieten (welches dort dann oft versauert). Bevor ein Spieler also altersbedingt nachzulassen droht bzw. es drohen könnte, wird er beim FC Bayern aufs Abstellgleis geschoben. Da zählen Tradition und Verdienste nichts, sondern nur die knallharte Entscheidung der sportlichen Führung. Respekt für diese Selektion.
Roßtäuscher 06.06.2011
4. Eigentlich schade, wenn man derart verabschiedet wird
Zitat von sysopBye, bye Bayern:*Miroslav*Klose*verlässt den deutschen Rekordmeister und flüchtet vor der Konkurrenz. Jetzt will er*wenigstens in der*Fußball-Nationalmannschaft Stammspieler bleiben. Dafür nimmt der Stürmer sogar in Kauf, sich sportlich zu verschlechtern. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,766925,00.html
Ist dem Hoeneß seine gepriesene Loyalität abhanden gekommen, seit er Präsident ist?
IAdmitIAmCrazy 06.06.2011
5. Sportlich verschlechtert?
Zitat von sysopBye, bye Bayern:*Miroslav*Klose*verlässt den deutschen Rekordmeister und flüchtet vor der Konkurrenz. Jetzt will er*wenigstens in der*Fußball-Nationalmannschaft Stammspieler bleiben. Dafür nimmt der Stürmer sogar in Kauf, sich sportlich zu verschlechtern. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,766925,00.html
Stimmt, bei Real oder Barça, ManU oder Chelsea hätte Klose sich VERBESSERT, aber ob er sich bei Valencia oder der Roma gegenüber Bayern wirklich "sportlich VERSCHLECHTERT"? Da dringt wohl mal wieder die alte Bayern-Selbstüberschätzung durch. Ich liebe Hannover 96, aber wer bis zwei Spieltage vor Schluss sich noch vor Slomkas Mannen fürchten muss, sollte kleinere Brötchen backen.
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