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Hertha-Abstieg: Tränen nach 13 Jahren Bundesliga

Foto: Alex Grimm/ Bongarts/Getty Images

Absteiger Hertha BSC "Das hat der Verein nicht verdient"

Der tiefe Fall nach 13 Jahren in der Bundesliga: Hertha BSC steht als erster Absteiger der Saison fest. Auch ein starker Auftritt in Leverkusen konnte die Berliner nicht retten. Dem Team steht ein harter Neuanfang bevor - doch die Vereinsspitze gibt sich kämpferisch.

Am Ende fehlten der Hertha nur wenige Zentimeter. In der 91. Minute der Partie in Leverkusen fand sich Berlins Angreifer Theofanis Gekas einschussbereit vor dem Tor der Gastgeber. Doch so sehr der 29-Jährige auch um den Ball bettelte, Teamkollege Adrián Ramos misslang der simple Querpass. So blieb es beim 1:1 (0:1) - und die Hertha stand als erster Absteiger der Bundesliga-Saison 2009/2010 fest.

"Das Spiel war ein Sinnbild für die gesamte Rückrunde. Wenn ich die 91. Minute sehe, wo wir das Spiel zu unseren Gunsten hätten entscheiden können, dann war das das I-Tüpfelchen", trauerte auch Berlin-Trainer Friedhelm Funkel nach dem Schlusspfiff der vergebenen Chance nach. Seine Spieler hockten zu diesem Zeitpunkt noch niedergeschlagen auf dem Rasen oder versuchten, zusammen mit den zahlreich mitgereisten Hertha-Anhängern den fünften Abstieg der Vereinsgeschichte zu verarbeiten.

"Wir haben wieder einige Chancen gehabt und sie nicht genutzt. In der Rückrunde haben wir uns zusammengerissen und ein anderes Gesicht gezeigt. Wir haben uns zu selten belohnt", sagte Arne Friedrich. Der Nationalspieler ließ seine persönliche Zukunft offen und kündigte an, die Mannschaft wolle sich nach dem letzten Heimspiel gegen den designierten Meister Bayern München am kommenden Samstag mit dem Verein zusammensetzen.

47 Minuten lang hatte es zuvor so ausgesehen, als bliebe der Hauptstadt-Club noch bis zum letzten Spieltag ein Kandidat für den Relegationsplatz. Der Führungstreffer von Raffael in der zwölften Minute war die Belohung für einen engagierten Auftakt des Tabellenletzten in Leverkusen gewesen. Gekas vergab schon kurz nach dem Anpfiff die Möglichkeit für das erste Tor, sein Schuss landete am Pfosten. Auch danach ließen die Hertha-Profis gute Chancen in Serie aus. Nach 59 Minuten überwand Manuel Friedrich dann den starken Berliner-Schlussmann Jaroslav Drobny zum Ausgleich.

Lob vom Trainer des Gegners

"Die Mannschaft kann erhobenen Hauptes den Gang in die zweite Liga antreten", sagte Trainer Funkel. Auch sein Bayer-Kollege Jupp Heynckes zeigte sich beeindruckt von der Leistung der Berliner: "Ich habe noch keine Mannschaft gesehen, die so gut spielt wie Hertha und absteigt."

Seit dem 0:4 gegen Freiburg am sechsten Spieltag hatte Berlin den letzten Tabellenplatz nicht mehr verlassen können, zur Winterpause wirkte das Team mit nur sechs Punkten aus 17 Spielen bereits wie ein sicherer Absteiger. Erst nach dem Wechsel auf der Trainerbank - Funkel ersetzte Lucien Favre - und Neueinkäufen wie Gekas, Lewan Kobiaschwili und Roman Hubnik zeigte das Team erste Lebenszeichen.

Vier Auswärtserfolge gelangen in der Rückrunde, dafür strapazierte eine erschreckende Heimschwäche die Nerven der Zuschauer im Olympiastadion. 15 mal in Folge blieb das Team zu Hause sieglos und stellt damit den Negativrekord von Tasmania Berlin aus der Saison 1965/66 ein. Zum traurigen Höhepunkt geriet dabei das 1:2 gegen Mitabstiegskandidat Nürnberg. Nach der Partie hatten rund 100 Randalierer den Platz gestürmt und versucht, in die Kabine einzudringen. Der Club sprach 23 Stadionverbote aus.

Trainer Funkel und viele Spieler vor dem Abschied

Auch in der Führungsetage war die Enttäuschung über den Absturz nach 13 Jahren in der Bundesliga riesig. "Es ist natürlich ganz bitter. Jetzt müssen wir uns gerade machen. Aber wir werden versuchen, eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen", wagte Geschäftsführer Michael Preetz einen Ausblick auf die Planungen für die zweite Liga. Zwölf Verträge laufen aus, zahlreiche Leistungsträger stehen auf dem Wunschzettel vieler Bundesligisten. "Bei Absteigern gibt es immer einen Umbruch. So groß, wie er in den letzten Tagen vorhergesagt wurde, wird er aber nicht ausfallen", sagte Präsident Werner Gegenbauer.

In den Planungen für Liga zwei dürfte Trainer Funkel keine Rolle mehr spielen. Der Kontrakt des 56-Jährigen endet zum Saisonende, ein Abschied gilt als sicher. Funkel war bereits der zehnte Trainer bei Hertha seit dem Wiederaufstieg 1997 unter Jürgen Röber, der danach noch bis Februar 2002 im Amt war.

Das erklärte Ziel in Berlin ist nun der direkte Wiederaufstieg. "Berlin als Hauptstadt muss erstklassig sein. Das hat der Verein nicht verdient", sagte Kapitän Friedrich. Doch die Statistik spricht gegen die Hertha: Dieses Kunststück gelang dem Club noch nie. Nach den Abstürzen 1983 und 1991 brauchte der Deutsche Meister von 1930 und 1931 sogar sieben beziehungsweise sechs Jahre für die Rückkehr in das Oberhaus.

mit Material von sid und dpa
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