Abstiegsszenario Hamburger SV rechnete in Report mit 115 Millionen Euro Verbindlichkeiten

Der Hamburger SV hat größere finanzielle Probleme als bisher angenommen. Das geht aus einem Report hervor, der dem SPIEGEL vorliegt - und der sich mit dem gerade abgewendeten Abstiegsszenario beschäftigt.

Volksparkstadion in Hamburg
DPA

Volksparkstadion in Hamburg

Von und


Die Fans stürmten das Feld, die Spieler duschten mit Bier, der Trainer war den Freudentränen nahe: Die Szenen im Hamburger Volksparkstadion am letzten Bundesligaspieltag machten die Erleichterung über den Klassenerhalt deutlich. Wie wichtig die erste Liga für den HSV ist, der als einziger Klub der Bundesliga seit deren Gründung angehört, belegen interne Dokumente. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGELfinden Sie hier.)

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 22/2017
Der letzte Wille entzweit Familien - doch es geht auch friedlich. Eine Gebrauchsanweisung

Ein Report von Ende 2016 analysiert die finanziellen Risiken für den Fall des Abstiegs. Er geht von Verbindlichkeiten der HSV AG, in die der Verein den Profifußball ausgelagert hat, zum 31. Dezember 2016 in Höhe von fast 115 Millionen Euro aus. Den massiven Rückgang der Einnahmen aus dem Ticketverkauf, dem Sponsoring sowie der TV-Vermarktung wollte der HSV demnach mit dem Verkauf einiger seiner teuersten Profis abfedern: Die Abgänge der Spieler Albin Ekdal, Alen Halilovi, Lewis Holtby, Filip Kostic, Pierre-Michel Lasogga und Nicolai Müller hätten 20 Millionen Euro einbringen sollen.

ANZEIGE
Rafael Buschmann und Michael Wulzinger:
Football Leaks

Die schmutzigen Geschäfte im Profifußball

SPIEGEL-Buch bei DVA; 288 Seiten; 16,99 Euro

Dennoch prognostizierte der Finanzbericht für den Abstieg ein negatives Betriebsergebnis sowie eine "Unterdeckung" von 11,3 Millionen Euro. Diese "Lücke", so steht es in dem Papier, sollte mithilfe zweier Hausbanken geschlossen werden. Im schlimmsten Fall rechnete der Report sogar mit einer "Unterdeckung von bis zu 45 Millionen Euro".

Auf Anfrage teilte ein Vereinssprecher mit, dass der HSV erst nach Bekanntgabe des Jahresabschlussberichts Angaben zu Geschäftszahlen mache. Zudem habe der Verein alle Vorgaben zur Lizenzerteilung der ersten wie der zweiten Liga erfüllt. Am 11. Mai hatte der Hamburger SV bekannt gegeben, dass der Großinvestor Klaus-Michael Kühne sein Kapital erneut erhöht hat und mittlerweile 17 Prozent an der HSV Fußball AG hält.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht und welche Geschichten Sie bei SPIEGEL+ finden, erfahren Sie auch in unserem kostenlosen Politik-Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von den politischen Köpfen der Redaktion.



insgesamt 25 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ein-berliner 27.05.2017
1. Leistungsbezahlung?
Einfach nur noch normale Gehälter den Spielern anbieten und bei Ablehnung den Schwachsinn abschalten. Sollen doch die Bayern in Ihrer Fantasiewelt die Glückseligkeit erlangen und weiter Millionäre päppeln. Jeder Unsinn hat Grenzen, das merkt inzwischen auch die Formel 1 mit Ihren Protagonisten des Raserwahnsinns.
Subco1979 27.05.2017
2. Deckelung des maximalen Budgets
Eine Deckelung des maximalen Budgets eines Vereins sollte viele dieser Probleme lösen, die die Kommerzialisierung des Fußball mit sich bringt. Vielleicht reicht sogar ein harter Deckel für alle in Dollar oder Euro, statt an wirtschaftliche Kennzahlen eines Landes angepasst? - Zumindest ließe sich damit auch der Tendenz der letzte Jahre - Fussballvereine als narzisstische Spielwiese einiger Superreicher Personen / Konzerne - entgegen treten. Dazu braucht es jedoch einer Weltorganisation, die keine Mafia ist. Also eine komplett neue.
bernard_bs 27.05.2017
3. Bei 49,9 %
ist dann Schluss für Herrn Kühne. Solange kauft er noch Anteile und der HSV haut die Kohle auf den Kopf. Wenigstens eine verlässliche Konstante im Wirken des HSV. Ach nee, da gibt es noch eine: Die Trainerentlassungen - die nächste steht im Spätherbst wieder an.
Lankoron 27.05.2017
4. Was mich wirklich
an dieser Lizenzprüfung stört: Es gibt Vereine, die schuldenfrei arbeiten, die seriös arbeiten, die eben keine Verbindlichkeiten haben...aber das wird nirgends honoriert, weder in der ersten, noch in der zweiten oder dritten Liga. Diese vereine arbeiten seriös, und nehmen dafür Nachteile bei Spielerverpflichtungen in Kauf. Sollte das nicht auch irgendwie honoriert werden?
kuechenchef 27.05.2017
5.
Zitat von Subco1979Eine Deckelung des maximalen Budgets eines Vereins sollte viele dieser Probleme lösen, die die Kommerzialisierung des Fußball mit sich bringt. Vielleicht reicht sogar ein harter Deckel für alle in Dollar oder Euro, statt an wirtschaftliche Kennzahlen eines Landes angepasst? - Zumindest ließe sich damit auch der Tendenz der letzte Jahre - Fussballvereine als narzisstische Spielwiese einiger Superreicher Personen / Konzerne - entgegen treten. Dazu braucht es jedoch einer Weltorganisation, die keine Mafia ist. Also eine komplett neue.
Der salaray cap in den nordamerikanischen Profiligen verhindert allerdings nicht, daß die Eigentümer der Teams aka der franchise-Lizenzen weniger auffällig sind...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.