Abstimmung in Essen DFB schickt Zwanziger in dritte Amtszeit

Es gab keinen Gegenkandidaten, keine Gegenstimme: Auf dem DFB-Bundestag in Essen ist Theo Zwanziger von den 255 Delegierten erneut zum Verbandspräsidenten gewählt worden. Die Entscheidung zur Regionalliga-Reform wurde vertagt, als sicher gilt, dass in fünf Klassen gespielt werden soll.

DFB-Präsident Zwanziger: Dritte Amtszeit
dapd

DFB-Präsident Zwanziger: Dritte Amtszeit


Hamburg - Theo Zwanziger ist erneut zum Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gewählt worden. Der 65-Jährige aus Altendiez erhielt beim DFB-Bundestag in Essen am Freitag alle Stimmen der 255 Delegierten. Zwanziger war einziger Kandidat für den höchsten Posten im größten Sportfachverband der Welt. Er geht in seine dritte Amtszeit. Von 2004 bis 2006 hatte er gemeinsam mit dem DFB-Ehrenpräsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder den Verband angeführt.

"Ich habe es mir nicht leicht gemacht, noch einmal für das wichtige Amt des DFB-Präsidenten zu kandidieren. Ich mache keinen Hehl daraus, dass mir zuletzt einige Dinge sehr weh getan haben. Aber nach Rücksprache mit meiner Frau und meinen Kindern habe ich entschieden, dass ich Sie gerne noch einmal drei Jahre lang nerve. Ich habe die Kraft für drei weitere Jahre", sagte der Verbandsboss nach seiner Wiederwahl in der Essener Philarmonie.

Zwanziger war in diesem Jahr durch die zunächst geplatzte Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löw und die DFB- Schiedsrichter-Affäre um Manfred Amerell und Michael Kempter in Bedrängnis geraten. Zuletzt gab es Diskussionen um einen Kabinenbesuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Nationalmannschaft.

"Sammer manchmal ein bisschen nervig, aber ein großartiger Sportdirektor"

Zwanziger räumte erneut Fehler bei den ersten Verhandlungen mit Löw und Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff ein. "Wir hatten drei oder vier Tage, in denen wir miteinander hätten sprechen müssen, und wir haben es nicht getan. Dass ich damals nicht zum Telefonhörer gegriffen habe, tut mir heute noch außerordentlich leid", sagte Zwanziger. "Was passiert ist, hätte nicht passieren dürfen."

Erneut lobte der DFB-Chef Matthias Sammer, dem nach einem Kompetenzgerangel mit Löw Abwanderungsgedanken nachgesagt wurden: "Er ist manchmal ein bisschen nervig. Aber er ist ein großartiger Sportdirektor. Ich wünsche mir die Zusammenarbeit mit Matthias Sammer, solange er es für richtig hält."

Zwanziger sagte in seiner Bewerbungsrede: "Also, wenn Sie wollen, werde ich Sie noch einmal drei Jahre nerven." Er tue dies nicht, weil er - wie Journalisten oft behaupten würden - mit dem Amt kokettiere. Überhaupt beklagte sich der DFB-Präsident über "eine mediale Betrachtung, die nicht immer der Realität gerecht wird".

Klärungsbedarf bei der Ausgestaltung des künftigen Modells

Während Zwanziger in seinem Amt bestätigt wurde, hat der DFB-Bundestag eine Entscheidung zur Reform der Fußball-Regionalliga vertagt. Zwar soll die umstrittene Regionalliga-Reform mit fünf statt bisher drei Staffeln im deutschen Fußball kommen, Details müssen aber noch geklärt werden. Darauf einigten sich die 255 Delegierten.

Die fünf Staffeln sollen den Regional- und Landesverbänden Nord, Nordost, West, Südwest gemeinsam mit den Landesverbänden Baden, Hessen, Südbaden und Württemberg, sowie Bayern unterstehen.

"Wir wollen verhindern, dass es zu einem Bruch kommt zwischen Amateuren und Profis", sagte Ligapräsident Reinhard Rauball. Er sieht aber noch weiteren Klärungsbedarf bei der Ausgestaltung des künftigen Modells. "Das Thema wird heute nicht gelöst werden. Wir werden dafür eine Kommission bilden." 223 Delegierte stimmten für den Antrag, 25 dagegen, sieben enthielten sich.

Rauball hatte einen "Fünf-Punkte-Solidarpakt Regionalliga" vorgeschlagen, mit fünf Staffeln von 2012/2013 an zu spielen. DFB-Vizepräsident Rainer Koch hatte als Landeschef von Bayern ursprünglich angestrebt, die bisher drei Staffeln (Nord, West und Süd) auf acht zu erhöhen. Er ging aber auf den Kompromissvorschlag aus dem Profilager ein. Nordrhein-Westfalen will die U23-Teams der Profivereine in eine extra Staffel verbannen.

Milkoreit wird Vizepräsident

Neben Zwanziger weitere Positionen im Verband bestätigt beziehungsweise neu besetzt. Für den bisherigen Vizepräsidenten für Qualifizierung, Hans-Georg Moldenhauer, der sich aus privaten Gründen nicht mehr zur Wiederwahl gestellt hatte, wurde Rainer Milkoreit bei einer Enthaltung ins Präsidium gewählt.

Außerdem wurden folgende Personen für die weiteren Positionen im neuen DFB-Präsidium jeweils einstimmig gewählt: Horst R. Schmidt (Schatzmeister), Hermann Korfmacher (1. Vizepräsident Amateure), Rolf Hocke (Vizepräsident für Prävention, Integration, Freizeit- und Breitensport), Dr. Hans-Dieter Drewitz (Vizepräsident für Jugendfußball), Dr. Rainer Koch (Vizepräsident für Rechts- und Satzungsfragen), Hannelore Ratzeburg (Vizepräsident für Frauen- und Mädchenfußball) und Karl Rothmund (Vizepräsident für sozial- und gesellschaftspolitische Aufgaben).

Dem DFB-Präsidium gehören außerdem vier Vertreter des Ligaverbandes an, die bereits von der Vollversammlung der Liga gewählt worden waren und vom DFB-Bundestag am Freitag als Mitglieder im DFB-Präsidium einstimmig bestätigt wurden: Reinhard Rauball (1. DFB-Vizepräsident als Präsident des Ligaverbandes), Christian Seifert (Vizepräsident als Vorsitzender der Geschäftsführung der DFL), Peter Peters und Harald Strutz (Vizepräsidenten des Ligaverbandes).

Zum Präsidium, in dem die Ehrenpräsidenten Egidius Braun und Gerhard Mayer-Vorfelder auch weiterhin Stimmrecht haben, zählt auch DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach, der einstimmig vom DFB-Präsidium gewählt und vom Bundestag bestätigt wurde. Als Präsidiumsmitglieder bestätigt wurden auch Oliver Bierhoff (Vertreter der Nationalmannschaft) sowie Matthias Sammer als Vertreter der sportlichen Leitung des Jugend- und Talentförderbereichs.

jar/dpa/sid

insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
chefkoch1 22.10.2010
1. Aber nur unter der Bedingung.....
Zitat von sysopEs gab keinen Gegenkandidaten, keine Gegenstimme: Auf dem DFB-Bundestag in Essen ist Theo Zwanziger von den*255 Delegierten erneut zum Verbandspräsidenten gewählt worden. Für den 65-Jährigen ist es die dritte Amtsperiode. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,724631,00.html
.......das Angie NIE MEHR WIEDER ohne ihn in die Kabine gehen darf. Schliesslich ist er doch der Chef. Ich mache mir jetzt erst mal ne Flasche Sekt auf. Das MUSS man feiern!
Sapientia 22.10.2010
2. Glückwunsch!!!
Zitat von sysopEs gab keinen Gegenkandidaten, keine Gegenstimme: Auf dem DFB-Bundestag in Essen ist Theo Zwanziger von den*255 Delegierten erneut zum Verbandspräsidenten gewählt worden. Für den 65-Jährigen ist es die dritte Amtsperiode. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,724631,00.html
Das ist genau das, was Löw benötigt: "Unter den Talaren - Muff von 1000 Jahren"
ebs1 22.10.2010
3. DFB als demokratische Organisation
alles geht demokratisch zu in unserem Land. Einstimmig. Ohne Gegenkandidaten. Basta. Bis dann wieder eine Bombe platzt.
Bre-Men, 22.10.2010
4. 20iger
Der Breschnjev des deutschen Fußballs.
fotograf-ffm 22.10.2010
5. Wahlmodus
War die Wahl geheim?
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