Achilles' Spezial Augen auf beim Fahnenkauf

Die Weltmeisterschaft eint das ganze Land. Ob an Autos oder Häuserwänden, schwarz-rot-gold wohin man sieht. Doch: So mancher Patriot hat sich beim Fahnenkauf übelst übers Ohr hauen lassen. Da hilft nur noch das Grundgesetz.

Es ist ja eine tolle Sache, dass wir alle von einem total entspannten Nationalgefühl überwältigt sind. Prima, dass Intellektuelle und Gröhlheimer in patriotischer Einigkeit die schwarz-rot-goldenen Stander von Rudis Resterampe an den Kia geflanscht haben.

Wir wollen ja auch wirklich nicht spießig sein. Aber ein bisschen mehr Flaggendisziplin wäre doch wohl angebracht. Kaum haben wir das neue Deutschlandgefühl entdeckt, geht hier gold-schwarz-rot auch schon alles drunter und drüber. Unsere Freunde im Nachbarhaus zum Beispiel, osteuropäisch-ökonomischer Migrationshintergrund, haben sich offensichtlich übers Ohr hauen lassen: schwarz-gelb-rot weht es von ihrem Balkon. Das ist Belgien. Und die sind gar nicht dabei. Was lernen wir daraus? Augen auf beim Fahnenkauf.

Für alle Rütli-Schüler, Einbürgerungstestkandidaten und Teutonenfreunde noch einmal der Hinweis auf Artikel 22, Grundgesetz. Zitat: Die Nationalflagge ist schwarz-rot-gold.

Das werden wir nächste Woche abfragen, vor allem unsere taxifahrenden Dienstleister aus aller Welt. Den Weg nicht kennen, rummuffeln, schwarz fahren und dazu noch Stütze kassieren - alles okay. Aber die Fahne könnt ihr wenigstens richtig rum über die Antenne ziehen. Sonst ist es nicht Deutschland, sondern nur die Trendgardine von Ikea.

Ganz besonders doll treibt es der "Döner Train" an der Uhland, Ecke Berliner Straße. Vor einer Woche hingen da noch etwa 50 gelbe, zehnrote und zwei schwarze Luftballons auf dem Vordach. Da durften sich viele repräsentiert fühlen, Angola zum Beispiel.

Am nächsten Tag dann waren die schwarzen Ballons weggeweht, immerhin hingen drei blaue da. Aha. War es ein rumänischer Imbiss? Oder ein Dönermann, der für Ecuador ist.

Eine Nacht später hatte der laue Sommerwind auch die blauen Ballons entführt. Viele gelbe und ein paar rote baumelten noch tapfer da. Na gut: Spanien, also.

Seit gestern ist auch der letzte rote Ballon verschwunden. Nun ist alles gelb. Na prima. Wir warten auf frische grüne Ballons dazu. Brasiliens Farben über einer Friteuse – das wird wenigstens unserer kleinen Speckbacke Ronaldo gefallen.

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